Lebenslauf      https://www.youtube.com/watch?v=99NO8aLgNNY Wenn Sie bei Youtube dies eingeben, sehen Sie das Video "Alt wie die Welt", über das ich in diesem Text schreibe. Da bin ich  auch zu sehen, aber leider immer nur sehr kurz und meist verdeckt.

Teil 1

Die musikalische Wiege

Wie ich bereits erwähnte, hat sich in meinem Leben bis heute eigentlich alles irgendwie um die Musik gedreht. Der Grund dafür dürfte wohl gewesen sein, dass ich in einer Musikerfamilie groß geworden bin.  Obwohl der Ausdruck „Musikerfamilie“ stimmt nicht ganz, denn eigentlich war nur mein Vater Berufs-Musiker, aber ich glaube, davon hat die ganze Familie etwas abbekommen.

Mein Vater spielte Geige, ein damals sehr beliebtes und sehr gebräuchliches Instrument. Außerdem hatte er im damaligen Chemnitz ein sehr bekanntes Tanzorchester, mit welchem er in Chemnitz und Umgebung auf allen großen Tanzsälen aufspielte. Eine seiner Hauptbeschäftigungen war es auch, in den Kinos der Stadt, zusammen mit einem Klavierspieler, die Stummfilme musikalisch zu umrahmen. In diesem Zusammenhang fällt mir sofort ein uralter Witz ein:

In einem Stummfilmkino wird  ein dramatischer  Film gezeigt. Geiger und Pianist haben das Letzte gegeben, um die Dramatik zu unterstützen. Am Schluss des Filmes will sich die Hauptdarstellerin, Lilian Harvey, das Leben nehmen. Sie steht auf einer Brücke und will gerade in den reisenden Fluss springen, da ruft ein Zuschauer: „Lilian, nimm den Geiger mit!“ Ich hoffe nur und gehe davon aus, dass mein Vater immer eine ordentliche Musik gemacht hat.

1947 kam ich dann zur Welt, ein Ereignis, das allerdings diese nicht so sehr zur Kenntnis nahm. Meine Eltern waren ausgebombt und dadurch sehr arm, aber mein Bruder und ich haben davon nicht allzu viel gespürt. Unsere Eltern haben alles für uns getan, damit wir eine unbeschwerte Kindheit hatten. Aber das ist ein ganz anderes Thema, eigentlich wollte ich ja nur über meine „Musiker - Karriere“ erzählen, und damit geht es jetzt los.

 Die ersten Erfolge

Angefangen hat eigentlich alles, als ich so 3 – 4 Jahre alt war. Obwohl ich mich daran selbst kaum noch erinnern kann, sind es noch ein paar alte Fotos und waren es die Erzählungen meiner Eltern, die diese Erinnerungen auffrischten.

Damals betrat ich die berühmten Bretter, welche die Welt bedeuten sollen, obwohl es sich bei mir nur um die Bodenbretter von vornehmlich drei Gaststätten bzw. Gartenheimen handelte. Zum ersten das  Gartenheim „Rosental“, zum zweiten die Gaststätte „Weilburg“ und zum dritten das Gartenheim „Heimaterde“, alle im Ortsteil Furth gelegen. Die beiden Gartenheime existieren noch heute, während die „Weilburg“ mittlerweile einer anderen Einrichtung Platz machen musste.

Anlässe zum Singen gab es damals eigentlich eine Menge, angefangen von Familienfeiern über Veranstaltungen von Parteien, Vereinen sowie des DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschland) bis hin zu Weihnachtsfeiern für Erwachsene, Kinder und Rentner. Am Anfang habe ich meistens „Unisono“ gesungen, das heißt allein und ohne musikalische Begleitung. Später hat dann mein Vater ab und zu einen Pianisten organisiert, der mich bei meinen Liedern begleitete. Das klang bestimmt sehr schön, für mich war es aber etwas komplizierter.

Über mein damaliges Repertoire weiß ich heute nur noch sehr wenig, an drei Titel kann ich mich aber noch ganz gut erinnern. Es handelte sich dabei um die beiden russischen Volkslieder „Suliko“ und „Oh Abendklang“ sowie das deutsche Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“. Ansonsten, vermute ich, werde ich wohl alle möglichen Kinder- und Weihnachtslieder und später viele Pionierlieder gesungen haben. Ich durfte daher schon im Pionierhemd mit Halstuch auftreten, obwohl ich noch kein Pionier war. Darauf war ich besonders stolz.

Apropos Weihnachtslieder - jedes Mal wenn ich bei einer Kinderweihnachtsfeier eingeladen war und der Weihnachtsmann mich nach vorn rief, um mich mein Geschenk abholen zu lassen, konnte ich damit rechnen, dass er zu mir sagte: „Na, ich habe gehört, du kannst so schön singen, stimmt das? Ja, dann singe uns doch mal ein schönes Lied.“ Und ich  musste  dann jedes Mal `ran. Aber, so schlecht scheint es nie gewesen zu sein, denn ich habe anstandslos vom Weihnachtsmann mein Geschenk bekommen.

 Die Schulzeit

Und dann kam der Tag, an dem ich in die Schule kam. Um das einmal zu erläutern - in der damaligen DDR war der Weg eines jeden Kindes eigentlich  vorgezeichnet. Es begann damit, dass bis zur Einschulung die Möglichkeit bestand, in einen Kindergarten zu gehen (die Eltern mussten ja arbeiten), dann kam man zur Schule (es war Schulpflicht), diese dauerte wiederum in der Regel 10 Jahre und wer wollte und das Wissen hatte, konnte auch 12 Jahre gehen. Danach ging man zum Studium oder zur Lehre und wenn man das geschafft hatte, war auch ein Arbeitsplatz garantiert. In der Schule wurde man erst Jungpionier, dann Thälmannpionier und konnte (oder musste?) ab der 9. Klasse in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) eintreten.

Diese Einrichtungen, also Pionierorganisation und FDJ, waren zwar politisch organisiert, aber die Kinder und Jugendlichen bekamen dort eine Menge geboten. Es hatte jeder die Möglichkeit z.B. an Zirkeln in der Schule oder anderen öffentlichen Einrichtungen teilzunehmen, wo er, meist kostenlos, seinem Hobby nachgehen konnte. Es gab Ausflüge und Wanderungen, Ferienspiele und Ferienlager usw. usf..

Auch ich nahm natürlich an vielen Dingen teil und so kam es, dass ich ab  der 3. Klasse in die Musikschule gehen durfte. Aber davon später genaueres!

Zunächst etwas zu den ersten 3 Schuljahren in der Grundschule Furth. Ich war eigentlich nie ein sehr guter Schüler, ich würde sagen - Mittelmaß! Das lag aber nicht etwa daran, dass ich dumm war, nein, es fehlte mir nur die nötige Konzentration - ich ließ mich sehr schnell ablenken - und an meiner Lernfaulheit. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte ich sicherlich zu den guten Schülern gehört, vor allem die letzten Schuljahre. Trotzdem hatte ich bei zwei Lehrern in Furth ein Stein im Brett, und warum?  Natürlich  wieder wegen der Singerei! Mein Klassenlehrer, Herr Schmidt, hat mich sogar einmal zu sich nach Hause eingeladen. Der Zeichenlehrer, Herr Schuricht, malte in seiner Freizeit ein Portrait von mir und ich musste deswegen viele Stunden bei ihm Modell sitzen. Aber bevor es mit zeichnen losging, musste ich immer erst ein Lied singen, oft auch während der Malerei.

 Die Musikschule

Nun etwas zur Musikschule. Meine Eltern meldeten mich dort an, ich hatte mich für das Instrument Gitarre entschieden. Wie sich später herausstellte, eine gute Entscheidung. Die Musikschule befand sich damals auf der Dresdner Straße, später ging ich dann in die Schönauer Schule, einer Außenstelle der Musikschule. Neben dem Unterrichtsfach „Instrument“ wurden wir auch noch in der Theorie, sprich Notenlehre unterrichtet, was natürlich sehr wichtig war, da wir ja nur nach Noten spielten. Es stellte sich aber schon bald heraus, dass das, was ich lernte, eigentlich nicht so richtig meinen Vorstellungen entsprach, Ich lernte Konzertgitarre, d.h. ich konnte zwar Melodien spielen, mich aber beim Gesang selbst mit Akkorden zu begleiten war nicht oder nur teilweise möglich. Ich weiß leider nicht mehr, wie lange ich die Musikschule besucht habe, ich weiß nur, dass ich mir später selbst das Spielen auf der Plektrums-Schlag-Gitarre beigebracht habe. Das war nicht ganz so einfach, denn das Hauptproblem, das ich hatte, waren immer meine leider zu kurz geratenen Finger. Das behinderte mich vor allem bei den so genannten Barreè-Griffen. Bei   diesen   Griffen   ist  es   erforderlich,   mit   dem Zeigefinger  alle sechs Saiten  gleichzeitig und sauber, das heißt genau hinter dem Bund,  zu drücken. Das war am Anfang sehr schmerzhaft,  aber  ich  habe es dann doch noch geschafft. Allerdings gab es dann den einen oder anderen Akkord, den ich nicht richtig greifen konnte, da die Reichweite des kleinen Fingers nicht ausreichte. Es gab da aber auch Unterschiede, z.B. ob ich auf einer Resonanzgitarre mit einen ziemlich breiten Hals gespielt habe oder ob es eine Elektro-Gitarre war, die sich auch sonst viel leichter greifen lässt.

Alles in allen, ich sagte es bereits, hat mir das Gitarrespielen in meiner Zeit als Musiker und Sänger sehr geholfen, denn dadurch war ich jederzeit in der Lage, mir selbst Lieder einzustudieren und dann auch bei jeder Gelegenheit, egal ob privat oder öffentlich, zum Besten zu geben, ohne dabei unbedingt auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Es ermöglichte mir aber auch, in Bands mitzuspielen, worauf ich noch zu sprechen komme.

Der Umzug

An dieser Stelle möchte ich nun auf eine Zeit zu sprechen kommen, die nichts mit der Musik zu tun hatte, sondern einen anderen Abschnitt meiner Kindheit streifen soll.

Meine Eltern mussten nach dem II. Weltkrieg faktisch bei Null wieder anfangen. Dieser Anfang wurde im Chemnitzer Ortsteil Furth gemacht, wo sie zusammen mit meinem Bruder Bernd in die Chemnitztalstraße 119 einzogen. Dieses Haus gehörte meinem Opa. Sie bezogen eine  Zwei-Zimmerwohnung   unter  dem  Dach.  Beide  Zimmer hatten schräge Wände und  das Plumps-Klo befand sich eine halbe Etage tiefer. Der etwas größere Raum war Wohnstube und Küche in einem und der andere Raum war die Schlafstube. Als ich im April 1947 zur Welt kam, musste diese Wohnung immerhin für 4 Personen ausreichen.

Mein Bruder und ich verlebten eine wunderbare Kindheit. Wir spielten und tollten mit den anderen Kindern den ganzen Tag lang herum bzw. später dann nach der Schule und da die Gegend einen ländlichen Charakter aufwies, hatten wir auch genügend Möglichkeiten, uns auszutoben. Im Sommer spielten wir oft stundenlang  „Verstecken“ und „Fanger“ oder hielten uns im gegenüberliegenden Bauerngut auf und im Winter wurde bis in den späten Abend Schlitten gefahren. 

Aber dann kam der Tag, an dem uns unsere Eltern mitteilten, dass wir umziehen, und zwar an das andere Ende der Stadt nach Siegmar / Reichenbrand. Dort hatte sich mein Vater als Verwalter eines Hauses und eines riesengroßen Grundstückes beworben. Für uns Kinder war der Abschied von Furth und damit von unserer Kindheit ein trauriges Erlebnis, aber aus heutiger Sicht war es eigentlich ein logisches Ereignis, denn in dieser engen Wohnung konnten wir wirklich nicht mehr wohnen. Wie sich dann herausstellte, war unsere neue Umgebung aber auch phantastisch für uns. Wir bewohnten die 1. Etage und das Dachgeschoss eines Hauses, selbstverständlich mit Bad und WC. Außerdem war mein Vati verantwortlich für einen sehr großen Park mit ca. 30 Obstbäumen, viel  Rasenfläche,  Beete und  Sträucher. Er hatte die Aufgabe, im Auftrag der Besitzer, welche im Vogtland wohnten, alles in Ordnung zu  halten und einen Anteil der Obsternte diesen Leuten zuzuschicken. Immerhin handelte es sich dabei um die Ernte von ca. 30 Obstbäumen! Heute besteht dieser Park nur noch etwa zur Hälfte, denn unser ehemaliges Wohnhaus sowie alle Nebengebäude wurden um 1995 weggerissen und ein großer Wohnpark entstand. So erinnert eigentlich nicht mehr allzu viel an eine schöne und unbeschwerte Kindheit.

Pionierensemble Karl-Marx-Stadt 

Soweit dieses kurze Abschweifen, doch nun zurück zur Musik. Selbstverständlich habe ich auch in der neuen Umgebung mich in meiner Freizeit der Musik gewidmet. Zum einen besuchte ich weiterhin die Musikschule, zum anderen bewarb ich mich 1960 beim  damals  sehr  bekannten Pionierensemble Karl-Marx-Stadt (1953 wurde die Stadt Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umbenannt!), um im Chor mitzusingen. Auch hier wurde ich angenommen und ab dem 5. Schuljahr gehörte ich dann zu diesem Ensemble, welches neben dem Chor noch aus Orchester und Tanzgruppe bestand.

Allerdings hatte die Sache auch einen Haken – ich musste für diese Zeit wieder die Schule wechseln, denn alle Mitglieder des Ensembles gingen in dieselbe Schule. Es war die Andrè-Schule auf dem Kaßberg. Für das Ensemble hatte es den Vorteil, dass dadurch alle Sänger, Tänzer und Musiker jederzeit erreichbar waren und man auch besser Einfluss auf die Termingestaltung nehmen konnte. Für mich bedeutete das, dass ich mich schon wieder von der gewohnten Umgebung   und   den   gerade  erst   kennen gelernten Klassenkameraden  verabschieden  musste.  Außerdem hatte ich dadurch auch jeden Tag einen ziemlich langen Schulweg.

Die Proben fanden im damaligen Pionierhaus am Kaßberg statt und die Auftritte bzw. Veranstaltungen vor allem im Süden der DDR, also Sachsen von Plauen bis Zittau. Es gab auch Auftritte, die uns über diese Grenzen hinaus führten, so vor allem bei großen politischen Veranstaltungen wie am 01. Mai, am 07. Oktober  (Tag der Republik) und bei Großveranstaltungen, wie z.B. das Pioniertreffen, welches 1958 in Halle stattfand.

Apropos Pioniertreffen. Daran kann ich mich noch erinnern, da dieses Ereignis einen erneuten Wendepunkt in meinem Leben darstellte. Wieso? Ich versuche es zu erklären!

Natürlich war es eine Ehre, dem Pionierensemble anzugehören und dementsprechend musste man sich also auch verhalten. Man durfte z. B. in der Schule in Betragen nur eine 1 oder eine 2 haben. Ich muss der Ordnung halber erklären, dass es in dieser Zeit in den Schulen nur bis zur Note 5 ging, nicht wie heute bis zur Note 6. Nun war ich sicherlich nie ein ruhiger Schüler, im Gegenteil, ich musste immer irgendwie auffallen. Darum fiel es mir ziemlich schwer, die 2 in „Betragen“ zu halten. Aber in Halle bei diesem Treffen leistete ich mir etwas, das meine Note auf die 3 brachte und gleichbedeutend mit dem Ausschluss aus dem Ensemble war. 

Wir gingen in Halle durch einen Park. Der Weg führte gerade aus und zweigte  dann im  rechten  Winkel in einen Nebenweg, wo unser Ziel lag. Alle liefen genau auf diesem Weg entlang, nur mich hatte wieder mal der Teufel geritten und ich kürzte den Weg ab, indem ich schräg über eine Wiese lief. Und das war’s. Neben dem obligatorischen sofortigen Ansch... wurde dann, nachdem wir wieder in Karl-Marx-Stadt waren, meinen Eltern und mir mitgeteilt, dass ich am Schuljahresende in Betragen eine 3 erhalten werde, welches das Ende beim Pionierensemble bedeutete. Schade, es ließ sich aber nicht mehr rückgängig machen. War schließlich meine eigene Schuld.

Zurück zur alten Schule

So dauerte mein Gastspiel leider nur ein Jahr und ich kehrte wieder zu meinen ehemaligen Klassenkameraden in die Reichenbrander Schule zurück.  Aber  das war ja nicht das Ende der „Karriere“, es gab ja auch noch andere Möglichkeiten, musikalisch tätig zu sein. Ich erfuhr, dass es im damaligen Kulturpalast Siegmar (heute Sender des MDR-Fernsehfunkes) eine Singegruppe gibt und dieser schloss ich mich an. Sie wurde von einer Gesangspädagogin, Frau Naumann, geleitet und bestand bis dahin nur aus Mädchen. Ich war dann zwar der einzige Junge, aber stimmlich dürfte das wohl kaum aufgefallen sein. Wie lange ich dieser Gruppe angehörte, welche Lieder wir gesungen haben und wie sich unsere Auftritte abspielten, daran kann ich mich beim besten Willen leider nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich auch eine Zeitlang bei Frau Naumann privat Gesangsunterricht bekam, vor allem die Atemtechnik musste ich lernen. Alles in allen war es aber eine schöne Zeit, denn ich ging damals im Kulturpalast ein und aus, als wenn ich dazugehören  würde.  Dadurch  machte  ich  dort  auch die ersten Bekanntschaften mit Revueprogrammen, welche im großen Konzertsaal regelmäßig stattfanden und in welchem alle damals namhaften Unterhaltungskünstler der DDR auftraten. Ich möchte nicht sagen, dass dies der Grundstein zu meiner späteren Laufbahn als Musiker und Sänger war, aber sicherlich habe ich auch manches mal davon geträumt, in solchen großen Häusern auftreten zu dürfen.

Freizeitbeschäftigung

Bis zum Ende meiner Schulzeit nach zehn Jahren gab es nun einige Möglichkeiten, das erlernte auf der Gitarre in die Wirklichkeit umzusetzen. Neben der schon erwähnten Teilnahme in der Singegruppe sowie einer nur kurzzeitigen Mitwirkung in einer neu gegründeten Band, welche regelmäßig im Kulturpalast spielte und übte, gab es in Reichenbrand einen FDJ-Club. Die FDJ (Freie Deutsche Jugend) war eine Nachfolgeeinrichtung der Thälmannpioniere in der DDR und es gehörte eigentlich fast zur Selbstverständlichkeit, dieser Organisation anzugehören. Genau wie bei den Pionieren hatte man auch hier genügend Gelegenheit, seine Freizeit sinnvoll zu gestalten. So trafen sich also sehr viele Jugendliche aus der näheren Umgebung in diesem Club, um zu spielen, zu tanzen oder auch nur, um zu quatschen. Dabei griff ich auch sehr häufig zur Gitarre, um die neuesten Hits zu spielen, die ich mir selbst beigebracht hatte. Dabei handelte es sich vor allem um Schlager aus dem „Westen“, die wir inoffiziell im Deutschlandfunk oder auf  Radio Luxemburg gehört hatten. Da eigentlich  keiner  englisch   konnte,  mussten  wir  auf  eine deutsche Version des  Schlagers hoffen  oder  wir  machten  ganz  einfach  selbst  einen   deutschen Text dazu. Ging beides nicht, dann wurde schon mal „Pseudo“-Englisch gesungen, also ein Englisch, das keines war, aber es hat keinen gestört. Es war gerade die Zeit des Twist und Rock’n Roll und es gab sehr schöne Schlager zum Nachsingen. Außerdem waren sie auch zum größten Teil sehr einfach auf der Gitarre zu spielen. Ich denke da nur an solche Titel wie „My Baby Balla Balla“, „Lets Twist Again“, „Motorbiene“, „Rock Around The Clock“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und so weiter, und so fort. Titel, die auch heute noch bekannt und beliebt sind. Es war eine ereignisreiche Zeit, man musste nur aufpassen, dass die schulischen Leistungen nicht darunter litten.

Die Lehre

So ging dann also langsam die Kindheit zu Ende und ich wurde 1961 durch die damals übliche Jugendweihe in den „Kreis der Erwachsenen“, wie es offiziell hieß, aufgenommen. 1963 beendete ich dann die 10-jährige polytechnische Oberschule und es wurde Zeit, sich um eine Lehrstelle zu kümmern. Das war zu DDR-Zeiten eigentlich kein Problem, denn so, wie jeder Bürger das Recht auf einen Arbeitsplatz hatte, so wurde jedem Schulabgänger eine Lehrstelle vermittelt. Der einzige Haken an der Sache war allerdings, dass nicht jeder lernen konnte, was er wollte. Sonst hätten wir wahrscheinlich nur Automechaniker und Friseurinnen gehabt. Sonderbarerweise war ich bis dahin eigentlich nie auf den Gedanken gekommen, irgendeinen Beruf zu lernen, der mit der Musik zu tun hatte. Die Auswahl  wäre  da  auch nicht sehr groß gewesen.

Aus diesem Grund habe ich mich zunächst für den Beruf eines technischen Zeichners interessiert, aber man riet mir davon ab. Es wäre ein typischer Frauenberuf mit schlechter Bezahlung und ohne Perspektiven. Es sei denn, man studiert und schlägt dann den Weg eines Konstrukteurs oder freischaffenden Zeichners ein. Das war beides nichts für mich. Also entschied ich mich, aus einer langen Angebotsliste heraus, Koch zu werden. Ein Beruf, für den ich mich bis dahin noch nie interessierte und von dem ich eigentlich absolut keine Vorstellungen hatte. Dementsprechend verlief dann auch meine Lehre, über die ich den Mantel des Schweigens decken möchte.

Meine Kochlehre begann ich im „Chemnitzer Hof “, das damals beste Hotel in Karl-Marx-Stadt. Der Küchenchef, Kurt Drummer, war gleichzeitig der Fernsehkoch des DDR-Fernsehens und es gab kaum jemanden, der ihn nicht kannte.

Im  „Chemnitzer Hof “ war ich ein Jahr, danach ein halbes Jahr im Hotel „Carola“, welches vorübergehend Lehrobjekt war und als dann die Vereinigung Interhotel gegründet wurde, beendete ich meine Lehre im Hotel „Moskau“. Soweit in aller Kürze geschildert, was meine Berufsausbildung betrifft. Aber nun zurück zur Musik.

Die Singeclub-Zeit

Zum besseren Verständnis möchte ich aber zunächst wieder mal etwas erklären, was die  damalige  Zeit  so um 1964 betrifft. Damals gab es die so genannte  Singeclub - Ära,  d. h.  der  Zentralrat  der FDJ beschloss und gründete die Singebewegung in der DDR. Überall in öffentlichen Einrichtungen und in den Betrieben schossen Singeclubs aus dem Boden und jeder, der halbwegs singen oder ein Instrument spielen konnte, beteiligte sich daran. Gesungen wurden Heimat- und Volkslieder, aber vor allem wurde das politische Liedgut gepflegt, egal ob schon existierende Arbeiter- und Kampflieder oder neu geschriebene Politsongs. Es  gab  auch  „Vorzeige“-Singeclubs, welche den anderen als Vorbild dienten und diese dann deren Lieder nachgesungen haben.

Auch die FDJ-Grundorganisation des „Chemnitzer Hofes “ wollte dieser Strömung nicht entgegenwirken und entschied, ebenfalls einen Singeclub zu gründen. Da ich der einzige im Hotel war, welcher ein Instrument spielte, fragte man mich, ob ich das übernehmen könnte. Ich konnte. Es fanden sich auch ein paar sangesfreudige Jugendliche, welche bereit waren, mitzumachen. Wir trafen uns dann in unregelmäßigen Abständen zur Probe, welche in der Nachtbar des Hotels stattfand, da diese ja tagsüber frei war. Aber - wie vorauszusehen - war die Sache von Anfang an eine zum Scheitern verurteilte Angelegenheit, bedingt durch den Schichtbetrieb aller Mitarbeiter. Es gelang eigentlich nie, alle Mitwirkenden gemeinsam zu einer Probe zu erreichen, so dass man immer wieder von vorn anfangen musste. Da ein Lied einzustudieren dauerte oft Wochen und an einem gemeinsamen Auftritt war gar nicht  zu denken. So passierte es dann eben, dass einer nach dem anderen absprang und zum Schluss nur noch Zwei übrig blieben, zum einen ich und zum anderen ein Kollege aus der kalten Küche, Steffen Funke war sein Name.

Der Anfang der „Singenden Köche“

Und wir beide blieben dann auch zusammen, mit dem Unterschied, dass wir nur noch damals sehr bekannte Tagesschlager sangen. Dabei war ich es, der die 2. Stimme übernahm, während Steffen die Solostimme sang. Unser erstes, gemeinsam einstudiertes Lied hieß „Shake Hands“ und wurde im Original von Drafi Deutscher gesungen. Als nächstes folgte dann noch eine anspruchsvolle Version des traditionellen Liedes „Ave Maria“.

Bevor ich nun schreibe, wie es mit uns weiterging, muss ich erneut etwas erläutern. In der DDR wurden Junge Talente, ganz gleich auf welchem Gebiet, gefördert und gefordert. Dies bedeutete, das jeder, der sich irgendwie künstlerisch, sportlich oder anderweitig beschäftigte, die Gelegenheit erhielt, das auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es gab daher in fast allen größeren Orten und Städten Kultureinrichtungen, in denen man sich aktiv betätigen konnte. Das heißt, nicht nur im stillen Kämmerlein, hinter verschlossener Tür, bei sich zu Hause, sondern man konnte sein Talent auch bei öffentlichen Veranstaltungen zeigen. Um diesen Nachwuchs zu erreichen und immer wieder neue Talente zu entdecken, führte man in schöner Regelmäßigkeit Wettbewerbe durch, woran  sich jeder beteiligen konnte. Die künstlerischen Richtungen waren sehr vielseitig und führten von der Rezitation über den Gesang, die  Zauberei, den  Tanz  und  Sport bis hin zur Artistik.  Nun gab es damals einen Mann, der von allen als „Talente-Vater“ bezeichnet wurde, und das nicht zu Unrecht. Es handelte sich dabei um  Heinz Quermann, ein bekannter Conférencier von Bühne, Funk und Fernsehen. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, solche Talente DDR-weit aufzuspüren, zu fördern und den Besten von Ihnen die Chance zu geben, in der eigens dafür eingerichteten Fernsehsendung „Herzklopfen kostenlos“ mitzuwirken. Für viele war dies das Sprungbrett zum Erfolg bzw. sogar zum späteren Erreichen des Berufsausweises. Verständlich, dass jeder insgeheim hoffte, irgendwann auch einmal ins Fernsehen zu kommen. 

Am 7. Oktober 1964, also am Tag der Republik, fand eine solche Talentveranstaltung im Opernhaus von Karl-Marx-Stadt statt und wurde vorher in einer Anzeige der Tagespresse publik gemacht. Jeder, der wollte, konnte sich dort einer Jury vorstellen und von dieser beraten lassen. Diese beurteilte die Darbietung und gab Hinweise über die weiteren Möglichkeiten.

Steffen und ich nahmen auch an dieser öffentlichen Veranstaltung teil und wir stellten uns der Jury zunächst mit zwei Titeln vor. Offensichtlich war diese von unserem Vortrag so angetan, dass sie uns spontan fragte, ob wir bereit wären, bei einigen Veranstaltungen, welche im Rahmen des Republikgeburtstages überall stattfanden, teilzunehmen und dort aufzutreten. Da wir von diesem Erfolg überrascht und auch ein bisschen stolz waren, sagten wir zu und daraufhin ging es dann von Auftritt zu Auftritt durch die ganze Stadt, angefangen vom „Roten Turm“ über Freilichtbühnen bis  hin  zum  Journalisten - Cafe  am  Markt.  Als  wir  dann  am Schluss zusammenzählten, waren wir auf neun Auftritte gekommen. Und überall mit Erfolg! Zum Beispiel auf der Freilichtbühne am Markt. Nur wir zwei, eine Gitarre und ein Mikrofon. Und das vor hunderten von Zuschauern, von denen ein Großteil Jugendliche waren. Für mich heute unvorstellbar. Und was geschah? Wir mussten sogar eine Zugabe machen. Zum Glück hatten wir inzwischen noch einen dritten Titel im Repertoire, er hieß „Wiederseh’n ist wunderschön“ und war ein flotter, stimmungshafter Schlager. Damit hatten wir eigentlich eine ideale Zusammensetzung von drei Titeln, es begann mit einem flotten Schlager, danach kam ein ruhiges, anspruchsvolles Lied und zum Schluss dann ein Titel zum mitsingen oder mitklatschen. Auch in Zukunft würden wir diesem Prinzip treu bleiben.

Um zu den Einsatzorten zu gelangen, nahm uns ein damaliger Laiensprecher in seinem Auto mit, der uns auch gleichzeitig ein bisschen betreute. Er erzählte uns, dass er dem Klubhaus der Jugend und Sportler „Fritz Heckert“ in der Zwickauer Straße angehört und fragte uns, ob wir nicht auch Interesse hätten, uns dort anzuschließen. Wir würden nicht nur unterstützt und gefördert, sondern hätten die Möglichkeit zu Veranstaltungen eingesetzt zu werden. Selbstverständlich nahmen wir das Angebot an, aber darauf komme ich später zurück.

Der Zeitungsartikel

Zunächst möchte ich etwas über die „Nachwirkungen“ unserer Auftritte am 7. Oktober erzählen. Wenige Tage danach meldete  sich  bei  uns  eine  Redakteurin von der „Freien Presse“ und  fragte uns,  ob wir Interesse an einem Interview mit Fototermin für die Zeitung hätten. Es sollte ein großer Bericht über uns erscheinen. Natürlich hatten wir Interesse und so trafen  wir  uns   kurzfristig  in  einer  Gaststätte   zum Gespräch und gingen anschließend ins Druckhaus zum Fotografieren. Für diese Fotos hatte man uns gebeten, auch unsere Kochkleidung mitzubringen und so geschah es dann  auch.  Am 17. Oktober erschien  dann  der Artikel mit  dem Foto halbseitig in der „Freien Presse“. Bezugnehmend auf einen Tagesschlager hieß die Überschrift:

                      „Glück gehört dazu – meinen die singenden Köche“

und der Text lautete folgendermaßen:

„...Im ‚Karl-Marx-Städter Jugendmagazin‘ Nr. 2 werden zwei junge Menschen mehr mitwirken.  Am 7. Oktober, zum Treff junger Talente, gaben sie ihren Einstand. Ein bisschen Courage und schon stand man vor der Jury. Diese nickte sich nach dem „Ave Maria“ zu, überreichte den beiden - Steffen Funke und Gunter Richter - eine Urkunde, worauf „Mit Erfolg bestanden“ geschrieben stand. Freude bei Gunter, dem Lehrling der Kochkunst und Freude bei Steffen, dem Zwanzigjährigen, der sich ebenfalls dem Handwerk der Köche verschrieben hat. Endlich hat sich die Probenarbeit gelohnt. Eigentlich wollte die FDJ-Gruppe des „Chemnitzer Hofes“ eine Kulturgruppe gründen. Doch schon bald schmolz das Häuflein bis auf Gunter und Steffen zusammen. Konnten sie dem Herd „entschlüpfen“, führte der Weg in die Bar – dort wurde geübt. Immer wieder surrte das Tonband, der Text und die Melodie wurden abgehört und selbst probiert. Gunter begleitete auf der Schlaggitarre. Das Spielen dieses  Instrumentes  hatte er auf der Musikschule  gelernt.   Aufgeben  gab es für die beiden Köche nicht. Gunter wurde zur Mikrofonprobe für „Herzklopfen kostenlos“ nicht angenommen. Und Steffen? Er hatte zum Frauentag gesungen.  Aber  das  war  schiefgegangen.   Traurig? Nein. „Zu Hause habe ich eine Menge Schallplatten. Die höre ich ab und singe dann nach. Auch wenn sich die Mutti schon manchmal die Ohren zuhält. Die meisten Platten habe ich von Helga Brauer, meiner ‚Lieblingssängerin‘“, gestand Steffen. Der erste Schritt ist getan. Am 7. Oktober zogen sie von Bühne zu Bühne ... insgesamt neunmal. Applaus für „Shake Hands“. Da mussten sie noch eins zugeben. Also noch „Wiederseh'n ist wunderschön“. Freudestrahlend und überglücklich beschlossen sie diesen Jahrestag der Republik. Endlich ein beifallfreudiges Publikum gefunden zu haben, ein herrliches Gefühl ... Jetzt können sie es kaum noch erwarten, mit einer regelmäßigen Probenarbeit im Ensemble „Junge Talente“  zu beginnen. Was kann wohl die beiden jungen Leute von heute von ihrem Vorhaben abbringen? Am 12. November wurden sie schon für einen weiteren Auftritt „engagiert“. Diesmal zum FDJ-Vergnügen des eigenen Betriebes. „Denen werden wir es aber zeigen, dass wir nicht nur kochen können ... Na bis dahin haben wir auch ‚Glück gehört dazu‘ perfekt.“  Nicht umsonst haben sich Gunter und Steffen diesen Titel herausgesucht. Wollen sie doch zur nächsten Sendung „Herzklopfen kostenlos“ mit bestanden zurückkehren. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen.“

Nach diesem Artikel fanden wir die Idee  mit dem Namen „singende Köche“ so gut, dass wir uns auch weiterhin so nannten. Außerdem trugen wir bei unserem ersten Auftritt in den Programmen Kochkleidung und beim Zweiten zogen wir „Zivil“ an.

Doch  nun  zurück zu  dem  Angebot  des Klubhauses „Fritz Heckert“.  Wir  stellten uns dort vor und wurden auch sofort angenommen. Es dauerte auch nicht allzu lange, da hatten wir schon unsere ersten Einsätze. Um das einmal zu erklären - es gab in der DDR jede Menge Gelegenheiten und Gründe, um zu  Feiern. Egal ob Frauentage, Kinder- und Rentnerprogramme, Freilicht- oder Weihnachtsveranstaltungen, Betriebsvergnügen oder Republikgeburtstag, es war immer etwas los und meistens waren solche Veranstaltungen mit Kulturprogrammen versehen. Es gab teilweise, vor allem an den Wochenenden, mehr Veranstaltungen als Programme, und daher kam es sehr oft vor, dass wir bis zu drei Einsätze an manchen Tagen hatten. Am „schlimmsten“ war es im März zu den Frauentagsfeiern. Da hatte man in dieser Zeit mitunter 40 und mehr Veranstaltungen, meistens in festen Häusern, wo man dann mehrere Tage hintereinander war.

Die Berufskünstler wurden vor allem von einer staatlichen Einrichtung vermittelt, welche sich Konzert- und Gastspieldirektion (KGD) nannte, und die Laien über die schon des öfteren erwähnten Kultureinrichtungen. Außerdem gab es aber auch „Privat-Vermittler“, das waren meistens Leute aus der Unterhaltungsbranche, welche selbst auf der Bühne standen und offiziell über ihren Betrieb oder einfach „schwarz“ Programme vermittelten. Alles war eben eine  Frage  des  Angebotes und  der Nachfrage. Wenn man auf allen drei Hochzeiten tanzte, konnte man sich eigentlich über mangelnde Einsätze nicht beklagen. Die Veranstalter wandten sich ganz einfach an solch eine Einrichtung, brachten ihre Wünsche und Vorstellungen vor und ließen sich ein Programm zusammenstellen, je nach zur Verfügung stehenden Geldmitteln, Länge des Programms und der vorhandenen Möglichkeiten.

Am Beispiel des Klubhauses „Fritz Heckert“ möchte ich einmal ausführen, welche Möglichkeiten es so gab, sich kulturell zu betätigen. Zunächst war da der Tanzkreis „Orchidee“, welcher eigene Programme anbot aber auch Einzeldarbietungen des Turniertanzes vermittelte.  Weiterhin gab es einen Schlagerchor, eine Showtanzgruppe, Zauberei und Sprecher sowie Gesang, klassisch und modern.  Für alle Zirkel gab es fachkompetente Ausbilder, welche selbst einmal in der Unterhaltungskunst und Kultur aktiv waren. Am repräsentativsten jedoch war zweifelsohne der Artistenzirkel, aus welchem im Laufe der Jahre viele hervorragende Berufsartisten hervorgegangen sind. Dort wurde zwei mal die Woche auf den verschiedensten artistischen Gebieten trainiert. Egal ob Hebeakrobatik, Jonglerie, Antipodenspiele, Äquilibristik, Standperch oder Einradfahrer, es war eigentlich alles vertreten. Auf die eine oder andere Darbietung komme ich sicherlich noch zu sprechen.

Natürlich gab es für jeden Auftritt eine Gage, auch für Laien. Diese musste man sich im wahrsten Sinne des Wortes verdienen, denn es bedeutete, sich wieder einer Jury zu stellen, welche dann über die Qualität der Darbietung und damit über die Höhe der Einstufung bzw. Gage entschied. Diese war nicht sehr hoch und später gingen dann davon noch 20% Steuern  ab.   Wir  bekamen  am  Anfang  15,00 MDN, später 25,00 MDN (Die  Währung  hieß  damals  ganz genau „Mark der Deutschen Notenbank“).

Ende der Lehre

Inzwischen hatte ich meine Lehre so recht und schlecht beendet und ich musste mich nun entscheiden, wie es weitergeht. Da ich im Hotel- und Gaststättengewerbe immer mit durchgehenden Schichtbetrieb rechnen musste, nutzte ich die erstbeste Gelegenheit, um meinen Arbeitsplatz zu wechseln. Meine neue Arbeitsstelle hieß von nun an für die nächsten 8 Jahre VEB „Fritz Heckert“, wobei VEB für Volkseigener Betrieb stand. Ich wurde also Betriebskoch, kein leichter und auch kein sehr beliebter Job, aber ich hatte von Montag bis Freitag eben nur  Frühdienst. Dadurch konnte ich immer unseren zahlreichen Veranstaltungen nachgehen. Bei Steffen war der Schichtbetrieb auch kein Problem, denn in der kalten Küche des „Chemnitzer Hofes“ wurden fast täglich große und sehr aufwendige kalte Büfetts hergestellt, welche vor allem in den frühen Morgenstunden bis Mittags in Angriff genommen wurden. Dadurch hatte er sehr häufig Frühdienst und ein Dienstwechsel war immer möglich.   

Herzklopfen kostenlos

Ich erwähnte im Zusammenhang mit der „Junge-Talente-Bewegung“ bereits den Namen Heinz Quermann, der ständig auf der Suche nach neuen Nachwuchskünstlern für seine Fernsehsendung „Herzklopfen kostenlos“ war. Eines Tages erfuhren wir,   dass er demnächst  auch   nach  Karl-Marx-Stadt kommen wird und selbstverständlich wollten wir uns ihm auch vorstellen. Die Veranstaltung fand im kleinen Saal des Klubhauses „Fritz Heckert“ statt und was soll ich groß schreiben - wir haben es geschafft. Wir wurden für die Fernsehsendung ausgewählt, was für uns natürlich ein großer Erfolg war.

Immerhin gab es damals nur zwei Fernsehsender, und zwar DDR-Fernsehen 1. und 2. Programm und wer konnte, schaute sich noch heimlich (oder auch nicht) „Westfernsehen“ an. Allerdings war da der Empfang nicht sehr besonders, da man ja die Antenne, genannt der „Ochsenkopf“, versteckt anbringen musste. Und je weiter man von der Grenze weg wohnte, um so schlechter wurde die Bildqualität. Aus diesem Grund war eigentlich eine große Zuschauerzahl garantiert, so dass hinterher unser Bekanntheitsgrad wahrscheinlich wachsen würde.

Und dann war es so weit. Die Sendung ging live über den Sender und fand in Sonneberg statt. Sprecher war natürlich Heinz Quermann und musikalisch wurden wir vom „Simon-Franz-Quintett“ begleitet, eine Combo, welche die Stammband der Sendung war und aus Karl-Marx-Stadt stammte. Auch später hatten wir noch zahlreiche Veranstaltungen mit dieser Formation.  Heute  gibt  es   aus  Altersgründen   diese Band nicht mehr, einige der ehemaligen Mitglieder sind inzwischen verstorben, lediglich die Namensgeber, Peter Franz und Werner Simon, leben noch in Chemnitz. Letzterer genießt seinen verdienten Ruhestand und Herr Franz wirkt auf seiner Orgel noch  in  der  Stadthalle  bei  Rentnerveranstaltungen  mit.  Außerdem  betätigt  er  noch mehrmals in der Woche das Glockenspiel im Rathausturm.

Doch zurück zur Fernsehsendung. Wir traten dort in unserer Kochkleidung auf, aber bei der Kameraprobe stellte sich heraus, dass es Probleme mit dem Kontrast gab, da wir nur weiße Kleidung trugen. Also zogen wir los und suchten in einschlägigen Geschäften nach etwas passendem zur Änderung unseres Outfits. In einem Konsum fanden wir dann auch 2 Handtücher, welche schwarz-weiß kariert waren und unserem Auftritt stand nichts mehr im Weg. 

Und noch etwas originelles war passiert. Im Programm wirkten u.a. Zwillinge aus Karl-Marx-Stadt mit, welche den damals sehr bekannten Titel „Max und Moritz“ sangen. Eine Textzeile in dem Schlager ging: „ ...Yeh yeh, das wär' so schön.“ Nun hatte es aber gerade den SED-(Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) Parteitag gegeben, auf  welchem sich der damalige Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht über den Schlager und die Beatmusik in der DDR äußerte. Er sagte dabei unter anderem:

„Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der aus dem Westen kommt, kopieren müssen? Mit dem ‚yeh yeh yeh‘ oder wie das heißt, sollten wir doch Schluss machen.“ Dabei spielte er vor allem auf die Lieder der Beatles an, welche eine völlig neue Ära in der Beatmusik zu dieser Zeit hervorbrachten. Nun  gab  es  natürlich  keinen, der dem widersprochen hätte, auch niemand von unserer Sendung. Also wurde kurzerhand der Text geändert und die Zwillinge sangen nicht „Yeh Yeh, das wär so schön“, sondern „Mm Mm, das wär' so schön“. Auf jeden Fall war der Fernsehauftritt, bei dem wir übrigens den Schlager „Shake Hands“ gesungen haben, ein tolles Erlebnis und ein großer Erfolg. Das spürten wir vor allem bei den nächsten Veranstaltungen und es gab später kaum einen Monat, in dem nicht in irgendeiner Zeitung ein Foto von uns abgebildet war.

Auftritt im „Schaufenster“

Eines Tages meldete sich bei uns eine Mitarbeiterin des „Centrum“ Warenhauses an der damaligen Karl-Marx-Allee, der heutigen Brückenstraße. Sie fragte uns, ob wir bei einer Werbe- und Verkaufsveranstaltung im Vorführzentrum des Kaufhauses mitwirken würden und wenn ja, sollten wir uns doch einmal persönlich vorstellen. Da wir interessiert waren, taten wir das auch und es stellte sich folgendes heraus:

Im Warenhaus befand sich im Erdgeschoss, gewissermaßen im Schaufenster, das Vorführzentrum. Dort wurden neu entwickelte Haushalt- und Küchengeräte dem Kunden vorgestellt, um ihnen die Funktionsweise zu demonstrieren. Das begann bei Staubsaugern, ging über Nähmaschinen bis hin zum Mixer und zur Friteuse. Vor allem die Küchengeräte brachten die Chefin dieser Einrichtung auf die Idee, diese von  kompetenten Personen vorführen zu lassen, also z.B. von Köchen, und wenn es sich dabei außerdem noch um singende Köche handelte,  dann  konnte  man  ja  gleich  zwei Fliegen  mit  einer  Klappe  schlagen.  Das  bedeutete,   wir  sollten  also  nicht  nur   die  Küchengeräte vorführen, sondern zwischendurch immer mal das eine oder andere Lied singen. Auch wir waren von dieser Idee angetan, sagten spontan zu und es folgten dann mehrere Auftritte im „Schaufenster“ des Warenhauses. Die Aufgaben waren meistens so verteilt, dass sich Steffen um das Herstellen von Speisen und Getränken kümmerte, während ich ihm dabei half und außerdem für die Kunden alles erläuterte bzw. die Rezepte verteilte. Die Mitarbeiterinnen der Abteilung unterstützten uns dabei oder kümmerten sich um das Fachliche und verteilten dann die hergestellten Produkte zur Verkostung unter den Kunden. Und wenn einmal eine Pause entstand, griff ich zur Gitarre und wir sangen einen unserer Titel.

Diese Veranstaltungen kamen beim Publikum eigentlich immer an. Aber auch sonst hatten wir darüber hinaus neue Freunde gewonnen, denn von nun an gehörten wir fast mit zum festen Personal des Kaufhauses. Selbstverständlich war für uns daher auch der Auftritt zur Frauentagsveranstaltung für die Verkäuferinnen des Warenhauses. Auch zu den Brigadefeiern der Vorführabteilung wurden wir eingeladen.

Combo 65

Das Klubhaus „Fritz Heckert“ hatte bei den von Ihnen vermittelten Programmen häufig das Problem, dass es nur wenige Bands  gab, die in  der Lage  waren, die Jungen Talente ordentlich zu begleiten. Hinzu kam, dass es auch kaum Gelegenheit zum Proben gab, d.h. in den meisten Fällen musste eine kurze Absprache vor der Veranstaltung ausreichen. Bei den Artisten ging es noch so recht und schlecht, da die Band auf eigene Titel zurückgreifen konnte. Aber bei Gesangsdarbietungen war das schon etwas komplizierter. Außerdem gab es auch noch die Probleme mit der Technik,  die  nicht  immer  gerade  die Beste war. Auf der anderen Seite musste man dafür aber wieder Verständnis haben, denn gute Technik gab es kaum und wenn, dann war sie sehr teuer oder musste mit Beziehungen im Westen gekauft werden. Die Mikrofone waren entweder schlecht eingestellt oder die Band gab sie uns allgemein nicht sehr gern. Es gab sogar eine Combo, da kramte der Chef für unsere Programme immer ein uraltes Mikrofon heraus, nur aus Angst vor Beschädigungen.  Es wäre aber auch nur selten möglich gewesen, mit eigener Anlage anzureisen, vorausgesetzt, wir hätten sie uns leisten können. Später dann habe ich mir wenigstens ein eigenes Mikrofon zugelegt. Aber da gab es wieder das Problem, dass dieses nicht an jede Anlage passte und man musste alle möglichen Kabelverbindungen mitbringen, in der Hoffnung, dass irgendeine stimmt.

Aus diesen Gründen hatte das Klubhaus die Absicht, eine eigene Begleitformation zu gründen. Sie beauftragten damit den Schlagerchorleiter Wolfgang Haubold und dieser schaffte es dann auch, eine Band zusammenzustellen. Dazu gehörten u.a. Steffen und ich, sowie noch ein Bassgitarrist, ein Rhythmusgitarrist, ein Schlagzeuger und Wolfgang Haubold spielte ab und zu Klavisett, der Vorläufer der Orgel bzw. des Keyboards. Ich spielte Melodiegitarre und war gleichzeitig Sänger. Die Technik und die Instrumente wurden uns vom Klubhaus zur Verfügung gestellt.

Allerdings blieb es nicht nur bei der Begleitung von Programmen, sondern später spielten wir auch zum Tanz, was uns unheimlichen Spaß machte. Leider ging aber diese „Combo 65“, wie wir uns nannten, bald schon wieder auseinander. Ein Grund dafür war, beides unter einen Hut zu bekommen.  Immerhin  hatten   Steffen   und   ich   auch  Veranstaltungen, wo die  Band nicht benötigt wurde, aber ohne uns konnten sie auch keine Termine annehmen. Dadurch kam es zu Spannungen und außerdem auch noch zum Streit zwischen mir und den anderen Mitgliedern der Combo, an dem ich nicht ganz unschuldig war und in deren Folge man mich aus der Band ausschloss. Warum dies geschah, weiß ich heute nicht mehr so genau, ich vermute aber, dass es mir wahrscheinlich schwer fiel, mich unterzuordnen. Es musste immer nach meinem Kopf gehen und das haben sich die anderen natürlich nicht lange gefallen lassen. Allerdings war dies dann auch schon das Ende der „Combo 65“, denn mit mir ging auch Steffen und die Gruppe löste sich kurz darauf ganz auf. Eigentlich schade.

Arbeiterfestspiele

Vom 11. bis 13.06.1965 fanden in Frankfurt an der Oder die VII. Arbeiterfestspiele statt. Das war eine, natürlich, politische Veranstaltung, wo sich vor allem Laienkünstler auf allen Gebieten, also auch der bildenden Kunst, zu einem Erfahrungsaustausch trafen. Es war klar, dass da nicht jeder hinfahren konnte, sondern es wurden nur die Besten delegiert. Aus diesem Grund fanden überall im Land Vorausscheide statt. Das bedeutete, man musste sich wieder einmal einer Jury vorstellen und diese schickte die ihrer Meinung nach Besten zum Stadtausscheid. Von da aus ging es mit etwas Glück und reichlich Können dann zum Bezirksausscheid und von da wurde man zu den Arbeiterfestspielen delegiert, vorausgesetzt,  die Jury fand die Darbietung gut genug. Mit Steffen hatte ich mich bereits bis zum Stadtausscheid   qualifiziert,  so  dass  ich  mir  in Ruhe bei einer der anderen Vorarbeiten die „Konkurrenz“ anschauen konnte.

Die Veranstaltung fand im kleinen Saal des Industriewerkes in Schönau statt. Und dabei ist etwas passiert, das ich unbedingt erzählen muss, da so etwas sonst eigentlich nur in kitschigen Musikfilmen geschieht.

Es war ein längeres Programm, auf Grund der zahlreichen Darbietungen, welche sich vorstellten. Dadurch wurde nach der Hälfte eine kurze Pause eingelegt, die ich nutzte, um in die Garderobe zu den Mitwirkenden zu gehen. Einige kannte ich und wollte mich mit ihnen etwas unterhalten. Nun war im ersten Teil eine junge Sängerin, mit dem Namen Ilona John, aufgetreten, welche sonst in einer Band mitwirkte und sich hier solistisch mit Schlagern vorgestellt hatte. Ich weiß heute nicht mehr wieso, aber irgendwann nahm ich die Gitarre eines Kollegen und obwohl ich Ilona noch nie vorher gesehen hatte, sangen wir in der Garderobe zusammen ein Lied, und zwar „Cinderella Baby“. Ganz offensichtlich gefiel es den anderen so gut, dass sie uns aufforderten, uns doch noch bei der Jury anzumelden und zu fragen, ob wir noch in dem Programm mitwirken könnten. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich am Anfang von dieser Idee nicht allzu sehr begeistert war, denn immerhin war ich ja  schon mit Steffen qualifiziert.

Jedenfalls - die Jury war einverstanden und ich machte doch mit. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich uns logischerweise absolut keine Chance einräumte. Was soll ich groß sagen, der Jury gefiel es und sie schickte uns zum Stadtausscheid. Dort musste ich dann eben zweimal auftreten, einmal mit Steffen und einmal mit Ilona.  Auch  diese  Prüfung  überstand  ich, allerdings nur mit Ilona zusammen. Mit Steffen war hier Schluss, wir erhielten zwar eine Urkunde, dass wir mit „Sehr gut“ am Talente-Wettbewerb teilgenommen haben, aber es reichte leider nicht, um weiterzukommen.

Erst jetzt setzten sich Ilona und ich zusammen und wir studierten ein neues Lied ein. Bis dahin hatten wir weder geprobt noch an irgendwelchen anderen Veranstaltungen teilgenommen. Unser neuer Schlager hieß „Du sagst mir nur So Long“, war ein langsamer Titel und dürfte heute kaum noch bekannt sein. Er hatte nur den Vorteil, dass er im Original auch von einem Duo gesungen wurde. Mit diesem Lied gingen wir zum Bezirksausscheid, aber da war dann auch für uns Schluss - zumindest vorläufig. Denn um so überraschter war ich, als ein Brief von der Jury kam, in welchem uns mitgeteilt wurde, dass wir nachnominiert worden sind und doch noch nach Frankfurt/Oder fahren sollen. Aus diesem Grund lud man uns zu einer Veranstaltung in den „Chemnitzer Hof“ ein, wo sich alle delegierten Künstler und Jungen Talente dem Karl-Marx-Städter Publikum vorstellen sollten. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir auch, dass sich im Bezirk immerhin über 1500 Bewerber meldeten, welche an den Vorausscheiden teilgenommen hatten. Und wir gehörten zu den wenigen, welche übrig geblieben waren.

Über die Tage in Frankfurt/Oder zu den Arbeiterfestspielen gibt es eigentlich nicht mehr allzu viel zu berichten. Auch dort kam es zu mehreren Veranstaltungen bei denen die Besten der Besten gekürt wurden. Wir waren diesmal nicht dabei, was mich  dann  doch  auch  sehr  gewundert   hätte und  es sicherlich des Guten zu viel gewesen wäre. Aus diesem Grund trat dann das ein, was wir uns vorher ausgemacht hatten - wir trennten uns und ich sang nur noch mit Steffen weiter zusammen. Von Ilona habe ich dann später nur noch gehört, dass sie mit ihrem Mann die Gaststätte „Forsthaus Grüna“ übernommen hatte, dann verliert sich ihre Spur und ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen.

Veranstaltungen, Veranstaltungen

Vielleicht ist es einmal ganz interessant zu erfahren, wie denn in den Anfangszeiten so eine Veranstaltung ablief. Obwohl ich in all den Jahren in hunderten solcher Programme mitwirkte, kann ich mich an das eine oder andere noch ganz gut erinnern, vor allem, weil es in irgendeiner Form außergewöhnlich im positiven wie im negativen Sinn ablief. Das erste Programm, von dem ich erzählen möchte, fand im damaligen Kino in Glösa statt. Es war, glaube ich, eine öffentliche Veranstaltung und der Kinosaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mitgewirkt haben neben Steffen und mir der Jongleur Jürgen Krause, der Zauberer Steffen Unger, die Sängerin Bärbel Greif, die Kautschukdarbietung  Christine  und  der Sprecher  Gerald Arnold.  Wir  hatten  absolut keine Technik, also kein Mikrofon und auch keine Begleitband. Für die Musik sorgte lediglich ein Klavierspieler. Angereist waren wir fast alle mit öffentlichen Verkehrsmitteln, lediglich die Artisten mit viel Gepäck wurden gefahren. Eine ordentliche Garderobe hatten wir auch nicht, es gab nur einen schmalen Zugang zur Bühne, welche man von der Kinoleinewand befreit hatte. Wir entschieden uns daher zu einer sehr außergewöhnlichen, aber,  wie  sich herausstellte, guten Maßnahme. Die Mitwirkenden zogen sich so recht und schlecht in dem engen Gang um, bauten ihre Requisiten auf der Bühne auf und kurz vor Programmbeginn setzten sich alle im hinteren Teil auf die Bühne. Der Klavierspieler begann mit dem Motto, der Vorhang öffnete sich, und jeder, der mit seiner Darbietung an der Reihe war, ging nach vorn und setzte sich danach wieder auf seinen Stuhl. Dadurch bekamen wir auch alle etwas von einem für uns sehr lustigen Vorfall mit, über den wir dann auch später uns noch oft amüsiert haben.

Die Sängerin Bärbel Greif war gerade an der Reihe und sang eines ihrer Chansons, als sie plötzlich die linke Hand im Hüftbereich abstützte und bis zum Schluss auch dort behielt. Als sie dann wieder nach hinten kam, wollten wir natürlich alle wissen, was passiert war. Sie erklärte uns, dass ihr während einer Bewegung der Gummi vom Schlüpfer gerissen wäre und sie diese daher mit der Hand während der ganzen Darbietung festhalten musste!

Über einen weiteren Spaß möchte ich noch berichten, der bei einer Silvesterveranstaltung im Hotel „Chemnitzer Hof“ passierte. Dort fanden an diesem Abend gleich mehrere Auftritte in den verschiedenen Sälen statt.  Nach dem letzten Programm im so genannten Ecksaal war dann für alle Mitwirkenden das große Finale, wo sich also alle noch einmal dem Publikum vorstellten. Nun gab es damals einen jungen Mann, Rico mit Namen, welcher eine wirklich hervorragende Handstandäquilibristik zeigte. Obwohl er schon 18 Jahre war, sah man es ihm nicht an. Er war zwar Proportionsmäßig ganz normal gewachsen, wurde aber nie größer als ca. 1,50 m. Und  zu  diesem Finale passierte es dann - alle Mitwirkenden erhielten als Dankeschön eine Flasche Sekt, nur zu Rico ging die Veranstalterin hin und sagte laut und deutlich: „Und für unseren Kleinen haben wir eine Tafel Schokolade!“

Armee und Musik

Sicherlich könnte ich an dieser Stelle noch über viele, schöne Veranstaltungen berichten, die wir im Laufe der Jahre erlebt haben. Ich denke da nur an das große Revueprogramm des Ensembles Junger Talente, welches anlässlich der Weltfestspiele 1965 entwickelt wurde, an das Treffen junger Sozialisten 1969 in Berlin genauso wie an die sehr schönen Programme zu den Frauentagsveranstaltungen in Gelenau, wo wir auch gemeinsam mit bekannten Schlagerstars aufgetreten sind, z.B. Karel Hulinsky und Klaus Sommer, zwei damals sehr bekannte Interpreten. Übrigens - Karel singt heute noch Volksmusik und Klaus hat sich nach der Wende das Leben genommen.

Leider  wurde  diese  schöne  Zeit  unterbrochen,  da  ich  1967  zur  Armee eingezogen wurde. In der DDR herrschte Wehrpflicht und der Grundwehrdienst dauerte 18 Monate. Zur Grundausbildung kam ich zu den Grenztruppen nach Johanngeorgenstadt. Aber diese dauerte bei mir nur 4 Wochen und ich wurde nach dieser Zeit nach Plauen abkommandiert. Dort versah ich dann die restlichen 17 Monate meinen Dienst als Koch in der Küche der Offiziersschule der Grenztruppen „Rosa Luxemburg“. Obwohl ich ab da mit dem Leben eines Soldaten nicht mehr allzu viel zu tun hatte, muss ich sagen, war es schon eine sehr schwere Zeit. Man musste als Koch nicht nur sehr hart arbeiten, sondern auch die direkten Vorgesetzten, also der   Küchenchef   und   der   Offizier  für Versorgung,. waren ständig daran interessiert, einen zu schikanieren. Aber was soll's - ich habe es überlebt und es hätte schlimmer kommen können. Zum Beispiel, wenn ich als Soldat an die Grenze eingesetzt worden wäre. Es gab auch Vorteile, denn als Koch hatte man immer eine Sonderstellung den anderen gegenüber. Und außerdem war da ja wieder die Musik.

Es dauerte gar nicht lange, da wurde ich von Offiziersschülern angesprochen, ob ich an der Gründung einer Band interessiert wäre. Natürlich war ich das, denn gerade bei der Armee ist man ja über jede Abwechslung froh. Also traf  ich mich gemeinsam mit drei Offiziersschülern und einen Unteroffizier zur ersten gemeinsamen Probe im angrenzenden Offizierskasino. Wie sich herausstellte, waren wir auch sonst eine ziemlich zusammen gewürfelte Truppe. Es gab eigentlich jede Menge Probleme, es fing an bei den Instrumenten und hörte bei der Technik auf, sprich Verstärkeranlage und Mikrofone. Das meiste mussten wir uns von einer schon längere Zeit existierenden Band ausleihen, vorausgesetzt, sie benötigten es nicht gerade selbst. Nun etwas zu unserer Besetzung: Zum einen hatten wir einen Schlagzeuger, welcher aber noch nicht allzu viel Erfahrung hatte, des weiteren spielte einer Akkordeon und der dritte Offiziersschüler zupfte den Kontrabass. Der Unteroffizier spielte genauso wie ich Gitarre und beide wechselten wir uns mit Gesang ab. Wenn nun einer glaubt, Kontrabass und Akkordeon, das geht nicht - es ging. Die Titel studierten wir einfach so nach Gehör oder unter Zuhilfenahme des Originaltitels vom Tonbandgerät ein und da wir ja eine Armeeband  waren,  gehörten  DDR-Schlager  genauso zum Repertoire wie internationale bzw. Westschlager. Wobei, die letzteren überwiegten auch hier. Ich weiß nur, dass wir von da an regelmäßig zu Veranstaltungen eingesetzt wurden, sei es zum öffentlichen Tanz im Casino oder in der näheren Umgebung von Plauen oder auch zu Feierlichkeiten der Garnision. Und obwohl wir nicht perfekt waren, kam unsere Art zu musizieren bei einem Großteil des Publikums an, denn die Tanzsäle waren immer rappelvoll und die Stimmung phantastisch. Mitunter reichte unser Repertoire gar nicht aus für einen ganzen Abend, so dass wir gezwungen waren, manche Titel zu wiederholen, aber auch das störte niemanden.

Im Oktober 1966 fand in Salzwedel ein Leistungsvergleich der Musikkorps und Laientanzkapellen der Grenztruppen der NVA (Nationale Volksarmee) statt, zu welchem wir ebenfalls delegiert wurden. Nun hieß es die nächsten Tage nur noch bei jeder Gelegenheit üben, üben, üben. Vor allem schon deshalb, weil hier ganz sehr auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Verhältnisse 60% DDR-Schlager,  40% Westschlager geachtet wurde. Also studierten wir vor allem DDR-Schlager ein. Und dann ging es los. Mit einem Armeefahrzeug fuhren wir von Plauen nach Salzwedel, für uns damals eine Weltreise. Neben zahlreichen anderen Programmen, welche wir besuchten, kam dann der Tag unseres Auftrittes. Es war so organisiert, dass wir in einem Kulturhaus ich glaube für 2 oder 3 Stunden zum Tanz spielen mussten und dabei von einer Jury beurteilt wurden. Was soll ich groß sagen - es wurde für uns ein voller Erfolg, die Band erreichte den 2. Platz und ich wurde im Rahmen einer großen Abschlussveranstaltung im Kreiskulturhaus   Salzwedel   als   bester   Sänger  und Gitarrist ausgezeichnet. Nach dieser Veranstaltung erhielt ich eine Einladung zum großen Abschlussempfang, welcher aus Anlass dieses Leistungsvergleiches gegeben wurde und auf welchem sich auch sehr viel Prominenz aufhielt. So wurde ich unter anderem auch von verantwortlichen Offizieren des Erich-Weinert-Ensembles angesprochen und man fragte mich, ob ich bei diesem als Sänger mitwirken möchte.

Das Erich-Weinert-Ensemble war eine kulturelle Einrichtung, welche unter der Obhut der Armee stand und zum größten Teil aus Soldaten und Offizieren bestand. Es hatte zahlreiche Einsätze im In- und Ausland und für viele war es das Sprungbrett für eine spätere Karriere als Tänzer, Sänger oder Artist.

Klar also, dass so ein Angebot wie Musik in meinen Ohren klang und es gab eigentlich keinen Grund, nein zu sagen. Aber - offensichtlich war das alles an diesem Abend nur Schaumschlägerei, denn ich habe nie wieder etwas davon gehört. Vielleicht lag es auch daran, dass man im Nachhinein Erkundigungen über mich eingezogen hat und irgend etwas denen an mir oder meiner Einstellung nicht passte, denn selbstverständlich gehörte zur Mitgliedschaft diese Ensembles auch eine gute politische Einstellung.

Aber ein Erlebnis hatte unsere Band dann doch noch in Salzwedel: Auf Grund unseres guten Abschneidens bei diesem Leistungsvergleich, spielten wir im Saal des Kreiskulturhauses für 2 Stunden zum Tanz. Über diesen Nachmittag schrieb dann am nächsten Tag die Tageszeitung folgenden Artikel:

„Stimmung, Stimmung, Stimmung, das  konnten  alle am Sonntag von 16 bis 18 Uhr im Saal des Kreiskulturhauses feststellen, wo die Laientanzkapelle der NVA-Offiziersschule Plauen zum Tanz aufspielte. Diese Laientanzkapelle belegte den 2. Platz im großen Leistungsvergleich. Soldat Richter wurde übrigens als bester Sänger und Gitarrist ermittelt.“

Und genau so war es. Ich erinnere mich noch genau, als die meist Jugendlichen zur Saaltür hereinkamen und da plötzlich welche in Uniform ihre Instrumente aufbauen sahen, da kam schon so mancher skeptische Blick nach vorn. Aber dann, im Laufe der nächsten zwei Stunden kochte die Stimmung über. Es wurde getanzt von der ersten bis zur letzten Minute und selbst die gezwungenermaßen gespielten DDR-Titel kamen beim Publikum an. So eine Veranstaltung hatten wir nie und nimmer erwartet und wir waren hinterher überglücklich. Der einzige Wermutstropfen war eigentlich die Reaktion in unserer Offiziersschule. Auf unserer Rückfahrt haben wir nur davon geredet, wie wohl der Empfang nach solch einem Erfolg aussehen würde, aber der war eigentlich gleich Null. Kaum einer von den verantwortlichen Offizieren, der uns gratulierte, von mehr ganz zu schweigen. Immerhin hatten wir ja diese Schule würdig vertreten, aber wir waren eben nur kleine Soldaten und Schüler. Wir waren trotzdem stolz auf das Erreichte, denn wir hatten mit einfachsten und zum Teil primitivsten Mitteln und durch unsere einfache Art, Musik zu machen, mehr erreicht, als andere mit modernster Technik und größten, vielleicht auch finanziellen, Aufwand. Und das, glaube ich, hat unser Publikum  gespürt  und  war daher immer für uns da.

Hochzeit

Während meiner Armeezeit in Plauen trat noch eine entscheidende Änderung in meinem Leben ein - ich heiratete meine erste Frau Brigitte geb. Thomas. Aus dieser Ehe gingen dann zwei Kinder, Kathrin und Barbara, hervor, bevor sie nach drei Jahren wieder geschieden wurde. Wie hatte ich meine Frau kennen gelernt?

Nun, indirekt wieder durch eine meiner zahlreichen Auftritte vor der Armeezeit. Wir hatten in der damaligen Gaststätte „Goldener Hirsch“ in Gablenz eine Veranstaltung für die Mitarbeiter des VEB Chemieanlagenbau GERMANIA in der Schulstraße. Anschließend spielte unsere „Combo 65“ noch zum Tanz. Kurze Zeit danach ging ich zum Jugendtanz in das Klubhaus „Fritz Heckert“. Im Laufe des Abends lernte ich dann Brigitte kennen und es stellte sich heraus, dass sie mich bereits bei der Feier im „Goldenen Hirsch“ gesehen hatte, da sie im VEB GERMANIA arbeitete. Sie gestand mir, dass ich ihr schon damals aufgefallen sei und sie daher die Gelegenheit genutzt hatte, mich beim Tanzabend kennen zu lernen. Es hatte ja auch geklappt, wir trafen uns dann öfters und was daraus wurde - siehe oben. 

Da sie sich sehr für meine Musik interessierte, fuhr sie auch des öfteren zu den Veranstaltungen mit und bei einer solchen haben wir uns dann im Kreise der Mitwirkenden offiziell verlobt und dann  folgte die Hochzeit.

Ende der Armeezeit

Und dann kam endlich der Tag, an welchem die achtzehn Monate Armee vorüber waren, das war im Frühjahr 1968. Trotzdem verließ ich die Garnisonsstadt Plauen mit einen lachenden und einen weinenden Auge. Zum einen war ich froh, dass ich die doch ziemlich harte und schwere Zeit des Grundwehrdienstes hinter mir hatte und zu meiner neu gegründeten Familie zurückkehren konnte, zum anderen waren da aber auch die schönen Stunden, an die ich mich noch gerne erinnere. Vor allem natürlich die Kameraden, die ich kennen lernte und von denen ich seitdem leider nie wieder etwas gehört habe. Aber so ist das nun  einmal  -  man lernt  im  Laufe  der  vielen  Jahre  eine ganze Menge Menschen bei den verschiedensten Gelegenheiten kennen, man geht wieder auseinander, verliert sich aus den Augen und sieht sich dann schließlich nie wieder. Manchmal ist es vielleicht auch ganz gut so, denn die schönen Zeiten kann man sowieso nicht wieder zurückholen. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Und mit diesen möchte ich jetzt auch weitermachen.

Selbstverständlich ging es auch nach der Armeezeit weiter mit der Singerei, und zwar zunächst erst einmal die folgenden zwei Jahre mit Steffen als die zwei „Singenden Köche“.  In dieser Zeit hatten wir sehr viele schöne Veranstaltungen, an die ich mich im einzelnen natürlich nicht mehr so erinnere. Allerdings, der richtig große Erfolg, so wie damals der Fernsehauftritt bei „Herzklopfen kostenlos“, blieb danach eigentlich aus. Als dann  Steffen 1970 zu seinem Grundwehrdienst eingezogen wurde, ahnte ich da  allerdings  trotzdem  nicht,  dass  dies  gleichzeitig  Abschied für uns beide bedeutete.   

Trennung und Neuanfang

Während der Zeit, in welcher Steffen bei der Armee war, musste ich mir natürlich irgendetwas als Zwischenlösung einfallen lassen, denn ganz ohne Musik sollte es ja nun doch nicht weiter gehen.  Solistisch wollte ich aber nicht auftreten, das war nicht so mein Fall, also suchte ich zum Singen einen Partner oder eine Partnerin. Nun gab es im Klubhaus eine artistische Darbietung, eine Hebeakrobatik, welche sich die „3 Lortinis“ nannten und aus Gahlenz bei Oederan stammten. Dahinter verbarg sich das Ehepaar Hannelore und Gert Fröhlich und die gemeinsame Bekannte und Partnerin Brigitte. Hannelore war außerdem noch solistisch als Schlagersängerin tätig, ob sie damals schon den Berufsausweis hatte, weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls bot sie sich an, mit mir gemeinsam den einen oder anderen Titel einzustudieren um dann bei entsprechenden Angeboten auch mit mir aufzutreten. Die Angelegenheit war allerdings von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn beides unter einem Hut zu bringen, also auf der einen Seite Sologesang und Artistik, auf der anderen Seite die Einsätze mit mir, war ziemlich kompliziert und klappte nicht immer. Es gab ja auch Veranstaltungen, wo sie nur als Artistik vermittelt wurden und in dieser Zeit hatte ich dann nichts zu tun.

Aus diesem Grund war ich eigentlich froh, als mich eines Tages der Schlagerchorleiter, Wolfgang Haubold, ansprach und mich fragte, ob ich eine Gesangspartnerin suchen würde. Bei ihm im Chor  sei jemand, mit Namen Erika, die gern solistisch arbeiten würde. Nur im Chor sei das selten möglich. Ich sagte spontan zu und es dauerte auch nicht allzu lange, da kam es zum ersten Treffen im Klubhaus zwischen mir und ihr. Das war eine etwas eigenartige Situation, immerhin waren wir uns total fremd und sollten nun versuchen, gemeinsam zu singen. Also hieß es, sich aneinander heranzutasten, die Hemmungen abzulegen und das Beste draus zu machen. Wie Erika mir später erzählte, war sie nicht sehr begeistert von mir und hatte eigentlich nicht die Absicht, mit mir zu singen. Aber die Zeit bzw. das Klubhaus war wieder einmal schneller als wir, denn wir hatten  schon  die  ersten  Einsätze  bekommen,  obwohl  wir  noch  nicht  einmal  einen Schlager zusammenbrachten. Das war auch der Grund, warum Erika es doch letztendlich erst einmal versuchen wollte, entscheiden konnte sie sich später immer noch. Wir studierten nun schnell ein paar Titel ein und die ersten Auftritte müssen ganz ordentlich gewesen sein, denn von einer Trennung war dann keine Rede mehr. Es machte ganz einfach Spaß, zusammen zu singen. Unser erster Schlager hieß „Oh Tweedle dee, oh Tweedle dam“. Er wurde original gesungen von der Gruppe „Middle Of The Road“, wir sangen aber die deutschsprachige Version. Diesem Titel folgten im Laufe der nächsten Jahre noch Dutzende anderer Titel, allerdings keine eigenen, sondern nur nachgesungene Schlager und Stimmungslieder. Ich kann mich aber nur noch an einige wenige erinnern, welche ich dann noch bei passender Gelegenheit erwähnen werde.

Nun gab es allerdings für mich ein großes Problem. Aus verständlichen Gründen setzte mir Erika nämlich die Pistole auf die Brust, ich sollte  mich  entscheiden, was passieren wird, wenn Steffen von der Armee wieder zurückkommt. Für sie wäre sonst dieses reichliche Jahr verlorene Zeit, falls ich wieder mit Steffen weiter singen würde. Ich gebe zu, die Entscheidung war sehr schwer zu treffen, immerhin hatte ich auch mit Steffen Erfolge erzielt und so einfach fallen lassen wollte ich ihn auch nicht. Es trat aber etwas ein, das mir meine Entscheidung erleichterte.

Genauso wie damals mit Steffen erhielten Erika und ich die Möglichkeit, 1972 in der Sendung „Herzklopfen kostenlos“ mitzuwirken. Vorangegangen war die übliche Veranstaltung vor einer Jury, der auch Heinz Quermann angehörte. Er nahm uns sofort, und das, obwohl wir ja erst nur wenige Wochen zusammen gesungen hatten. Das war natürlich für uns ein großer Erfolg und ein Zeichen dafür, dass wir stimmlich gut zusammen passten. Wir wurden also mit dem Lied „Oh Tweedle dee ...“ zur Fernsehsendung delegiert, welche diesmal in Straußberg bei Berlin stattfand. Die Sendung wurde auch wieder aufgezeichnet und am darauf folgenden Mittwochabend im Fernsehen gesendet. Am gleichen Abend der Aufzeichnung lief übrigens im 1. Programm des DDR-Fernsehens der erste „Kessel Buntes“ live über den Bildschirm, eine Unterhaltungssendung aus dem Palast der Republik mit vielen nationalen und internationalen Stars. Wir verfolgten so „nebenbei“ diese in der Zukunft sehr beliebte Sendung in unserer Garderobe und ich weiß heute nur noch, dass u.a. die Schlagersängerin Manuela und der französische Sänger Daniel Gerard (Butterfly) mit dabei waren. Gegen diese Sendung hätten wir sowieso keine Chance gehabt und  deshalb  war es  eigentlich gleich so gut, dass unser  Programm aufgezeichnet wurde. Aber auch der spätere Sendetermin war nicht sehr glücklich für uns gewählt, denn am selben Abend fand ein wichtiges Fußballspiel statt, welches im Westfernsehen übertragen wurde. Dadurch waren die Einschaltquoten (bei uns hieß es „Sehbeteiligung“) nicht gerade sehr hoch und das Echo am nächsten Tag im Bekannten- und Verwandtenkreis hielt sich in Grenzen. Übrigens – etwas muss ich noch im Zusammenhang mit der Aufzeichnungsveranstaltung  erwähnen. Bei der Generalprobe ließ Heinz Quermann von unserem Lied einen Mitschnitt machen, warum, wussten wir zu diesem Zeitpunkt auch  noch  nicht.  Später  allerdings  holte  er uns zu einem Gespräch zur Seite und teilte uns mit, dass wir für einen Fernsehauftritt in der Sendung „Herzklopfen international“ vorgesehen seien, welche ein paar Wochen später in Bratislava stattfinden sollte. Da es üblich war, dort die Sänger „Voll-Playback“ singen zu lassen, hatte er also unseren Titel mitschneiden lassen und übergab uns das Band, damit wir es mitnehmen konnten. Aber darauf komme ich später noch zu sprechen.

Zunächst möchte ich noch einmal auf unseren Auftritt in der Sendung „Herzklopfen kostenlos“ zurückkommen. Wie schon erwähnt, hatte die Originalsendung kaum jemand angesehen, was uns natürlich enttäuschte. Es trat aber ein Ereignis ein, womit wir nie gerechnet hätten. Im Fernsehen gab es nämlich seit kurzem eine neue Lotto-Sendung, welche sich  „Tele-Lotto“ nannte. Jede der 49 Zahlen stand dabei in Verbindung mit einen Beitrag, so z.B. Kurzkrimi,  Artistik,  Schlager, Gedichte usw. usf. Die Zahl 19 vertrat den  Beitrag  „Junge Talente“.  Es wurde also eine Zahl gezogen und  danach  sofort  der dazu passende Beitrag gesendet. Da die Sendung neu war (sie wurde übrigens jedes Mal von einen anderen Prominenten moderiert) und man neben dem Spaß auch noch eine ganze Menge Geld gewinnen konnte, erzielte sie immer eine hohe Einschaltquote. Und in genau dieser Sendung kam an einem Sonntagabend  der Beitrag mit unserem Lied bei der Zahl 19 für „Junge Talente“. Erika und ich, wir hatten an diesem Tag gerade eine Nachmittagsveranstaltung und als ich danach ca. 19.30 Uhr nach Hause kam, sagte mir meine Frau: „Du warst gerade im Fernsehen!“

Natürlich war ich etwas enttäuscht, dass ich es nicht selbst gesehen hatte, einen  Videorecorder kannten wir damals noch nicht, aber die Resonanz am nächsten Tag war überwältigend. Es gab wohl kaum jemand, der uns nicht gesehen hatte und entsprechend groß war dann überall das Hallo, ob im Betrieb, im Familienkreis oder bei Veranstaltungen.

Eigentlich war damit der Grundstein gelegt worden für meine spätere Entscheidung, auch weiterhin mit Erika zusammen zu singen und mich also von Steffen zu trennen. Ich teilte ihm das dann auch schriftlich mit, bat ihn um Verständnis und unterbreitete ihm den Vorschlag, evtl. eine Möglichkeit zu finden, dass es auch nach seiner Armeezeit für ihn musikalisch weitergeht. Zum Beispiel schwebte mir vor, zu dritt zu singen, aber in Wirklichkeit glaubte ich selbst nicht richtig daran, dass das klappt. Steffen machte es mir auch leicht mit seiner Reaktion, denn er schickte mir nur ein zerrissenes Foto von uns zurück und damit war die Angelegenheit erledigt. Ich habe ihn dann später noch ab und  zu  bei  Auftritten  im  Hotel „Chemnitzer Hof“, wo er nach seiner Armeezeit  wieder arbeitete, getroffen, aber wir haben nie wieder ein Wort miteinander gewechselt. Ich muss ehrlich gestehen, dass die ganze Geschichte etwas Link von mir war und ich die Entwicklung heute zutiefst bedaure, aber wie schon am Anfang erwähnt – ich musste mich ganz einfach entscheiden. Ich glaube auch, es wäre müsig nachzuforschen, ob ich mit Steffen den gleichen Erfolg gehabt hätte, wie ich ihn dann mit Erika hatte.

Nach vielen Jahren habe ich dann erfahren, dass Steffen, noch sehr jung, gestorben ist. Ich glaube, er war sehr stark Zuckerkrank, aber genaueres habe ich nie erfahren.

Herzklopfen international

Nun zurück zu Erika und mir. Wie schon erzählt, hatte uns also Heinz Quermann zu der Fernsehsendung „Herzklopfen international“ nach Bratislava delegiert. Diese Veranstaltungsreihe war aus der Sendung „Herzklopfen kostenlos“ hervorgegangen und wurde jedes Mal aus einem anderen Land gesendet. Dort wirkten dann also auch Nachwuchskünstler aus den verschiedensten (sozialistischen) Ländern mit, es war also wirklich ein internationales Programm. Es wurden logischerweise nur die jeweilig besten Talente dorthin geschickt, was für uns natürlich eine Wahnsinns-Angelegenheit war. Leider wäre das Ganze aber dann doch noch schief gelaufen, denn kurz vor der Abreise nach Bratislava erkrankte Erika ziemlich schwer, sie hatte eine Grippe und am schlimmsten war, dass sie auch durch Halsschmerzen und  Heiserkeit  nicht  singen  konnte.  Dabei  „rettete“ uns hier eigentlich nur die Möglichkeit, dort Voll-Play-Back singen zu können, denn Heinz Quermann hatte uns ja das Band mit unserem Lied mitgegeben. Entweder wusste er, dass dort nicht live gesungen wird oder es war nur eine Vorsichtsmaßnahme von ihm. Wie sich herausstellte, zu unserem Glück.

Was soll ich noch groß erzählen, die Proben waren sehr langweilig, wir hielten uns zum größten Teil in der Garderobe auf und warteten, bis wir an der Reihe waren. Dann zeigte man uns, wo wir uns hinzustellen hatten, man spielte unser Lied ein, wozu wir so recht und schlecht den Mund bewegten bzw. mitsangen und dann warteten wir wieder auf den Live-Auftritt. Der ging dann auch ziemlich unspektakulär über die Bühne bzw. über den Sender, ohne dass wir die Möglichkeit hatten, uns selbst zu sehen, auch nicht im nachhinein. Die einzige Reaktion, die wir erlebten, war, dass kurz nach der Sendung Erika einen Brief von Verwandten aus Bayern erhielt, welche diese Sendung im Österreichischen Fernsehen (dort wurde die Veranstaltung also auch übertragen, wovon wir allerdings nichts wussten) gesehen hatten und sich sehr freuten, dass Erika mit dabei gewesen  war.

Im Anschluss an diese Sendung wurden wir noch vom Tschechischem Fernsehfunk zu einer Party eingeladen, von der ich allerdings nicht allzu viel mitbekam. Es gab nämlich nicht nur reichlich zu essen, sondern es wurde auch kräftig dem Slibowitz, ein Pflaumenschnaps, zugesprochen. Da ich noch nie Alkohol vertragen habe, man sich aber bei den Trinksprüchen und Dankesreden nicht ausschließen konnte, bin ich dann mit einem mächtigen Brummschädel  ins  Hotelbett  gefallen  und  es  hat  sich  die ganze restliche Nacht nur noch alles bei mir gedreht. Erika erzählte mir dann am nächsten Tag, dass sie sich noch eine ganze Weile mit einigen anderen Mitwirkenden in der Hotelhalle aufgehalten hat. Dort trafen sie auch den Schlagersänger Karel Gott, der gerade Fernsehaufzeichnungen hatte, und unterhielten sich mit ihm bis in die Morgenstunden. Von  alledem habe ich allerdings nichts mehr mitbekommen.

Am nächsten Tag machte man mit uns dann noch eine Stadtrundfahrt durch Bratislava und danach ging es mit dem Zug zurück nach Karl-Marx-Stadt.

Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Die nächsten Wochen und Monate waren nun geprägt durch zahlreiche Veranstaltungen, wobei es nicht immer nur Erfolge gab. Es waren selbstverständlich auch einige nicht so schöne Auftritte dabei. Wie so oft war das auch abhängig von der Qualität der uns begleitenden Bands und deren Mikrofone, auf die wir ja immer angewiesen waren. Es passierte auch des öfteren, dass wir bei den Proben in mühevoller Kleinarbeit das für uns Optimale herausgeholt hatten, aber beim Auftritt selber war dann wieder alles verstellt.

An unserem Prinzip der Titelfolge hielten wir nach wie vor fest - wir begannen mit einen  schnellen Titel, danach kam ein langsamer, anspruchsvoller und zum Schluss ein Stimmungslied zum Mitschunkeln oder Mitklatschen. An die meisten dieser Schlager und Stimmungslieder kann ich mich auch kaum noch erinnern, sie dürften heute auch kaum noch bekannt sein. Auf jeden Fall  waren  es fast  durchweg  „Westtitel“ und nur vier oder fünf stammten aus der DDR-Produktion. So z.B. der Schlager „Hätt’ ich noch mal die Wahl“, „Das kann nur Liebe sein“ oder der Stimmungshit „Geh Alte schau mi net so deppert an“, der im Original von Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler gesungen wurde. Obwohl – ganz Original stammte er wahrscheinlich aus dem Österreichischem, auf jeden Fall hatten wir damit immer einen riesigen Erfolg. Es kam auch vor, dass wir zu englischen Titeln einen deutschen Text machten (z.B. „Atlantis Is Calling“ von Modern Talking) oder, wie bei „Stumb’lin In“ von Chris Norman und Susie Quatro die deutsche und englische Version singen konnten, je nach Publikum. Aber im Allgemeinen hatten wir uns eigentlich nur dem deutschsprachigen Gesang verschrieben, schon allein deshalb, weil keiner von uns englisch konnte und unser Publikum zum größten Teil aus der „reiferen Jugend“ bestand.

Talenteparade mit Erika und Gunter

Unter dieser Überschrift wurde über uns in der Karl-Marx-Städter Zeitung „blick“ ein großer Artikel mit Foto veröffentlicht, ähnlich dem von damals mit Steffen.

„Stets gibt es herzlichen Beifall, wenn das Duo Erika und Gunter, Junge Talente aus dem Klubhaus `Fritz Heckert`, singt. Interessant, wie die zwei zu ihrem schönen sinnvollen Hobby kamen: Beide sind Facharbeiter: sie Mechanikerin im Kombinat Zentronik, er Küchenleiter im Fritz-Heckert-Kombinat, Fertigungsbereich Leninstraße. ‚Ich wohne in Röhrsdorf, habe im Schulchor die ersten Lorbeeren  geerntet`,  sagte  Erika  Hermsdorf.  ‚In  der Berufsschule ging es weiter. Eine Röhrsdorfer Kapelle holte mich als Solistin und schließlich der Wolfgang-Haubold-Chor beim Klubhaus ‚Fritz Heckert’. Dort wurde ich mit Gunter bekannt. Wir arbeiteten zusammen und wirken nun als Solistenpaar im Arbeitervariete beim Klubhaus mit.’

‚Ich singe auch schon von klein auf’,  ergänzt Gunter Richter.’ In der DFD-Gruppe meiner Mutter hat man mich gern gehört. Während meiner Lehrzeit im ‚Chemnitzer Hof’ gab es noch einen, der sang. Wir traten zusammen als ‚Singende Köche  auf. Die weiteren Stationen: Klubhaus ‚Fritz Heckert’, Zusammenarbeit mit Erika.’

Heinz Quermann, der ‚Talentevater’ spürte die beiden auf, förderte und forderte sie. ‚Erlebnisreich’, berichten sie, ‚waren Aufnahmen beim DDR-Fernsehen, einmal sogar in Bratislava. Verständlich, dass wir uns darüber freuen.’

Gunter, der übrigens auch Gitarre spielt, erzählt weiter: ‚Viel neues brachte uns auch die Werkstattwoche der jungen Talente in Magdeburg, an der wir teilnahmen. Wir hatten Helga Brauer als Lehrerin, haben viel gelernt und wohl auch gefallen; denn es gab wiederum Aufnahmen beim Fernsehen und vom Zentralrat der FDJ die Aufforderung, in einem zentralen Programm junger Talente beim Festival (Weltfestspiele) mitzuwirken. Obwohl wir unsere Berlin-Fahrkarten bereits durch unser Klubhaus bekommen hatten, freuen wir uns natürlich sehr über diese Auszeichnung und werden unser Bestes geben.’

Was  gibt’s für Zukunftspläne? ‚Vielseitig wollen wir singen, wollen jetzt ein Programm zusammenbauen, dessen Titel, dem jeweiligen Publikum angepasst, auch ausgewechselt werden können: Evergreens sind drin, Songs, Chansons, Stimmungslieder. Stets sind wir neugierig auf neues und ihre Wirkung. Das macht uns Freude – und unseren Zuhörern wohl auch,’ Zu nennen ist hier beispielsweise der Text, den Erika selbst verfasst hat: ‚Eine neue Blume blüht!’ oder von Chris Doerk: ‚Dieses Land soll nie mehr im Feuer brennen ...’

Was meinen die Eltern zu ihren vielbeschäftigten Kindern? ‚Ich stamme aus einer Musikerfamilie’, meint Gunter. ‚Mein Vater leitete ein Tanzorchester.’ – ‚In unserer Familie singt nur meine Mutter gern’, sagt Erika, ‚und manchmal seufzt sie schon ein bisschen, weil ich so selten zu Hause bin.’ ‚Aber, unsere Eltern sind mit uns stolz auf Erfolge! Jetzt geht es nun erst einmal nach Berlin, doch wir würden uns freuen, recht bald auch wieder einmal in Freundesland singen zu dürfen, vielleicht sogar in der Sowjetunion.’“

Der letzte Satz wurde von uns so nie gesagt, aber so etwas gehörte einfach zur damaligen Zeit mit hinein in solch einen Artikel.

Treffen Junger Talente

Wie bereits in diesem Zeitungsartikel erwähnt, hatten wir das große Glück, zu einem Treffen Junger Talente in Magdeburg delegiert zu werden. Dieses fand in Vorbereitung auf die X. Weltfestspiele der Jugend und  Studenten 1973  in  Berlin  statt  und diente dazu, in einer Art Erfahrungsaustausch die besten Talente zu ermitteln und dann zu diesen  Weltfestspielen  zu  schicken. Unterstützt wurde dieses Objekt durch  zahlreiche Prominente Künstler der DDR aus dem Bereich Unterhaltungskunst, so unter anderem von der damals sehr populären Schlagersängerin Helga Brauer, dem Opernsänger Reiner Süß und natürlich, wie sollte das auch anders sein, durch Heinz Quermann. Diese Prominenten teilten uns in Seminaren ihre Bühnenerfahrungen mit, welche sie im Laufe der Jahre gesammelt hatten und gaben uns auch persönlich zahlreiche Hinweise. Das Ganze ging über 3 Tage und die Probenarbeit wurde auch vom DDR-Fernsehen verfolgt und aufgezeichnet.  Höhepunkt war dann eine große Abschlussveranstaltung vor delegierten FDJ-lern, welche von ausgesuchten Teilnehmern der Werkstatt bestritten wurde und welches ebenfalls vom Fernsehen aufgezeichnet wurde. Auch wir waren mit dem Lied „Das kann nur Liebe sein“ vertreten und da ich diesmal meine Schmalfilmkamera mit dabei hatte, habe ich von der Werkstatt und von der Fernsehprobe einiges auf  Film festgehalten.

Am darauf folgenden Samstag kam dann im DDR-Fernsehen 1. Programm am frühen Nachmittag ein Bericht von diesem Treffen Junger Talente, in welchem man Ausschnitte von der Probenarbeit und vom Abschlussprogramm zeigte. Diese Sendung ging eine Stunde, so dass von vornherein klar war, dass nicht alle Mitwirkenden des Abschlussprogramms gezeigt werden würden. Entsprechend gespannt saßen wir also vor dem Fernseher und hofften darauf, dass auch wir zu sehen sind. Wir hatten Glück – unser Lied wurde in voller Länge gesendet. 

X. Weltfestspiele der Jugend und Sportler

Diese Weltfestspiele fanden im Juli/August in der Hauptstadt der DDR Berlin statt. Hier trafen sich tausende Jugendliche aus aller Welt zum gemeinsamen, meist politischem, Forum, um über die Probleme der Jugend in aller Welt zu diskutieren und ihre Erfahrungen auszutauschen, aber vor allem, um sich kennen zu lernen und zu feiern. Auf zahlreichen Bühnen der Stadt fanden daher auch Programme von jungen Künstlern aus der ganzen Welt statt und auch wir hatten zahlreiche Auftritte. Da wir ja vom Zentralrat der FDJ delegiert waren, hatten wir das Privileg, mit eigenem Fahrzeug anzureisen. Erika hatte sich schon seit einiger Zeit einen Trabant 500 zugelegt und mit ihm sind wir dann eine Woche lang durch Berlin gefahren. Außerdem brauchten wir nicht, wie viele andere Delegierte, in Gemeinschaftsräumen, z.B. Schulen, zu wohnen und zu schlafen, sondern wir hatten am Rand von Berlin eine Privatunterkunft. Dadurch wiederum hatten wir auch eine große Bewegungsfreiheit und waren nicht gezwungen, an den offiziellen politischen Veranstaltungen, wie Podiumsdiskussionen und Demonstrationen teilzunehmen. Hauptsache, wir waren rechtzeitig zu den festgelegten Veranstaltungen anwesend, bei denen wir mitwirkten. Diese fanden auf Freilichtbühnen und in Discos statt und waren nicht gerade der große Hammer, aber das hat uns nicht weiter gestört. Einen Großteil unserer Freizeit verbrachten wir bei wunderschönem Wetter an einem Badesee oder wir machten einen Einkaufsbummel bzw. sahen uns Festumzüge und Veranstaltungen an.

Das Treffen dauerte  eine Woche und  war  so  organisiert, dass die meisten Delegierten und Mitwirkenden jeweils nur eine halbe Woche bleiben durften. Durch unsere Sonderdelegierung waren wir aber die komplette Woche mit dabei.

Ein wichtiges Ereignis, welches während dieser Festtage eintrat, möchte ich nur noch am Rande erwähnen. Drei Tage vor Ende der Weltfestspiele starb der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings seine Ämter schon lange vom späteren Staatschef  Erich Honnecker übernommen worden und Walter Ulbricht war nur noch eine Marionette. Das spiegelte sich auch bei der Abhandlung dieses Todesfalles, ausgerechnet während der Weltfestspiele, wieder. Normalerweise hätten aus diesem Grund die Spiele abgebrochen werden müssen, was natürlich ein herber Rückschlag für alle Verantwortlichen und Organisatoren gewesen wäre. Aber angeblich war der letzte Wunsch von Walter Ulbricht, den er kurz vor seinem Tod geäußert hat, die Weltfestspiele sollen auf jeden Fall weiter gehen. Ob er das wirklich gesagt hat, sei dahingestellt, auf jeden Fall wurden die Spiele bis zum geplanten Ende weiter durchgeführt  und die übliche Staatstrauer fand erst danach statt.

Scheidung und Hochzeit

Inzwischen hatte sich bei mir auch privat einiges geändert. Meine erste Ehe war 1970 geschieden worden und ich zog vorübergehend zu meinen Eltern nach Reichenbrand zurück. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich als Koch im Fritz-Heckert-Werk und lernte dort meine zukünftige Frau, die ebenfalls Brigitte heißt und dort als Lehrling in der  Küche tätig war, kennen. 1972 kam dann unsere gemeinsame Tochter Manuela zur Welt und 1974 wurde geheiratet. 1999 feierten wir Silberhochzeit.

Berufsausweis

Ich erwähnte ja bereits mehrmals, dass die Jungen Talente in der DDR, egal auf welchem Gebiet sie aktiv waren, ob produzierend oder reproduzierend, vom Staat und dessen Einrichtungen gefordert und gefördert wurden. Das Ziel der meisten in der Unterhaltungskunst tätigen Talente bestand größtenteils aber darin, ihr Hobby irgendwann einmal zum Beruf machen zu können. Das war eigentlich im Prinzip gar nicht so schwer, vorausgesetzt, man brachte die entsprechende Leistung und Qualität mit.  Ich möchte daher einmal erläutern, wie man zu solch einem Berufsausweis gekommen ist.

Im Grunde hatte jeder die Möglichkeit und das Recht, sich um die Prüfung zum Erhalt dieser Zulassung zu bewerben. Dabei benötigte er keine Vorkenntnisse oder Qualifikationen, entscheidend war seine Leistung auf dem Gebiet der Unterhaltungskunst zum Prüfungstermin. Im Bezirk Karl-Marx-Stadt fand diese Prüfung in Form einer öffentlichen Veranstaltung ein bis zwei mal im Jahr im Zwickauer  „Lindenhof“  statt.  Alle  Bewerber  aus  den  Bereichen  Gesang,   Sprache, Artistik und Zauberei stellten sich dort einer sehr großen Jury, welche aus Mitarbeitern der Konzert- und Gastspieldirektion, Kulturfunktionären und Berufskünstlern bestand, vor. Nach der Veranstaltung setzte sich dann die Jury zusammen und teilte noch am gleichen Tag den Mitwirkenden mit, ob er es geschafft hat oder nicht. Wenn es auf der einen Seite schon sehr schwer war, sich dieser Jury zu stellen, so kam bei diesen Veranstaltungen noch „erschwerend“ hinzu, dass neben dem meist aus Rentnern bestehenden Publikum sich noch ein Großteil der Laien- und Berufskünstler aus dem Bezirk diese Programm anschauten, was das Herzklopfen sicherlich noch erhöhte. Für diese wiederum war das eine willkommene Gelegenheit, sich wieder einmal zu treffen und irgendwie gab es immer jemanden auf der Bühne, den man persönlich kannte und dem man dann besonders die Daumen drückte. Auch ich habe fast jede Einstufungsveranstaltung besucht,  soweit  es  meine  Zeit  zuließ. Wenn ich „Einstufungsveranstaltung“, schreibe dann hat das seine Richtigkeit, denn hier wurde von der Jury nicht evtl. nur der Berufsausweis  vergeben, sondern gleichzeitig wurde auch die Leistungsstufe festgelegt. Diese war zuständig für die spätere Höchstgage, die man verlangen durfte. Die Einteilung erfolgte in Stufen, angefangen von Stufe A, über Stufe AA, B, BB, C bis hin zur freien Einstufung, das heißt, der Künstler konnte selbst die Gage festlegen. Das traf aber nur auf sehr wenige Darbietungen zu meistens nur solche Interpreten, welche den Staat auch international vertraten, so z.B. die Schlagersänger Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler und Frank Schöbel. Meistens begann die Einstufung mit der niedrigsten Stufe und wenn man später sich höher stufen lassen wollte, musste man sich erneut der Jury vorstellen.

Auch Erika und ich hatten dann eines Tages die Absicht, uns für den Berufsausweis zu bewerben. Viele Kollegen hatten uns  dazu  geraten,  obwohl wir selbst nicht so sehr von einem Erfolg überzeugt waren. So warteten wir auf einen Moment, wo wir ein unserer Meinung nach gutes Repertoire hatten und dann war es so weit. Wir stellten uns vor und – wir bekamen den Berufsausweis. Das passierte im Dezember 1974.

Probleme 

Damit gehörten wir zu den Berufsschlagersängern der DDR, worüber wir uns selbstverständlich riesig freuten. Aber damit kamen auf uns auch Probleme zu,  die vorher nicht so standen.  Auf der einen Seite der Berufsausweis, der uns berechtigte, freiberuflich tätig zu sein, zum anderen gab er aber keine Garantie für genügend Einsätze, um davon leben zu können. Also gingen wir zunächst beide auch weiterhin unserer Arbeit nach, Erika als Feinmechanikerin im Kombinat Zentronic und ich als Kraftfahrer im VEB Tafelgeräte Karl-Marx-Stadt, in welchem ich mittlerweile seit einiger Zeit arbeitete.

Normalerweise hätten wir nun unsere Einsätze vorrangig von den Konzert- und Gastspieldirektionen in der gesamten DDR bekommen können, nachdem wir uns dort beworben hatten, aber wir beschränkten uns aus privaten Gründen nur auf die südlichen Bezirke, also Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Gera und Suhl sowie später noch Cottbus. Private Gründe ganz einfach deshalb, weil wir durch unsere Arbeit ja nicht so weit reisen konnten und am nächsten Tag möglichst wieder zu Hause sein mussten. Außerdem hatte Erika noch den Reitsport als Hobby und da gab es, da sie auch eigene Pferde besaß, logischerweise  immer viel zu tun.  Aus  diesen Gründen machten wir auch, bis auf wenige Ausnahmen, nur so genannte Tagesgeschäfte und keine Tourneen, obwohl die wiederum das meiste Geld gebracht hätten.

Hier mal kurz zur Erläuterung der Unterschied von Tagesgeschäft und Tournee. Bei Tagesgeschäften bekam man ein Angebot mit entsprechenden Vertrag zugeschickt. Wenn man den Termin wahrnehmen konnte, sagte man zu und reiste dann mit seinem PKW zu der angegebenen Zeit zur Veranstaltung.  Wer noch alles in diesem Programm mitwirkte, erfuhr man erst an Ort  und  Stelle, ebenso  die  Dauer des Programms. Meistens musste man schon ein paar Stunden eher anreisen, um vorher mit der Begleitformation proben zu können. Das erledigte sich später dann aber des öfteren, da es sich oft um die gleiche Combo handelte. Es sei denn, man hatte neue Titel zum Proben. Nach dem Programm, wenn kein Finale war, auch schon eher, fuhr man dann wieder nach Hause.

Bei einem Tourneeprogramm war das ganz anders. Es war ein Programm mit immer den gleichen Mitwirkenden, in welchem man mitunter auch noch andere Aufgaben übernehmen musste. Die Anreise zum Veranstaltungsort erfolgte oftmals mit einem Tourneebus und das Programm wurde überall hin verkauft, auch in andere Bezirke, so dass man also für mehrere Tage oder Wochen nicht nach Hause kam und in einem Hotel wohnte. Da Erika und ich Familie hatten und bei Erika die schon erwähnten Pferde vorhanden waren, um die sie sich zu kümmern hatte, kam das für uns also nicht in Frage. Bis auf wenige Ausnahmen. Trotzdem begann unser Einstieg in das Profigeschäft mit einem Kurz-Tournee-Programm, welches uns von der KGD Karl-Marx-Stadt angeboten wurde. Da diese Tournee nur durch den Heimatbezirk führte und wir auch nach jeder Veranstaltung wieder nach Hause kamen, nahmen wir diese Tournee an. Außerdem wollten wir die Gelegenheit nutzen, um ins Geschäft einzusteigen. In diesem Programm wirkten neben uns beiden der Bauchredner Gunter Fox, die Akkordeonspieler Professor Blaha und Vera aus Prag, der Sprecher Peter Weiße und der Sänger Eberhard Hertel mit. Letzterer ist übrigens der Vater von Stefanie Hertel, welche schon damals ein Kinderstar war und später, vor allem nach der Wende, eine der bekanntesten Volksmusiksängerinnen wurde. Begleitet wurden wir von den Caros, eine Combo aus Karl-Marx-Stadt. Das besondere an dieser Tournee war, dass wir immer alle gemeinsam in einem Bus der KGD zu den Veranstaltungen fuhren und dadurch der Kontakt und Spaß untereinander viel größer war, als wenn jeder mit seinem eigenen PKW angereist wäre. 

Über ein Erlebnis möchte ich in diesem Zusammenhang noch berichten, welches auch für uns Neuland war und wo man sich heute gar nicht mehr so vorstellen kann, dass es so etwas wirklich einmal gegeben hat.  Eine Veranstaltung  fand  in  einem  grenznahen Dorf statt, d.h. dieser Ort befand sich im Sperrgebiet. Um dorthin zu gelangen und vor allem um es zu dürfen, musste schon lange vorher ein Antrag gestellt werden und es lag im Ermessen der Behörden, es zu genehmigen oder nicht. Für uns war das schon eine eigenartige Situation, zu erfahren, dass man  nicht  einmal im eigenen Land  überall hin durfte, wo man hinwollte. Aber wie schlimm musste das erst für die Bewohner dieser Ortschaften gewesen sein, welche sich nie frei bewegen konnten und faktisch wie in einem Reservoire gelebt haben.

Jahre später waren wir wieder einmal über die KGD Karl-Marx-Stadt zu einer Veranstaltung in solch einem Ort, welcher Gutenfürst hieß und natürlich auch heute noch so heißt. Dort war ich auch gleichzeitig als Sprecher des Programms eingesetzt und zum Finale sagte ich dann, in Abwandlung eines bekannten Sprichwortes, folgenden Spruch, der mir auf der Anreise eingefallen war: „Gehe nie nach Gutenfürst, wenn du nicht gerufen wirst!“ Ich glaube, das Publikum hat verstanden, wie ich das gemeint habe.

Kinderprogramme

Durch einen Zufall kamen wir eines Tages dazu, uns auf einem völlig neuen Gebiet auszuprobieren. Und zwar sprach uns eine Programmredakteurin an, ob wir Interesse hätten, in einem Kinderprogramm mitzumachen. Uns war klar, dass wir dort natürlich nicht nur unsere Schlager singen konnten, sondern wir mussten uns schon etwas anderes einfallen lassen. Auch hier kam uns wieder der Zufall zu Hilfe, denn der Schlagersänger Frank Schöbel hatte gerade eine LP mit Kinderschlagern herausgebracht, welche nicht nur bei den Kindern großen Erfolg hatte. Es war daher eine fast logische Angelegenheit, dass wir für das Kinderprogramm auf Titel von dieser LP zurückgriffen. Das erste Lied hieß „Kindergeburtstag“ und damit gratulierten wir allen, welche gerade an diesem Tag der Veranstaltung oder davor Geburtstag   hatten.   Das   zweite   Lied  war eine Art Rundgesang und hieß „Sing ein Lied“. Dazu sangen wir immer gemeinsam mit allen Kindern den Refrain und danach ging Erika mit dem Mikrofon ins Publikum und wer von den Kindern singen wollte, konnte sich melden. Wir suchten uns so ca. 5 Kinder aus und diejenigen haben dann irgendein Lied oder einen Schlager gesungen. Das hat unheimlichen Spaß gemacht und es kamen mitunter auch sehr lustige Lieder von den kleinen Sängern herüber. Wo es ging, habe ich von der Bühne aus ein bisschen mit der Gitarre begleitet.

Zwischen diesen beiden Liedern hatten wir noch einen Schlager von Chris Doerk und Frank Schöbel im Angebot, der von einem Ausflug auf dem Tandem erzählte und ganz am Anfang stellten wir uns erst einmal mit einem aktuellen Schlager vor. Meistens war das „Atlantis Is Calling“ von Modern Talking, welche damals gerade sehr populär und deren Schlager bei jung und alt beliebt waren.

Kinderprogramme waren das ganze Jahr über sehr gefragt und durch den Anstoß der Konzert-  und  Gastspieldirektion  haben  wir  für  uns  eine  ergiebige  Einnahmequelle gefunden.

Auch in den darauf folgenden Jahren wirkten wir in zahlreichen Kinderprogrammen, vor allem im Raum Leipzig und Karl-Marx-Stadt, mit. Allerdings nicht nur über die KGD`s, sondern auch über das Ensemble Junger Talente im Klubhaus der FDJ „Fritz Heckert“, dem wir nach wie vor auch als Profis die Treue hielten und wo wir dann gemeinsam mit anderen Künstlern eigene Kinderprogramme entwickelten. Ein Programm hieß „Clown-Parade“ und wurde vor allem in den Sommermonaten bzw. Schulferien in den Ferienlagern aufgeführt. Das Zweite Programm nannten wir „Hotel zu den 7 Zwergen“ und war weihnachtlich aufgebaut.

Die Ideen kamen vom Jongleur Jürgen Krause und mir, danach suchten wir uns die Mitwirkenden  aus  und  alle  gemeinsam  erarbeiteten  dann  den  Programmablauf. Mit vertreten waren immer die Sprecherin Evelin Kunze, die Jongleure Renate und Jürgen sowie Erika und ich. Lediglich beim Weihnachtsprogramm erhielten wir Verstärkung durch zwei Kindertanzpaare des Tanzkreises „Orchidee“, welche auch gleichzeitig die Zwerge darstellten. Für das Drehbuch und die Musik war ich zuständig, außerdem auch für die Bedienung der Technik, welche uns vom Klubhaus zur Verfügung gestellt wurde. Mittlerweile hatte ich mir ein paar Zaubertricks beigebracht, welche ich dann im Programm vorführte. Dabei bezog ich auch Kinder mit ein, welche mir bei der Vorführung assistierten. Ein Trick war z.B. das Zerstechen eines Luftballons mit einem Degen, ohne das dieser dabei zerplatzte. Außerdem zauberte ich Bonbons herbei, welche wir anschließend verteilten. Oder ich zerschnitt ein Seil, welches dann wieder verknotet wurde, dieser Knoten letztendlich verschwand und das Seil wieder ganz war.

Leider kam es nach einiger Zeit zum Streit zwischen Jürgen Krause und dem Rest der Gruppe und dadurch waren die Kinderprogramme dann Vergangenheit. Aber das erlebte man oft in dieser Branche – das einer in der Truppe aus der Reihe tanzte und damit alles kaputt machte. So war es z.B. auch bei dem „TELE – OTTO“ – Programm, von dem ich anschließend erzählen werde. Dort spielte eines Tages der Sprecher verrückt, hatte keine Lust mehr und das Programm war gestorben. Gerade bei Kinderprogrammen muss man voll dahinter stehen und dies nicht nur als Lückenfüller für die etwas flaue Sommerzeit sehen, denn Kinder sind das kritischste Publikum, das man sich vorstellen kann.

Doch zurück zum Angebot der KGD. Artisten aus Zwickau suchten Mitwirkende für ein Kinderprogramm, welches „Zu Gast bei TELE-OTTO“ hieß und in Anlehnung an die Lottosendung des DDR-Fernsehens „Tele-Lotto“ entstand. Man hatte mittlerweile für diese Sendung ein Maskottchen entwickelt, ein Kegel mit Schürze, Krawatte und aufgemaltem Gesicht, sowie einen Zylinder. In diese Rolle schlüpfte einer der Artisten und er war somit der „rote Faden“ im Programm. Als Ziehungsgerät für die Zahlen hatten die Artisten eine Tele-Otto-Figur gebastelt, in dessen Mund die Kinder jeweils eine  Kugel  werfen mussten,  um die Zahl mit dem entsprechenden Beitrag  zu  ziehen. Natürlich haben wir das manipuliert, es mussten ja immer die gleichen fünf Zahlen gezogen werden. Diese hatten folgende Beiträge:

       

1.     Wissenswertes
              2.     Junge Talente
                             3.     Artistik
                                          4.     Zauberei
                                                          5.     Schlagergesang
Für den Beitrag „Junge Talente“ traten die beiden Artisten  zum  ersten mal in Aktion.  Sie  zeigten  eine lustige Tellerdrehdarbietung, bei der es darauf ankam, auf acht Glasfaserstangen Teller zu drehen und immer dafür zu sorgen, dass sie nicht vorzeitig herunterfielen. Um dieser Darbietung das  nötige Tempo zu verleihen, fuhr einer der beiden mit Rollschuhen über die Bühne, wodurch natürlich sehr lustige Situationen entstanden, denn er stellte sich dabei sehr tollpatschig an.

Für den Schlagergesang waren Erika und ich zuständig, zumindest bei unserem ersten Auftritt. Hier sangen wir meistens „Atlantis Is Calling“ sowie „Wir fahren Tandem“ und „Kindergeburtstag“. Ein zweiter Einsatz fand noch mal am Ende des Programms statt, da mit unserem Rundgesang. Die Artisten zeigten dann noch eine Schleuderbrett-Darbietung für die Rubrik „Artistik“ und hatten außerdem auch noch einen Auftritt als Zauberer, gemeinsam mit dem Sprecher. Dieser wiederum holte sich danach Kinder auf die Bühne für eine Schnellraterunde um gutes Wissen.

Das ganze Programm dauerte ca. eine Stunde, ging sehr zügig und lustig über die Bühne und wurde jedes mal begeistert aufgenommen.

Konferenz der Unterhaltungskunst  

Ende 1983 erhielten wir sowie alle anderen Berufs-Schlagersänger des Landes eine Einladung zugeschickt. Wir wurden eingeladen zur ersten Konferenz der Unterhaltungskünstler der DDR auf dem Gebiet des  Schlagergesangs  unter  dem  Vorsitz des Sängers Frank Schöbel. Diese Konferenz sollte am 10. Januar 1984 in Berlin Weißensee stattfinden und die Aufgabe haben, einmal in solch einen einmaligen Rahmen über die Probleme der Interpreten zu sprechen und zu diskutieren. Immerhin gab es zu diesem Zeitpunkt 420 Berufssänger und Berufssängerinnen einschließlich aller Rockgruppen, Gesangsgruppen und Schlagerchöre.

Selbstverständlich fuhren Erika und ich zu diesem Termin nach Berlin und es fand auch unter den 180 erschienenen Interpreten ein reger Erfahrungsaustausch statt. Schließlich und  endlich  gab  es  für  alle bei den täglichen  Veranstaltungen eine Menge Probleme, über die man sonst kaum mit jemanden reden konnte. So z.B. die mitunter sehr schlechten Auftrittsbedingungen, angefangen bei den Sälen oder Freilichtbühnen, über die Garderoben bis hin zur Technik des Hauses oder der Musiker, welche uns begleiteten. In vielen Veranstaltungsorten gab es überhaupt keine Garderoben, oder sie wurden als Abstellraum für Tische und Stühle genutzt, meist ohne Waschmöglichkeiten. Als Alternativen wurden uns dann Abstellkammern, Nebenräume oder Wäschekammern angeboten. Ein weiteres Problem war, an ein neues Auto heranzukommen. Immerhin war ein PKW für uns ein Arbeitsmittel und, um zu den Veranstaltungen zu gelangen, unentbehrlich. Aber bei einer Bestellzeit von zwölf bis fünfzehn Jahre (!) für einen Trabant oder Wartburg, war die Chance gleich Null auf reellen Weg ein neues Auto zu bekommen.

Dieses und noch viel mehr wurde also von den Diskussionsrednern kritisiert mit der Bitte an die  verantwortlichen Kulturfunktionäre, darauf in Zukunft zu achten und sich für eine Verbesserung der Bedingungen einzusetzen. Dies wurde natürlich versprochen, aber ich muss ehrlich gestehen, in den nächsten Jahren hat sich in dieser Richtung absolut nichts geändert. So gesehen war dieser Arbeitskreistreff ein Schuss in den Ofen und die Konferenz eigentlich verlorene Zeit, wenn da nicht – ja wenn da nicht Frank Schöbel eine ganz tolle Idee gehabt hätte.

Alt wie die Welt 

Frank Schöbel hatte extra für diese Konferenz ein Lied komponiert, es hieß „Alt wie die Welt“. Damit verbunden war der Gedanke, dass alle Berufssänger des Landes sich zu einem gemeinsamen Chor zusammenfinden und dieses Lied für Funk und Fernsehen produzieren. Dabei war geplant, dass der Chor nur den Refrain singt, während die Strophen zeilenweise abwechselnd von bekannten Interpreten der DDR gesungen werden sollten. Es sollte außerdem eine Single-Schallplatte hergestellt werden, welche auf der A-Seite den Originaltitel hatte und auf der B-Seite befand sich die Karaoke-Version. So hatte jeder die Möglichkeit, dieses Lied später auch in sein Repertoire einzubauen. Außerdem sollten auf der Hülle alle Namen der Interpreten aufgeführt sein.

Um es vorweg zu nehmen, so wurde es dann auch gemacht. Zunächst aber stellte uns Frank diesen Titel erst einmal mit einer DEMO-Version vor, zu welcher er Live sang. Alle waren begeistert, nicht nur von der Idee, sondern auch von dem Schlager und sagten natürlich ihre Beteiligung zu. Jetzt musste nur noch geklärt  werden,  wie  das Ganze  organisatorisch   abläuft, aber auch da hatte Frank schon einen Vorschlag. Der Text wurde allen per Post zugeschickt. Damit jeder an die Musik gelangen konnte, ließ Frank an einem uns mitgeteilten Termin im Berliner Rundfunk, in einer bekannten Schlagerwertungssendung, das Urband spielen, so dass jeder sich diesen Titel mitschneiden konnte. Und dann mussten wir Text und Melodie möglichst schnell lernen, denn bereits am 20.02.1984 fand die Produktion des Titels auf  Ton und Bild im Haus der heiteren Muse in Leipzig statt. Zu dieser Aufzeichnung kamen ca. 230 Kollegen. Vormittags wurde der Refrain aufgenommen und als der im Kasten war, nachmittags die Fernsehaufzeichnung für die Sendung „Wenn schon, denn schon“, welche wenige Tage später im DDR-Fernsehen lief.

Der Titel wurde übrigens für DDR-Verhältnisse ein Riesenhit und wurde auch zum Schlager des Jahres gekürt. Und so ganz nebenbei war das, und zwar alle Sänger eines Landes ein Lied singen zu lassen, sicherlich ein Weltrekord. Das hatte es noch nie gegeben und heute käme so etwas sicher ins Guiness-Buch der Rekorde.

Zweites Arbeitsverhältnis

Rückblende: Nachdem ich im damaligen „Fritz-Heckert-Werk“ acht Jahre lang als Koch gearbeitet hatte, wechselte ich den Beruf und ging als Kraftfahrer zum VEB „Tafelgeräte SONNAU“ in der Beckerstraße. Ein sehr kleiner, maroder Betrieb, der solche Dinge wie Teeschalen, Shaker,  Menagen, Eisbecher und Fondues produzierte, alles aus hochwertigem Material, wie Messing, Kupfer und Aluminium. Letzteres wurde dann noch durch das Eloxieren veredelt. Übrigens - nach der Wende wurde auch dieser Betrieb geschlossen und es entstand in diesem Gebäude eine Brauerei mit Erlebnisbereichen, sprich Gaststätten und Kabarettbühne, genutzt (Brau & Bogen). Doch auch diese ging Pleite und es zog ein mexikanisches Restaurant ein. Dieses befindet sich seit ca. 2016 mittlerweile auf dem Markt. Aber das nur nebenbei erwähnt.

Als Erika und ich 1975 unseren Berufsausweis gemacht hatten, arbeitete ich noch eine Weile weiter als Kraftfahrer, kündigte dann aber und wurde somit „freischaffender Künstler“. Aber schon kurz danach fragte mich der ehemalige Betrieb, ob ich Interesse hätte, in meiner Freizeit im zweiten Arbeitsverhältnis weiterhin bei Ihnen als Kraftfahrer zu arbeiten, Arbeitszeit nach Vereinbarung. Da ich ja vorrangig nur an den Wochenenden die meisten Veranstaltungen hatte, fiel mir in der Woche sowieso die Decke auf den Kopf, so dass mir dieses Angebot gerade recht kam. Das ging dann auch eine ganze Weile gut - wenn der Betrieb mich brauchte, rief er mich an und ich erledigte dringende, meist Fernfahrten, falls es meine Zeit erlaubte. Dann kam aber der Zeitpunkt, wo man in der DDR an allen Ecken und Enden Sprit sparen musste. Dadurch benötigte man mich nicht mehr, es musste der hauptberufliche Kraftfahrer ausreichen. Nun wollte man mich nicht unbedingt entlassen und machte mir daher ein neues Angebot. Und zwar sollte ich in der Abteilung Montage als Brigadier anfangen, ebenfalls im zweiten Arbeitsverhältnis, mit der Möglichkeit, jederzeit frei zu bekommen. Ich sagte erst einmal zu, ohne allerdings die geringste Vorstellung von dem Job zu haben. Ich wurde dann auch nach einer kurzen Einweisung sofort ins kalte Wasser geworfen, aber so nach und nach habe  ich  mir  dann  alles  Notwendige angeeignet.

In der Abteilung Montage arbeiteten 11 Frauen, welche damit beschäftigt waren, die gefertigte Ware zu komplettieren, zu montieren und zu verpacken. Teilweise wurde auch das Wer-packungsmaterial selbst hergestellt. Meine Aufgabe bestand darin, dafür zu sorgen, dass alle Kolleginnen, welche in Leistung arbeiteten, immer genügend Arbeit hatten. Außerdem war ich auch für die Ordnung und Sauberkeit, für den Arbeitschutz und die Stundenabrechnung verantwortlich.

Da ich keinen offiziellen Vertreter hatte, musste ich allerdings die Zeit, in der ich nicht da war, indirekt herausarbeiten, d.h. auf der einen Seite war alles so zu organisieren, dass die Kolleginnen wussten, was sie an diesem Tag zu machen hatten und auch dass das entsprechende Material bereitstand, auf der anderen Seite musste ich hinterher alles wieder aufarbeiten. Ich war eigentlich ein besser verdienender Transportarbeiter. Aber im Grunde hat mir die Arbeit eigentlich Spaß gemacht.

Eines Tages aber las ich in der Zeitung, dass der damalige Nahverkehr von Karl-Marx-Stadt einen Tag der offenen Tür veranstaltete. Dort durfte auch jeder, der wollte, selbst mal eine Straßenbahn steuern. Außerdem suchte man Mitarbeiter im zweiten Arbeitsverhältnis. Ich bewarb mich und wurde auch sofort mit offenen Händen angenommen. Und das aus zwei Gründen. Zum ersten konnte ich die 2 ½- monatige Ausbildung sofort mitmachen, da ich ja immer in der Woche Zeit hatte, und zum zweiten war ich für den Nahverkehr ein Idealfall, da ich ja fast immer Zeit hatte. Und Dienste waren immer offen. Ich kündigte also bei VEB Tafelgeräte und begann im Januar meine Ausbildung zum Straßenbahnfahrer. Mitte März war diese dann zu Ende und von nun an konnte ich mir die Arbeitszeit aussuchen, wie ich wollte. So ging es dann bis 1990.

Die politische Wende war gerade vorüber und die DDR existierte nur noch in der Vergangenheit. Mit der Wende kamen aber auch sehr viele Änderungen auf uns zu. Eine davon war, dass es so etwas wie ein zweites Arbeitsverhältnis nicht mehr gab, so dass ich also gekündigt wurde. Da es auch keine Veranstaltungen mehr gab (wer hatte schon Geld für so etwas), trennten sich auch Erika und ich und wir wurden beide in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Erika hat sich gemeinsam mit ihrem Mann eine eigene Existenz als Reitlehrer aufgebaut und sie betrieben ein eigenes Gestüt in Wittgensdorf.

Ich war ca. ein halbes Jahr lang arbeitslos, bis ich von ehemaligen Artisten angesprochen wurde, ob ich in einer Wachfirma, in welcher sie auch arbeiteten, als Wachmann und später als Akquisiteur arbeiten möchte. Da dies immer noch besser war, als zu den Arbeitslosen zu gehören, sagte ich zu. Ich arbeitete für ca. ¼ Jahr als Wachmann für 7,20 DM die Stunde und wurde dann in den Kreis der Akquisiteure übernommen, für ein Bruttogehalt von 1.900,00 DM. Die Aufgabe bestand darin, Kunden zu werben und Verträge abzuschließen. Dies war nicht so einfach, denn der Markt war schon überfüllt mit Wachfirmen. Außerdem gefiel mir das Arbeitsklima in diesem Betrieb nicht.  80 % der Beschäftigten waren ehemalige Mitarbeiter  der  Stasi,   der   Armee   und   der Partei. Entsprechend war dann auch der Ton der Vorgesetzten. In unserer Abteilung waren fünf Angestellte beschäftigt - ein ehemaliger Mitarbeiter des MfS, der Artist Robby Bischoff, die Sängerin Sonja Schmidt, ein ehemaliger Mitarbeiter des VEB Spinnereimaschinenbau und ich. Wie sich dann herausstellte, waren das, gemessen  am Erfolg, viel zu viel, so dass man spürte, dass das nicht lange gut gehen wird. Aus diesem Grund kam daher ein plötzliches Angebot der CVAG (ehem. Nahverkehr) gerade recht, ob ich wieder als Straßenbahnfahrer anfangen möchte. Da dies nur ein befristeter Vertrag geworden wäre, sagte ich zunächst ab, aber 14 Tage später kam die Mitteilung, dass der Betriebsrat einer unbefristeten Einstellung zugestimmt habe. Ich kündigte also spontan in der Wachschutzfirma und begann wieder als Straßenbahnfahrer.

Ich möchte der Ordnung halber erwähnen, dass ich die ganze Zeit, seit meiner Entlassung, nebenbei in meiner Freizeit als Fahrscheinkontrolleur tätig war und bei jeder passenden Gelegenheit habe spüren lassen, dass ich an einer Neueinstellung als Fahrer interessiert wäre. Und das war mein Glück, denn normalerweise durfte der Betrieb keine Neueinstellungen vornehmen, ich war und blieb die berühmte Ausnahme.

Im übrigen – schon kurze Zeit später hat die Wachfirma ihr Personal stark reduziert und ist dann schließlich Pleite gegangen.

Kurztournee in Cottbus

Nach diesem kurzem Abstreifen in meine  andere  Arbeitswelt, möchte ich nun wieder auf die Zeit vor der Wende zurückkommen.

Obwohl ich ja schon an anderer Stelle erwähnt habe, dass Erika und ich aus persönlichen und familiären Gründen nur Tagesgeschäfte und keine Tourneen angenommen haben, machten wir 1981 eine Ausnahme. Die KGD Cottbus bot uns eine 10-tägige Tournee an, welche durch 2 freie Tage unterbrochen wurde, an welchen wir nach Hause fahren konnten. Wir sagten zu und haben es auch nicht bereut. Die Mitwirkenden des Programms waren, neben uns, Peter Esche als Conferencier ( heute Sprecher im Rundfunk), die Schlagersängerin Marina Wills (reiste mit eigenem Manager, Komponist und Freund, der ihr Vater hätte sein können), das Mundharmonikatrio der Spitzenklasse „Montary“ aus Leipzig sowie die Glasbalancedarbietung „Die Wollings“, ein Ehepaar aus Kemmen bei Leipzig. Mit den beiden zuletzt genannten haben wir auch privat einiges unternommen. Bis auf dem Sprecher wohnten wir alle in einem Hotel in Finsterwalde, und fuhren von dort zu den Veranstaltungen.

Nun war das Hotel „Zur Brücke“ nicht gerade das Beste, d.h. konkret, wenn wir spät Abends von den Veranstaltungen kamen, gab es weder etwas zu essen noch zu trinken. Zum Glück befand sich nur wenige Meter entfernt eine Bar, deren Besitzer früher auch einmal in der Unterhaltungsbranche tätig war. Er konnte es sich leisten, ab 22.00 Uhr seine Eingangstür abzuschließen und nur noch die Gäste einzulassen, die ihm passten. Dorthin sind wir dann immer noch etwas essen gegangen und mitunter bis spät in die Nacht   geblieben.   Da   das  Mundharmonikatrio  den Wirt  kannte,  gab  es auch keine Probleme mit dem Einlass. Ich schreibe deshalb so ausführlich darüber, weil wir dort ein sehr schönes Erlebnis hatten, an welches ich auch heute noch gern zurückdenke.

Es war an einem Samstagabend und die Bar war, als wir eintrafen, voll besetzt. Für den Wirt kein Problem, er „platzierte“ uns einfach in einen Nebenraum, Getränke auf Selbstbedienungsbasis. Hier waren wir unter uns, wir, das waren das Trio, das Artistenehepaar, der Freund von Marina und ich. Marina und Erika waren schon zu Bett gegangen.

Es muss so gegen 23.00 Uhr gewesen sein, als der Inhaber mit einer Bitte an uns herantrat. Er erzählte uns, dass in seiner Gaststätte ein jüngeres Pärchen sitze, welche an diesem Tag geheiratet hätte. Da es für beide bereits die zweite Ehe war, waren sie nur unter sich und hatten keine Gäste eingeladen. Nun fragte der Wirt uns, ob wir nicht in der Lage wären, ganz spontan, als Überraschung, den beiden um Mitternacht ein kleines Programm zu bieten. Wir überlegten kurz und sagten zu. Ich holte meine Gitarre aus dem Hotel und auch die anderen trafen ihre Vorbereitungen. Pünktlich 24.00 Uhr ging es dann los. Marinas Freund spielte auf dem Klavier einen Tusch und ich begrüßte alle noch anwesenden Gäste, sagte ihnen worum es geht und gratulierte dann den Frischvermählten im Namen aller. Danach sang ich zur Gitarre „Geh Alte schau mi net so deppert an“ und alle machten mit. Einer vom Mundharmonikatrio hatte sich 3 Äpfel geben lassen und jonglierte dann damit. Dabei sprach er  einen  lustigen Text und biss zwischendurch immer ein Stück von einem der Äpfel ab, bis dass nur noch der Griebs übrig war. Diesen Gag hatte er sich bei einem Berufsjongleur „ausgeliehen“, um ihn bei solchen Gelegenheiten vorführen zu können.

Genauso auch Wolfgang von der Glasbalance-Darbietung. Dieser borgte sich in der Küche einen Topfdeckel und einen Quirl, ließ sich vom Wirt ein Stück Schnur geben und band damit den Quirl zwischen die beiden Knie. Den Deckel befestigte er sich in Bauchhöhe am Körper und jedes Mal, wenn er die Knie voneinander weg bewegte, schlug der Quirl an den Deckel. Das Ganze kommentierte er in Gedichtform mit einem zweideutigen Text. Zum Schluss dieses kleinen Programms luden wir das Brautpaar noch zu einem Tanz ein. Dass diese Überraschung gelungen war, kann sich sicherlich jeder vorstellen und das Dankeschön an uns und dem Wirt für die Idee kam von ganzem Herzen. Für uns waren an diesem späten Abend die Getränke, egal welcher Art, natürlich frei, spendiert von dem Paar und vom Wirt.

Ansager, Sprecher, Conferencier

Und nun möchte ich über etwas schreiben, das zwar nichts mit der Musik zu tun hat, aber auf jeden Fall etwas mit der Unterhaltungskunst. Und zwar geht es um mein zweites Standbein, die Sprecherei.

Schon von Anfang an ergab es sich, dass ich mitunter das eine oder andere auf der Bühne sagen musste,  sei es zwischen den Titeln, bei den eigenständigen Programmen oder später dann auch direkt als Ansager eines Programms. Was aber am Anfang mitunter nur ein Notbehelf war, sollte sich dann zu einer richtigen Darbietung entwickeln.

Nun war die Aufgabe eines Programmsprechers sehr breit gefächert, zum einen musste er die Darbietungen ordentlich ansagen bzw. präsentieren, zum zweiten war er auch für den Programmablauf zuständig und zum dritten war er meistens mit der Aufgabe betraut, sich auch sonst um alles zu kümmern, z.B. den Kontakt zum Veranstalter herzustellen, um die Bereitstellung der Garderoben kümmern und auf den ordentlichen Ablauf des Programms zu achten.

Seine Hauptaufgabe bestand vor allem eigentlich darin, zwischen den einzelnen Programmpunkten die Leute mit eigenen, meist humorvollen Texten zu unterhalten um damit den meist fehlenden Humoristen zu ersetzen. Außerdem zog er dadurch das Programm auf die vom Veranstalter erwartete Länge, denn die Darbietungen reichten dazu meistens nicht aus. Das heißt, wenn z.B. ein Stundenprogramm bestellt war und die Einzeldarbietungen insgesamt nur 35 Minuten zusammenbrachten, so musste er also 25 Minuten überbrücken. Er war demzufolge nicht nur Ansager oder Sprecher, sondern vor allem Conferencier. 

Aber das störte die meisten Sprecher eigentlich nicht, im Gegenteil, manche machten mitunter viel zu viel und waren kaum von der Bühne herunterzubekommen. Jeder Ansager hatte sich so nach und nach sein individuelles Repertoire zugelegt, welches mitunter dann in einem eigenen Solo gipfelte.

Am Anfang meiner „Karriere“ hatte ich nichts Eigenes anzubieten, sondern griff der Einfachheit halber auf Bewährtes von Kollegen zurück oder erzählte ganz einfach nur aktuelle Witze. Das war aber logischerweise nichts von Dauer, vor allem schon deswegen, weil ich dann eines Tages meine Laieneinstufung als Sprecher machen wollte. Also fing ich an, meine eigenen Ideen einzubringen und bei Veranstaltungen zu testen. Trotzdem war die erste Einstufungsveranstaltung eine kleine Katastrophe und ging voll daneben. Erstens hatte ich noch nicht genügend Erfahrung gesammelt und zweitens war das Programm so lang, dass ich nicht mehr wusste, was ich erzählen sollte. Dabei machte ich den Fehler, Dinge zu bringen, die ich vorher noch nie auf der Bühne getestet hatte, und das musste ja schief gehen. Also erhielt ich folgerichtig nur eine  befristete  Auftrittserlaubnis  und  musste  mich  nach  einem  halben  Jahr   erneut vorstellen. Aber einen Vorteil hatte die Angelegenheit -  ich konnte jetzt durch das Klubhaus „Fritz Heckert“ offiziell als Sprecher eingesetzt werden, was mir die Gelegenheit gab, mich in meinen Repertoire zu festigen. Kein Wunder also, dass die erneute Vorarbeit viel besser lief und ich auch entsprechend eingestuft wurde. Ich erhielt pro Auftritt zunächst 25,00 Mark und später dann, nach einer weiteren Prüfung, die höchstmögliche Einstufung für Laien von  40,00 Mark. Da ich bei allen zukünftigen Veranstaltungen, bei denen ich als Sprecher eingesetzt wurde, auch  gleichzeitig mit Erika  im Programm war, machte das immerhin ein Mehrverdienst von fast 50 % aus.

Im Laufe der Zeit wurde ich nicht nur durch das Klubhaus eingesetzt, sondern auch andere Einrichtungen, z.B. das Arbeitervariete Zschopau, griffen gern auf mich zurück. Besonders stolz war ich aber vor allem darauf, dass mich auch die KGD Karl-Marx-Stadt, die KGD Suhl und Gera und auch die KGD Dresden mitunter als Sprecher einsetzte. Ich war dann immer der einzige Laie unter den Profis.

Natürlich war es aber mitunter nicht sehr einfach, die Leute zu unterhalten. Auf der einen Seite waren vor allem die kleinen, versteckten Seitenhiebe auf die Politik und den Alltag in der DDR gefragt, auf der anderen Seite wiederum musste man schon aufpassen, nichts Falsches zu sagen. Aber bis auf einen Vorfall konnte ich eigentlich nie klagen.

Dieser ereignete sich bei einer Veranstaltung für Parteiveteranen im großen Saal des Klubhauses „Fritz Heckert“. Auch hier war ich Ansager und brachte mein normales Repertoire. Da ich aber das Programm etwas ziehen musste, griff ich auf ein schon lange abgelegtes Solo zurück, in welchem ich mich über die DDR-Autos allgemein und über den Saparoshez, ein sowjetisches Kleinstauto, im besonderen lustig machte. Ich erklärte den Zuschauern, dass es den Trabant jetzt auch mit 2 Schalldämpfern geben würde - damit man ihn im Notfall als Schubkarre verwenden kann. Außerdem soll es demnächst den Trabant Sport geben – da liegen ein paar Turnschuhe im Kofferraum. Und den Saparoshez soll es jetzt mit Zusatzgeräten geben – Egge und  Pflug  (er  klang wie ein Traktor), sowie mit einen Glasdach - damit der liebe Gott sieht, welcher Trottel sich den gekauft hat. Über meine weiteren Texte schreibe ich im nächsten Kapitel.

Das Programm war gerade zu Ende, ich war noch nicht umgezogen, als ein Herr in die Garderobe kam und mich aufforderte, mitzukommen, da mich jemand sprechen möchte. Dieser Jemand war garantiert ein Mitarbeiter der Stasi, mindestens aber ein Beauftragter der SED, der die Aufgabe hatte, aufzupassen, dass alles seinen „sozialistischen Gang“ geht. Und dem hatte das, was ich auf der Bühne erzählt hatte, überhaupt nicht gefallen. Er putzte mich im Vorraum des Saales dermaßen herunter, dass mir zum Eigenschutz und zum Schutz unserer Darbietung nur noch übrig blieb, zu allem Ja und Amen zu sagen. Ansonsten hatte ich Angst, dass wir Auftrittsverbot bekommen hätten. Gott sei Dank habe ich dann auch nie wieder etwas von ihm gehört und an meinen Texten habe ich bis zuletzt festgehalten.

Mein Repertoire

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, einen kleinen Einblick in mein Repertoire als Sprecher zu geben, wobei ich zum besseren Verständnis das eine oder andere kommentieren muss, vor allem für diejenigen, welche die DDR-Zeit nicht aktiv miterlebt haben. Denn mitunter reichte nur eine kurze Bemerkung bzw. ein kleiner versteckter Hinweis, um die Leute zum Lachen zu bringen, mit denen heute viele nichts anzufangen wüssten. So hatte ich z.B. einen Schluss-Gag, der eine Anspielung darauf war, dass Berlin als Hauptstadt der DDR in  jeder Beziehung, also Versorgung, Aufbau usw., den Vorrang hatte und alle anderen Bezirke kräftige Hilfe leisten mussten. Und zwar sagte ich wortwörtlich: „Ich möchte mich nicht von Ihnen verabschieden, ohne Ihnen folgenden Spruch mit auf dem Weg zu geben: SO, WIE WIR SACHSEN HEUTE ARBEITEN, WERDEN DIE BERLINER MORGEN LEBEN! Jeder wusste, was ich damit meinte und ich hatte die Lacher auf meiner Seite.

Nun zu meinem ersten Beitrag, es ging um das Thema Werbung. Als Überleitung sprach ich von der Fußballübertragung im Fernsehen und dass man da ja an der Bande immer sehr viel Werbung sieht, mit der ich größtenteils nichts anzufangen wusste. Zum Beispiel der Begriff  `BUDERUS` sagte mir überhaupt nichts. „Wir in der DDR haben Werbung ja nicht nötig, denn das, was es gibt, wird sowieso gekauft und was es nicht gibt, dafür braucht man keine Werbung. Obwohl, es gab schon einmal eine Werbesendung im DDR-Fernsehen, die nannte sich ‚Tausend TELE-Tips’. Da wurde z.B. Werbung für Weißkraut gemacht, nur weil es davon im Moment genügend gab. Da hieß es: ‚Weißkraut ist ja soooo gesund!’ – Das Bananen gesund sind, hat keiner gesagt. Oder stellen Sie sich vor, ein Genossenschaftsvorsitzender würde sich im Fernsehen hinstellen und, nur weil er Arbeitskräfte braucht, singen:  ‚Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause – LPG!’ (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft der DDR, in Abwandlung eines BRD-Werbespruches von LBS). Für Alkohol brauchen wir auch  keine  Werbung – davon  haben  wir schließlich genug. Auch nicht für Tabakwaren, es sei denn, wir hatten eine gute Heuernte!

Stellen Sie sich mal vor, es würde heißen: Coca Cola, mach mal Pause! Wir machen in den Betrieben schon genug Kaffeepausen, wenn wir dann noch bei jeder Cola Pause machen, wann sollen wir dann arbeiten! Für Maggi brauchen wir auch keine Werbung zu machen - dafür haben wir schließlich unsere Betriebsküchensoßen.

Folgende Situation: Bei einem Eishockeyspiel knallt ein Spieler mit dem Kopf gegen die Bande, er verliert dabei nicht nur das Bewusstsein, sondern auch ein paar Zähne. Und als er wieder aufweckt, was liest er an der Bande: Kukident 2-Phasenreiniger für Ihre dritten Zähne.

Ich  habe  mal  an  einem  Dorfkonsum  folgendes  gelesen:  Den  Tag  mit  EINEM  Ei beginnen!“ Nun frage ich mich – wer hat das schon.

Zum Schluss noch einen Spruch, der stand an einem Schreibwarengeschäft: „Benutzen Sie unser Toilettenpapier ‚Extra-Dünn’, der Erfolg liegt doch auf der Hand.“

Als nächstes sprach ich über die Kombinatsbildung in der DDR. Man strebte nämlich an, möglichst viele, kleinere Betriebe zu Kombinaten zusammenzuführen, auch wenn sie auf dem ersten Blick überhaupt nichts miteinander zu tun hatten, z.B. was das Produkt betraf. Ich kam darauf, weil der Betrieb „VEB TAFELGERÄTE“, in dem ich arbeitete, dem Kombinat für erzgebirgische Volkskunst angeschlossen wurde, obwohl unsere Produkte mit Volkskunst überhaupt nichts zu tun hatten. Dies erklärte ich dem Publikum und unterbreitete dann weitere Vorschläge, welche Betriebe man daraufhin noch zusammenschließen könnte.

„Als erstes würde ich vorschlagen, dass man unsere Bettenhersteller dem Wälzlagerkombinat anschließen könnte. Oder unsere Schuhindustrie wird den gärtnerischen Produktionsgenossenschaften angegliedert  –  beide produzieren  schließlich Gurken.  Die  Hersteller  von Bett-Matratzen  gehören zur Auto-Ersatzteilindustrie – beide produzieren ja Schall- und Stoss-Dämpfer.“

Genauso war es mit der Namensgebung der Betriebe. Diese erhielten mitunter Ehrennamen von berühmten Persönlichkeiten, so z.B. das Kombinat „Fritz Heckert“. Daher schlug ich vor, das Kombinat zur Herstellung von Sanitärartikeln den Namen „Frieda Hockauf“ zu geben (Frieda Hockauf war eine Aktivistin der ersten Stunde in der neu gegründeten DDR).

 Baustellen, auf denen es besonders langsam vorangeht, könnte man ja den Ehrennamen „Erich Mühsam“ verleihen.

Über ein besonders krasses Beispiel  erzählte ich  zum Schluss, es soll wirklich in Thüringen passiert sein. Da benannte man eine einfache Sargtischlerei um in „VEB Erdmöbel“.

Folgendes hatte ich auch noch im Angebot: Mit der deutschen Sprache ist das so eine Sache. Wenn wir da schon unsere Schwierigkeiten haben, wie geht es da erst den Ausländern. Zum Beispiel mit den Artikeln „der, die, das“. Im englischen sagt man immer „the“ und im russischen lässt man das ganz weg. Woher sollen die also wissen, ob etwas männlich, weiblich oder sächlich ist. Unverständlich ist denen z.B., dass die Herrensocke weiblich,  der  BH  aber  männlich  ist.  Die  Krawatte wiederum ist weiblich und der Unterrock männlich. Nun gibt es Ausländer, die  haben  sich  kleine  Eselsbrücken gebaut. Die sagen z.B.: Der Löwe ist männlich – weil er brüllt. Die Peitsche ist weiblich – weil sie klatscht, die Erde ist weiblich, weil keiner weiß, wie alt sie wirklich ist. Der Kaktus ist männlich weil er stachelt, der Verband ist männlich – man kann ihn um den Finger wickeln. Die Stimmgabel ist weiblich – sie gibt den Ton an. Aber warum die Sparbüchse ausgerechnet weiblich ist, das weiß keiner.

Ein weiteres Solo war ein Gedicht über ein „Betriebsjubiläum“, so wie es in jedem Betrieb vorkommt, nur dass die Feier hier etwas anders verlief, als erwartet:

„Brunos Jubiläum war gekommen. / Fünfundzwanzig Jahre hatte er sich bei der Firma fast übernommen. / Aber keiner hatte dran gedacht, / keiner hat ihm eine Freude gemacht. / Kein Blumenstrauß und kein Diplom, / kein Händedruck, keine Gratulation. / Das war für Bruno ein harter Schlag, / denn er hatte sich so gefreut auf diesen Tag. / Aber, ärgerte er sich noch und noch, / eine Freude gab es für ihn an diesem Tage doch. / Die Sekretärin vom Chef, eine reizende Fee, / bat ihn zu sich am Abend zum Tee. / Das war Balsam für Brunos seelische Schmerzen, / denn schon lange liebte er sie aus heimlichen Herzen. /  Auf die Minute pünktlich war er bei ihr. / Sie erwartete ihn schon an der Tür. / Sie führte ihn in den Salon / und gab ihm dort die letzte Instruktion. / Sie sagte: „Ich gehe jetzt ins Nebengemach, / und ruf' ich ‚Juhu’, dann kommen sie nach. / Nur wenige Minuten werden vergehen, / wegen der Vorbereitung, Sie müssen verstehen.“ / Sie zwinkerte ihm  noch  einmal zu /  und  ein Kusshändchen raubte ihm völlig die Ruh’. / Nun wartete er voller Seeligkeit, / er wusste ja, bald war es soweit. / Nach bangem Warten ertönt das „Juhu“, / Freund Bruno rennt auf die Türe zu. / Er stößt sie auf und stürzt hinein. / Doch allmählich erstarrt er zu Stein. / Das war eine Überraschung, haha, / der Chef und die ganze Belegschaft waren da. / Alle in Abendgarderobe, pickfein, zur Jubiläumsfeier fand man sich ein. / Und unser Bruno war ein erledigter Mann - /

       denn er hatte nur noch die Socken an!“

Ebenso ein schöner Spass war der so genannte "Infoverlust". Dieser lautete folgendermaßen:

Der Werkdirektor sagt zum Fachdirektor:

       Morgen um 9.00 Uhr findet eine Sonnenfinsternis statt, also etwas besonderes, was man

       nicht alle Tage sehen kann.

       Lassen Sie die Belegschaft im Ausgehanzug antreten.  Bei  der Beobachtung dieses

       seltenen Ereignisses werde ich selbst  Erläuterungen  geben.

       Wenn es regnet, werden wir das nicht gut sehen können. Die Belegschaft begibt sich

       dann in den Speisesaal.

Der Fachdirektor gibt das weiter zum Hauptabteilungsleiter:

       Auf Anweisung des Werkdirektors findet morgen um 9.00 Uhr eine Sonnenfinsternis

       statt. Wenn es  regnet werden  wir das  im Ausgehanzug auf dem Werkhof   nicht   gut

       sehen  können.   In  diesem  Falle  führen wir das Verschwinden der Sonne im Speisesaal

       durch,  also  etwas  besonderes,  was man nicht alle Tage sehen kann.

Der Hauptabteilungsleiter wiederum zum Abteilungsleiter:

       Auf   Anweisung des  Werkdirektors  wird  morgen  um  9.00 Uhr das  Verschwinden

       der  Sonne  im   Speisesaal  durchgeführt.   Der  Werkdirektor gibt Anweisung ob es

       regnen soll, also etwas besonderes, was man nicht alle Tage sehen kann.

Und der Abteilungsleiter teilt dem Arbeiter mit:

       Wenn es morgen im Speisesaal regnet, also etwas besonderes, was man nicht alle Tage

       sehen kann, verschwindet um  9.00 Uhr  der  Werkdirektor im Ausgehanzug!

Eines meiner schönsten Gags war ein Solo, welches ich mir selbst ausgedacht habe und das sich im Grunde aus zwei Pointen zusammensetzte: Ich kündigte den Zuschauern an, dass ich ihnen nun einen Zaubertrick vorführen möchte. Ich hätte ihn mir von einem Zauberkünstler erklären lassen. Voraussetzung war, dass ich ihn ohne Übung sofort vorführen kann.

„Ich habe hier ein Kartenspiel mit 32 Karten (fächerförmig ausbreiten und dem Publikum zeigen, allerdings nur die Rückseite, was aber kaum einen auffällt) und möchte gern eine gezogene Karte erraten. Dazu brauche ich also einen Assistenten, der mir hilft. Da ich aus Erfahrung weiß, dass es nicht einfach ist, jemanden freiwillig auf die Bühne zu bekommen, habe ich mich vorher mit dem Veranstalter in Verbindung gesetzt, und er ist bereit, dem freiwilligen Helfer einen Preis zu stiften. Also - derjenige, der jetzt zu mir nach vorn kommt, erhält als Dankeschön ein Essen für vier Personen (das ganze noch etwas ausbreiten, bis sich jemand meldet).“

Nachdem der Assistent da war, machte ich noch ein paar kleine Gags mit ihm,  z.B.  ob er  nur wegen dem Essen gekommen ist oder auch, um zu assistieren, wem er denn noch einlädt zum Speisen usw. Dann fächerte ich die Karten erneut auseinander und forderte ihn auf, eine Karte zu ziehen und sie dem Publikum zu zeigen. Danach, nachdem er sie sich gemerkt hatte, musste er sie wieder ins Spiel zurückstecken und ich mischte  alles gut durcheinander. Danach ließ ich seine beiden Hände schüsselartig nach vorn halten und zählte die Karten einzeln, laut hörbar, hinein. Ich sagte zu ihm: „Sagen Sie bitte an irgendeiner Stelle ‚Stop’, wann Sie wollen. Aber lassen Sie mich bitte nicht ewig zählen, es sind schließlich nur 32 Karten!’ Nachdem er „Stop“ gesagt hatte, ließ ich ihm die oberste Karte  wegnehmen  und  dem Publikum zeigen. Nachdem auch er sie sich angeschaut hatte, sollten alle bestätigen, ob es die gezogene und gemerkte Karte war, was dann natürlich auch geschah. Erstaunen und Applaus waren die Folge und wenn dieser verebbt war, kam der erste Gag: Ich hielt den Kartenfächer nochmals hoch, diesmal mit der Bildseite nach vorn und sagte gleichzeitig: „Das musste ja so sein – ich habe ja nur alle die gleichen Karten!“

Nachdem das Lachen sich gelegt hatte, fragte ich meinen Assistenten, ob er denn noch wüsste, welcher Preis ihn erwartet. Natürlich wusste er es und ich sagte: „Okay, versprochen ist versprochen, Sie sollen Ihren Preis, ein Essen für vier Personen, sofort erhalten. Es ist – eine Beutelsuppe!!!“ (Hochhalten und dann überreichen). Riesenlacher. Schon alleine deswegen, weil es des öfteren passierte, dass sich ausgerechnet die größten „Fresssäcke“ gemeldet haben, die allgemein dafür bekannt waren. Leider hatte sich dieser Suppengag dann doch im Laufe der nächsten Jahre herumgesprochen, er wurde auch in einem anderen Zusammenhang von einem Laiensprecher aus Zschopau übernommen (als  ich  es erfuhr, habe ich es ihm verboten, aber es war schon fast zu spät), so dass es hin und wieder passierte, dass mir ein übereifriger Zuschauer diese Schlusspointe vermasselte, indem er laut nach vorn rief: „Das ist `ne Beutelsuppe!“ Das war’s dann. Heute findet man das leider im Internet, davon aber später.

 Das war so im Großen und Ganzen mein festes Sprecherrepertoire, welches ich dann noch durch Kleinigkeiten ergänzte und natürlich im Laufe der Zeit auch Änderungen unterzog. Ich bin sehr froh und auch ein bisschen stolz, dass ich zum größten Teil auf eigene Ideen zurückgreifen konnte, was ja nicht immer so einfach ist. Außerdem war es auch gut, dass ich auf der Bühne ein verhältnismäßig einwandfreies Hochdeutsch gesprochen habe und man das Sächsisch nicht allzu sehr heraushörte. Ich hatte eine Zeitlang im Klubhaus „Fritz Heckert“ einen Mentor, Horst Junghähnel, ehemaliger Schauspieler und selbst Conferencier, der sehr angenehm überrascht war, als er mich zum ersten mal live auf der Bühne gehört hatte.

7. Oktober 1989

Dann kam der 7. Oktober 1989, der Tag, der als Beginn der friedlichen Revolution in die Geschichte eingehen wird. Für uns allerdings war er weiter nichts als der 40. Jahrestag der DDR, der im ganzen Land gefeiert wurde. Erika und ich hatten an diesem Tag über  das  Klubhaus  “Fritz  Heckert“  drei  Veranstaltungen, alle im Bezirk Gera. Es war auch jedes mal das gleiche Programm, lediglich die Begleitband musste nachmittags zu einer anderen Veranstaltung nach Plauen. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätten wir von dem, was an diesem Tag  passierte, erst zu Hause erfahren. Denn als diese Band am Abend zur dritten Veranstaltung anreiste, erzählten sie uns, dass die Veranstaltung in Plauen ausgefallen war. Überall in der Stadt gab es Demonstrationen gegen das DDR-Regime und deren Politiker. Die Armee, Polizei und die Kampftruppen wurden mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten eingesetzt und es kam vereinzelt zu regelrechten Straßenkämpfen. Natürlich war da an Feiern überhaupt nicht mehr zu denken.

Unsere Abendveranstaltung, welche öffentlich war, ging trotzdem reibungslos über die Bühne, offensichtlich hatte es sich bis dorthin noch nicht herumgesprochen. Wir hatten nur ein bisschen Angst vor der Heimfahrt und was uns in Karl-Marx-Stadt erwartet, aber es war alles ruhig, obwohl sich dort im Laufe des Tages das Gleiche wie in Plauen abgespielt hatte.

Ende der Vorstellung

Dieser 7. Oktober 1989 war eigentlich der Anfang vom Ende der DDR, obwohl bis zur endgültigen Auflösung noch ein langwieriger Weg beschritten werden musste. Es begannen die so genannten Montagsdemonstrationen, bei welchen der Satz „Wir sind das Volk“ geprägt wurde, Massen von Menschen wollten über die BRD-Botschaften in Berlin, Prag und Budapest in den Westen oder sie versuchten es mit Ausreiseanträgen. Das ganze Land befand sich im Umbruch.

Das da  natürlich  die  Kultur  auf   der  Strecke  blieb, war eigentlich logisch, keiner hatte mehr einen Grund zu feiern, Geld dafür war auch keins vorhanden und viele kulturelle Einrichtungen mussten schließen. So wurden unsere Auftritte auch immer weniger, viele Veranstaltungen wurden storniert und am Ende des Jahres 1990 erfolgte dann unser letzter gemeinsamer Auftritt. Das genaue Datum und wo die Veranstaltung war, daran erinnere ich mich leider nicht mehr, denn wir hatten eigentlich immer die Hoffnung, dass es irgendwann einmal weiter geht. Aber dann kam die Wiedervereinigung und die Währungsunion, da wollten die Menschen verständlicherweise erst einmal alles das nachholen, was sie glaubten, bis dahin versäumt zu haben, also vor allem Reisen und ein neues Auto. Leider gingen diese Hoffnungen aber nicht für alle in Erfüllung, denn mit der neuen Zeit kam auch die Arbeitslosigkeit, die wir bis dahin ja nur von Hörensagen kannten.  Hinzu kam, dass so mancher sein mühsam erspartes Geld durch Fehlinvestitionen in den Sand gesetzt hat oder sie wurden von windigen Geschäftemachern, die wie ein Bienenschwarm in das Land einfielen, übers Ohr gehauen. Das schlimmste aber war, dass man miterleben musste, wie ein Betrieb nach dem anderen geschlossen oder für ein „Äppel und ein Ei“ verkauft wurde und die Beschäftigten trafen sich auf dem Arbeitsamt wieder.

Disco, Disco, Disco

Ich hatte schon zu DDR-Zeiten nebenbei ein bisschen Disco gemacht, allerdings nur für Bekannte und Verwandte bzw. für Arbeitskollegen, und das mit sehr bescheidenen Mitteln. Als Verstärker nutzte ich mein Heim-Radio mit großen  Lautsprechern,  zum Abspielen der Musik hatte ich zwei Kassettenrecorder und einen Plattenspieler und ganz am Anfang noch ein Spulentonbandgerät. Bei größeren Veranstaltungen habe ich mir ab und zu vom Klubhaus eine Verstärkeranlage ausgeliehen, die ich dann später abkaufte. Außerdem besaß ich noch ein sehr einfaches Stereo-Mischpult und das Beste war eigentlich das Sennheiser-Mikrofon, welches ich ja schon vorher gekauft hatte. Später habe ich mich dann vom Plattenspieler verabschiedet und nur noch mit Kassetten gearbeitet.

Von Anfang an stand bei mir fest, wenn schon Disco, dann nur eine mit Einlagen. Und hier kam mir dann auch meine Erfahrung als Sprecher zugute, ganz davon abgesehen, dass ich auch einiges aus meinem ehemaligen Repertoire übernehmen konnte.

So nach und nach baute ich dann meine Disco immer mehr aus, sowohl in technischer Hinsicht als auch Repertoiremäßig. Da immer häufiger Nachfragen kamen, vor allem von den Wirten der Gaststätten, in denen ich spielte, war das auch notwendig. Außerdem machte von nun an auch meine Frau Brigitte mit, zum einen als Assistentin bei meinen Spielen und bei der Disco, zum anderen, um mir beim Auf- und Abbau behilflich zu sein.

Eines Tages sprach mich ein Arbeitskollege an, ob ich nicht Interesse hätte, im Gartenheim „Spaten“ als D. J. für Familienfeiern einzusteigen. Ich stellte mich dort bei einer Veranstaltung vor und seitdem bin ich jedes Jahr sehr häufig dort eingesetzt. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang,  dass ich  grundsätzlich  nur bei  geschlossenen Veranstaltungen spiele, also Familienfeiern, Klassentreffen usw. Einzige Ausnahmen sind Silvester und Fasching sowie Werbeveranstaltungen und mehrmals beim Hexenfeuer, veranstaltet vom „Spaten“. Ich gab daher meiner Disco den Namen „Gestaltete Familiendisco Starlight“.

Bedingt durch die verhältnismäßig vielen Veranstaltungen, musste ich unbedingt einige Verbesserungen an meiner Disco vornehmen. Ich kaufte mir zwei gebrauchte Vermona-Verstärker, dazu zwei Lautsprecher mit Ständer, außerdem ein Stereo-Mischpult mit Klangregler und Echoeffekt, eine kleine, bescheidene Lichtorgel mit Lichtschlauch und Spiegelkugel und bastelte mir  eine  Verkleidung  mit  Firmen-Logo.

Um bei den Spielrunden und Einlagen unabhängiger zu sein, legte ich mir dann noch ein drahtloses Mikrofon zu und, da ich auch den einen oder anderen Titel gesungen habe, später noch ein Hallgerät. Logischerweise stellte ich auch alles auf CD’s um und als ich mir dann 1998 einen Computer zugelegt hatte, mit dem ich in der Lage war, CD’s selber herzustellen, verzichtete ich ab da auch auf das Kassettengerät. Dieses hatte ich bis dahin benötigt, um musikmäßig immer auf dem laufenden zu sein. Im Jahr 2000 gab es wieder etwas Neues - man konnte Musik mit dem Computer komprimieren und dadurch bis zu 200 Titel auf eine CD brennen, das so genannte Mp3-Format. Um diese CD’s auch zu meiner Disco abspielen zu können, benötigte ich einen Mp3-Player, den ich mir dann als vorläufig letztes Gerät zulegte, obwohl, man sollte niemals nie sagen.

Nun noch ein Wort zu einer ganz duften Sache - dem KARAOKE. Ich sagte ja  bereits, dass  ich bei meinen Disco-Veranstaltungen das eine oder andere Lied selbst singe. Und das funktioniert folgendermaßen:

Im Handel gibt es Tonträger zu kaufen, auf denen sich die Play-Back- bzw. Karaoke-Versionen von Musik aller Stilrichtungen befinden, allerdings ohne Solo-Stimme. Das heißt, alles andere, also Begleitmusik, Backround und 2. Stimme, sind vorhanden, teilweise Originalaufnahmen, teilweise von Bands eingespielt, und nun kann jeder die Solo-Stimme selbst übernehmen. Diese Möglichkeit nutze ich nicht nur zu meinen Muggen, sondern ich hatte mittlerweile bereits zwei eigene CD’s herausgebracht.

Außerdem habe ich auch auf zwei Melodien einen deutschen Text geschrieben, zum einen mein Eröffnungslied nach der Melodie „New Yorck, New Yorck“ und zum zweiten mein Abschlusslied nach „My Way“.

Urlaub mit Musik

1997 machten wir zum zweiten mal Urlaub in Tunesien, und zwar konkret in Hammamet, im Hotel „Le Sultan“, dieses mal leider nur für eine Woche. Schon auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel lernten wir ein älteres Ehepaar kennen, Reiner und Halina Wenzel, welche in Oberschöna bei Freiberg wohnten. Wir wollten uns gleich mit ihnen zusammen an einem Tisch setzen, aber leider wurden wir von den Kellnern an einen anderen Tisch verwiesen, an dem schon ein anderes Ehepaar aus Bremerhaven saß. Na ja, und wie das so ist, man kommt ins Gespräch, wird von Mahlzeit zu Mahlzeit vertrauter und da die beiden offensichtlich auch nichts dagegen hatten, verbrachten   wir  einige Zeit  miteinander,  vor allem nach dem Essen, als wir uns noch ein bisschen in der Tanzbar aufhielten. Der Name der beiden – Hannes und Edith Pokorski. Und da wir uns auch noch mit den beiden anderen trafen, dauerte es nicht lange, und wir waren zu sechst. Es entstand eine Freundschaft, die bis heute noch anhält und von zahlreichen Besuchen untereinander geprägt ist. So haben wir dann zwei Jahre später alle gemeinsam noch einmal Urlaub in Mahdia gemacht und im Jahr 2000 waren Brigitte  und  ich mit  Hannes und  Edith  14 Tage  in Port  El Kantaoui,  in Tunesien.

Warum ich darüber schreibe? Ganz einfach, denn auch hier hat die Musik eine große Rolle gespielt. Es ist in solchen Urlaubshotels üblich, dass die Animateure allabendlich die Gäste zur Unterhaltung einladen und anschließend ist dann noch Tanz. Nun spielte in Hammamet eine Liveband, die sich zwar große Mühe gab, aber so richtig zum Tanzen war die Musik kaum. Kein Wunder also, dass die meist älteren Gäste sich spätestens nach dem Programm verabschiedet haben. Also ging ich zum Animateur bzw. zum D.J. und fragte ihn, ob ich ein paar Lieder zum Tanz singen könnte. Er war einverstanden, ich holte meine Karaoke-CD vom Zimmer, schnappte mir ein Mikrofon und habe ca. eine halbe Stunde gesungen. Die Band war froh, dass sie mal eine zusätzliche Pause machen konnte, die noch verbliebenen Gäste waren froh, nach deutscher Musik tanzen zu können und mir hat es auch Spaß gemacht. Das habe ich dann an drei Abenden so gemacht und einmal hat man mich sogar vor und nach einer Spielrunde als Programmteil eingeplant. Auch als wir in Mahdia waren, habe ich mehrmals im Vorraum zum Speisesaal, wo immer die Sportpreise  überreicht wurden und ein Orgelspieler zum Tanz einlud, zum Tanz gesungen und dort war der Erfolg noch größer, als in Hammamet.

Männerchor Oberschöna

Apropos – auf diesen Urlaub möchte ich noch einmal zu sprechen kommen. Wie es der Zufall will, erzählt mir Reiner, das er in seinem Ort bei einem Männerchor mitsingt. Wir hatten uns also viel zu erzählen und nachdem er mich dann zum ersten mal hat singen hören, fragte er mich, ob ich nicht für den Chor zur Weihnachtsfeier Disco machen könnte. Da dies erst ein Jahr später war, sagte ich erst einmal zu, und es klappte dann auch. Das war der erste und einzige Vertrag, den ich im Urlaub gemacht habe.

Auch im darauf folgenden Jahr machte ich bei dem Chor Disco und als sie 1999 75-jähriges Bestehen feierten, organisierte ich das Programm in Abstimmung mit Reiner. Und hier spielte wieder die Schlagersängerin Sonja Schmidt eine Rolle.

Reiner fragte mich, ob ich eine Idee hätte, wer das Festprogramm gestalten könnte. Ich schlug ihm dabei Sonja vor, erklärte ihm, was sie macht und, da ich sowieso die Technik und die Musik übernehmen sollte, dass ich mit Sonja zusammen ca. eine Stunde Programm machen kann. Das klappte dann auch und ich sang mit Sonja zusammen den Schlager „Heute habe ich an dich gedacht“, den ich mit ihr auch auf meiner ersten CD aufgenommen hatte. Ansonsten sang Sonja einige ihrer bekanntesten Schlager sowie Stimmungslieder und zeigte ihre Parodie auf  internationale Sänger und  Sängerinnen,  so z.B. Nana Mouskourie, Vicky Leandros, die Poppys und viele andere. Da sie auch sonst auf das Publikum zuging, vor allem Reiner musste immer wieder dran glauben, und das Ganze mit einem Rock `n Roll-Medley abschloss, kochte die Stimmung unter den Gästen über.  Als wir  dann unser  Lied gesungen hatten, nahm der Beifall kein Ende und es kamen Zugabe-Rufe. Ich musste dem Publikum leider mitteilen, dass wir nur dieses eine Lied zusammen singen, aber Sonja brachte dann noch „Sierra Madre del Sur“, was ein wundervoller Abschluss war. Das war für mich ein Riesenerfolg, von dem ich noch lange zehren möchte.

Gaststätte „Prießnitz“ in Crimmitschau

Übrigens – durch Sonja lernte ich indirekt auch eine Gaststätte in Crimmitschau kennen, in der ich in den Folgejahren bis heute sehr viele und schöne Veranstaltungen hatte und wo ich auch gemeinsam mit dem Wirt Robby Vincenz einiges dem Publikum biete. Aber der Reihe nach.

Sonja, die ja aus Crimmitschau stammt, hatte eine Familienfeier in besagter Gaststätte und ich machte dort für sie Disco. Das, was ich da machte, gefiel dem Wirt so gut, dass er mich vom Fleck weg für folgende Feiern in seiner Gaststätte engagierte. Mit der Zeit fiel dann auch die anfängliche Zurückhaltung und wir wurden richtige Freunde.

Nun war es mitunter auch so, dass Robby im Laufe des Abends zum Akkordeon griff und als kleine Einlage Stimmungslieder sang. Oder er sang auch zwei Lieder im Karaoke-Verfahren. Eines Tages fragte  er  mich,  ob  er  nicht auch eine CD mit seinen Liedern herausbringen könnte. Ich war einverstanden und dann kam er zu mir nach Hause und wir nahmen zunächst erst einmal 6 Titel auf. Dann gestaltete ich noch ein Cover für die CD und suchte nach einen passenden Namen. Was lag näher, als ihm den Namen „Der singende Wirt“ zu geben und dabei ist es dann auch bis heute so geblieben. Mittlerweile hat auch er bei mir seine zweite CD produziert, dieses mal mit immerhin 16 Titeln und es ist auch zweifelsohne eine qualitative Steigerung gegenüber der ersten CD zu erkennen.

Es macht mir auch sonst unheimlichen Spaß, bei ihm in seiner Gaststätte Disco zu machen. Er wurde nicht umsonst bereits zwei mal als nettester Wirt von Crimmitschau ausgezeichnet, denn ich muss jedes mal feststellen, dass er der geborene Gastronom ist. So, wie er sich um seine Gäste kümmert, macht richtigen Spaß, zuzusehen. Aber auch sonst habe ich ihn im Laufe des Abends nach wie vor ins Programm mit einbezogen. Er singt nicht nur seine drei bis vier Lieder, sondern wir machen neuerdings einen Sketch zusammen und singen auch gemeinsam den Schlager „Zwei gute Freunde“, zu dem ich einen auf unsere Zusammenarbeit sich beziehenden Text geschrieben habe.  Absoluter Höhepunkt war, glaube ich, bis jetzt die Sylvesterfeier 2000 / 2001. Wir haben den Abend so gestaltet, dass das Publikum echt begeistert war und viele uns bestätigt haben, dass sie so ein Sylvester noch nie erlebt hätten. Nun bin ich schon wieder beim Überlegen, was wir zum kommenden Sylvester bieten können. Ich hoffe und denke, dass ich noch viele schöne Veranstaltungen in Crimmitschau bei Robby Vincenz haben werde und solange ich  noch  gekauft  werde,  wird  es  noch  die „Gestaltete Familiendisco Starlight“ geben.

Gestaltete Disco

Im  folgenden,  letzten  Kapitel  über  mein  Leben  mit  der Musik möchte ich nun noch etwas genauer auf mein Repertoire bei der Disco eingehen. Der Ablauf eines solchen Abends ist eigentlich immer der Gleiche, ich beginne meistens vor dem Abendessen mit meinem Programm, welches, je nach Anzahl der Gäste, zwischen 30 und 45 Minuten dauert. Danach eröffne ich meistens den Tanzabend, indem ich die oder den Gastgeber zum Tanz bitte. Nach dem Abendessen komme ich als „Toilettenmann“ herein und bringe für ca. 20 Minuten Humor. Und dann wird getanzt, wobei ich zu vorgerückter Stunde, falls es sich anbietet, noch eine lustige Einlage in Form einer „Gerichtsverhandlung“. Die Musik zum Tanz richtet sich selbstverständlich nach dem Geschmack des Publikums, wobei jeder zu seinem echt kommt. Das Spektrum reicht vom Oldie, einschließlich Twist und Rock `n Roll, über Musik der 80-er Jahre, bis hin zum deutschen und englischen Schlager bzw. neuesten Dance-Titel. Aber auch Stimmungslieder und der Volkstümliche Schlager werden gespielt. Nun zum Detail. Mein Programm eröffne ich mit dem Titel „New York, New York“, welchen ich live singe und zu dem ich folgenden Text geschrieben habe:

„Der Abend beginnt, die Gäste sind da. / Und auch die richtige Musik liegt stets bereit. / Ich finde es schön bei Ihnen zu sein, / darum begrüß’ ich sie als / Disco Starlight. / Sie sind willkommen heut’ und hier, ja das ist klar. / Heut’ wird getanzt und gelacht, / bis Mitternacht. / Ich  finde  es schön, bei Ihnen zu sein, / darum begrüß’ ich Sie als Disco Starlight. / Ich lade Sie ganz herzlich ein, ich bin bereit, / für heut’ und hier – Disco Starlight.“

Nach diesem Lied und der Begrüßung der Gäste sowie der Gratulation an  den  Jubilar lud  ich  zu  einem  kleinen Programm ein. Zu Beginn ein Spiel, in dem ich den Postboten spielen kann. Ich überreiche dem Gastgeber ein Päckchen und sage in Gedichtform,  wem  er  es als nächsten geben soll. So geht es dann immer weiter, bis das zum Schluss das Päckchen wieder beim Jubilar ankommt. Der Jubilar darf jetzt das Päckchen öffnen und findet darin eine von mir hergestellte CD, als Geschenk der Disco „Starlight“. Diese CD lasse ich mir allerdings erst einmal wieder zurückgeben, denn, so erkläre ich, auf dieser CD befindet sich nicht nur schöne Musik, sondern befinden sich auch Glückwünsche von Prominenten. Diese wollten es sich nicht nehmen lassen, dem Jubilar zur Feier zu gratulieren. Ich lege die CD ein und spiele die darauf befindlichen Grüße ein, u.a. von Rüdiger Hoffmann, ein bekannter Kabarettist, vom Udo Lindenberg, Helge Schneider, Gerhard Schröder, Heinz Rühmann, Theo Lingen, Heinz Erhardt und Boris Becker. Mittlerweile verfüge ich über 12 Promi-Stimmen, Papst und Schröder ausgeschlossen. Diese Glückwünsche werden mittels eines Computerprogramms zusammengestellt und mit dem Namen des Jubilars und dem Anlass der Feier versehen. Ein  Gag,   der  immer  wieder  Erstaunen  und   später  dann  auch  Lacher  hervorruft.

Danach bringe ich  dann den Gag mit dem Eigenheimbau, den ich ja bereits erwähnt habe, und danach kommt eine lustige Tombola, die ich aber in den letzten Jahren weggelassen habe. Jeder darf sich ein Los nehmen, sofort öffnen und nachschauen, was er gewonnen hat. Da es sich aber um eine „lustige Tombola“ handelt, kann es durchaus passieren, dass sich hinter dem Preis etwas ganz anderes verbirgt, als man gedacht hat. Jeder muss sagen, was er gewonnen hat und bekommt sofort den Gewinn von uns ausgehändigt, das alles versehe ich  noch  mit  entsprechenden Kommentaren. So bekommt z.B. ein Gast als „großen Weißmacher“ ein Stück Seife usw. Wenn das Publikum richtig mitmacht, dauert das Ganze Programm ca. 40 Minuten. Sollten Kinder dabei sein, so habe ich die Möglichkeit, für diese ein Spiel zu machen, welches ich dann noch im Programm mit einbaue. Es geht darum, Märchen zu erraten, welche in einem Text versteckt sind. Für jedes Erratene gibt es einen Bonbon und wer zum Schluss am meisten hat, ist Sieger. Hier der Text:

„Vor kurzem war ich in einem fernen Land. Um in dieses Land zu gelangen, musste über 7 Berge wandern (Schneewittchen) und außerdem eine mächtige Dornenhecke überwinden (Dornröschen), bis das zu einem Schloss kam. Auf dem Schlosshof befand sich ein Brunnen, auf dessen Rand saß ein Frosch mit einer goldenen Kugel (Froschkönig). Auf dem Hof waren Tauben gerade damit beschäftigt, etwas vom Boden aufzupicken und in einen Topf zu tun (Aschenputtel). Ich verlies das Schloss und kam in den finsteren Märchenwald. Vom weitem sah ich ein Feuer, um das ein Männlein hüpfte (Rumpelstilzchen). Außerdem bemerkte ich ein Mädchen, welches gerade Blumen für die Großmutter pflückte (Rotkäppchen). Ich kam an ein Haus vorbei, das aus lauter Lebkuchen bestand (Hänsel und Gretel), als mir eine Kutsche begegnete, in der ich mitfuhr. Auf dem Kutschbock saß ein Kater mit wunderschönen Stiefeln (gestiefelte Kater) und in der Kutsche fuhr ein   Bursche, der erzählte mir, dass er gerade einen Klumpen Gold, das Gold gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh ... (Hans im Glück). Als  wir den Wald verließen, fing es plötzlich an zu schneien, denn eine Frau schüttelte gerade ihre Betten aus (Frau Holle). Ich hatte mir aus dem Märchenland einen Tisch mitgebracht, da konnte ich  mir  zu  Essen  wünschen, soviel ich wollte (Tischlein deck dich)“.

Für ältere Kinder (ab 4. Schuljahr) bzw. Jugendliche hatte ich auch ein schönes Spiel, das nannte sich „Die 7-er-Reihe“ oder das „Bumsspiel“. Teilnehmerzahl mindestens 6 Personen, nach oben sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, aber bei 8 bis 9 sollte man aufhören. Diese Mitspieler müssen in das Mikrofon, welches ich ihnen hinhalte, der Reihe nach durchzählen, aber es gibt Fallen. Wenn einer dran ist, in dessen Zahl   eine 7 ist oder die durch 7 teilbar ist, also 7, 14, 17, 21 usw., der sagt nicht die Zahl, sondern „Bums“. Der nächste zählt weiter. Wer sich verspricht, scheidet aus, es beginnt von vorn. Bei besonders aufmerksamen Teilnehmern auf Tempo arbeiten, sonst kommt man selbst nicht mehr mit.

Soweit also zu meinem Programm. Am Schluss dieses Buches noch mehr und Genaueres. Nach dem Programm machte ich entweder schon Tanzmusik oder es gab das Abendessen. Unmittelbar danach kam die nächste Einlage meinerseits. Ich hatte einen Kittel angezogen, eine Brille aufgesetzt und betrat, mit einem Teller in der Hand, den Raum. Dabei sprach ich in etwa folgenden Text (in tiefstem sächsisch und ohne Mikrofon), den ich von mal zu mal noch etwas ausschmückte, änderte und ergänzte: 

 „Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie bei Ihrer versoffenen -äh- geschlossenen Veranstaltung störe, aber ich bin hier der Toilettenmann des Hauses und bei mir war gerade einer draußen, der hat vergessen zu bezahlen. Also, so geht’s ooch nicht, es kann ja schließlich nicht jeder machen, was er will! Obwohl, bei mir kann schon jeder machen, was er will, bloß bezahlen muss er dafür. Und  deshalb  habe  ich  auch diesen Teller dort stehen. Da legen Sie bitte immer einen Fünfziger hinterher drauf, mit Händewaschen natürlich. Da gibt es ja Leute, die lassen sich für den  Fünfziger  sogar  eine  Quittung  ausstellen.  Die  sagen,   die  könnten das von der Steuer absetzen. Wahrscheinlich unter „Geschäftskosten“. Ich biete Ihnen aber auch guten Service für Ihr Geld. Sie können sich meinen Spruch merken: Benutzen Sie mein Toilettenpapier Extradünn und der Erfolg liegt auf der Hand. Da hat vor kurzem einer gedacht, ich wäre Intendant im Opernhaus von Chemnitz – bloß weil ich zu dem gesagt habe, ich würde im Opernhaus die Rollen verteilen. Übrigens, ich glaube, die wollen demnächst  im Opernhaus ein Geschäft eröffnen! Können Sie sich das vorstellen, ein Laden im Opernhaus? Es soll ein Friseursalon werden, und zwar mit einem Spanier als Besitzer! Ja wirklich, ich habe es gelesen. Stand draußen dran: Demnächst hier im Opernhaus `Der Barbier von Sevilla`. Nein, ich war nicht im Opernhaus, sondern ich war gegenüber, im `Chemnitzer Hof`, ein feines Hotel. Da sind die Toiletten unten im Keller und da kommen nicht nur die Gäste, sondern auch das Personal. Für die wäre sonst der Weg zu den Personaltoiletten viel zu weit. Na ja, und da kommt man mitunter ins Gespräch. Da hat mir ein Kellner erzählt, so kurz nach der Wende hatte er einen Gast aus Österreich bei sich im Hotelrestaurant. Nun reden die in Österreich ja nicht so vornehm wie mir hier in Sachsen, man kann die so schlecht verstehen. Da hat der Gast gesagt: Herr Ober, i hätt gern a Wurstplattl! Und der Kellner hat gesagt: Was hätten Sie denn gern, die Morgenpost oder die Bildzeitung? Nun ist mir bei dem Kellner etwas aufgefallen, der hatte oben in seinem Jackett einen goldenen Löffel mit einer  goldenen  Kette dran.  Ich  frage, wozu er  denn den Löffel braucht. Er: ‚Ja, wir  müssen die Gäste schnell bedienen, stell dir vor, ich komme mit dem Essen-Teller zu dem Gast. Plötzlich sehe ich auf dem Weg dorthin, da ist eine Fliege im Essen. Jetzt müsste ich alles in der Küche wieder neu anrichten lassen, das dauert viel zu lange. Also gehe ich heimlich zur Seite und mache die Fliege mit dem Löffel raus, der Gast  merkt  gar  nichts davon.’  Nun  ging  aber  die  goldene Kette bei ihm in den Hosenstall hinein, ich fragte ihn, warum. Er: ‚Das hat auch etwas damit zu tun, dass wir die Gäste schnell bedienen müssen. Nun stell dir wieder vor, ich komme zu Dir auf die Toilette, da müsste ich mir ja hinterher immer die Hände waschen, und dann hast Du so einen neuen Lufttrockner. Das dauert alles viel zu lange. Also habe ich die Kette einfach unten angebunden, da brauch ich bloß dran zu ziehen und kann mein Geschäft machen, ohne das die Hände  schmutzig  werden!’ – ‚Ja, raus hast `n  gekriegt,  ohne ihn anzufassen, aber wie kriegst `n wieder rein?’ ‚Dazu nehme ich den goldenen Löffel!’ usw. usf.

Es folgen noch weitere Witze und Gags, die ich ständig ändere und ergänze. das erst mal zum Thema „Toilettenmann“. Im Laufe der Zeit habe ich den einen oder anderen Witz herausgenommen und durch neue ersetzt, alle zu erzählen würde diesen Rahmen sprengen. Zur Zeit suche ich schon wieder ein paar Neue, um sie bei Veranstaltungen zu erzählen, bei deren Gastgeber ich schon einmal war. Wichtig ist, das diese Gags immer eine, wenn auch mitunter deftige, Pointe haben, denn nur so zwingt man die Leute bei solchen Veranstaltungen zur Aufmerksamkeit. Mehr darüber am Schluss des Buches.

Als letztes habe ich dann noch eine Einlage auf Lager, welche ich nur gebracht habe, wenn es sich Stimmungsmäßig so ergeben hat. Dabei handelt es sich um eine lustige Gerichtsverhandlung, bei welcher ich den Richter darstelle und 5 Gäste meine Mitspieler sind. Benötigt werden: 1 Klägerin, 1 Verteidiger, 1 Angeklagten, einen Zeugen sowie den Gerichtsschreiber. Die vier erstgenannten müssen nach vorn kommen und bekommen ein Schild umgehangen,  auf  welchem  vorn  ihre  Funktion steht und hinten, was sie auf meine Fragen zu antworten haben. Der Gerichtsschreiber kann auf seinem Platz sitzen bleiben, er erhält einen Holz-Hammer und muss bei jeder Frage, die er gestellt bekommt, mit dem Hammer klopfen und antworten: „Gesiegelt und gestempelt“.

 Gerichtsverhandlung

Richter: Ich eröffne hiermit die Verhandlung
Zum Angeklagten (Antwort: ja): Sie heißen Rainer Hahnentritt und sind der einzige Sohn ihrer Eltern. Stimmt das?
Sie sind Vater von 8 Kindern?
Hatten Sie mit der Klägerin schon einmal intime Beziehungen?
Ist es richtig, dass sie mit der Klägerin vor vier Jahren Drillinge bekommen haben?
Zur Klägerin (Antwort: Nein): Stimmt das? – Sie hatten mit dem Angeklagten auch keine intimen Beziehungen?
Sind sie mit dem Zeugen verschwägert oder näher bekannt?
Zum Zeugen (Antwort: Ich kann mich nicht erinnern): Sie sind Herr Möchtegern. Wie heißen eigentlich ihre Eltern?
Nun zur Sache! – Es geht um eine Nachtparty.
Wie ist es eigentlich dort zugegangen? – Hatten sie viel getrunken?
Wann waren sie überhaupt das letzte mal nüchtern?
Zum Schreiber: Haben Sie sich alles notiert?
Zum Verteidiger (Antwort: Das habe ich gemacht): Wer hat eigentlich die Untersuchungen zu diesem Fall eingeleitet?
Haben Sie die Aussagen des Angeklagten überprüft?
Zum Angeklagten: Waren Sie auch bei der Nachtparty anwesend?
Ihre Bekleidung bestand da nur aus ein paar Sockenhalter und einer Schleife im Haar, ist das richtig?
Zur Klägerin: Sind Sie keusch? – Sie hatten zur Nachtparty nur die Hausschuhe an?
Tragen Sie sonst mehr Kleidungsstücke zu solchen Festlichkeiten?
Können Sie das dem Gericht zeigen?
Soll ich die Öffentlichkeit ausschließen?
Zum Zeugen: Und Sie trugen weiter nichts, als das Tablett mit den Getränken?
Nachdem Sie 20 Bier, 10 Schnäpse und 5 Gläser Wein getrunken hatten, was bemerkten Sie da?
Zum Angeklagten: Sie zeigten auf dem Tisch einen Bauchtanz? Sind Sie sehr gelenkig?
Üben Sie immer zu Hause?
Übrigens, finden Sie die Klägerin feurig und rassig?
Zum Verteidiger: Haben Sie sich zu dem Fall Notizen gemacht?
Haben Sie sich an dem Treiben auch beteiligt?
Und wer berührte schließlich die Klägerin unsittlich?
Wer hat die restlichen Gäste aufgefordert, sich ebenfalls auszuziehen?
Zum Schreiber: Sie sollten auf dem Fest doch alles beobachten. Was hat eigentlich der Angeklagte mit der Klägerin im Hausflur gemacht?
Was taten Sie anschließend mit der Köchin in der Speisekammer?
Zum Verteidiger: Wer veranlasste die Gäste, splitterfasernackt eine Polonaise durch das Wohnviertel zu machen?
Und wer erzählte hinterher die schmutzigen Witze?
Zur Klägerin: Sie behaupten, Sie hätten gar keine Kinder?
Hatten Sie überhaupt schon mal ein sexuelles Erlebnis mit einem Mann?
Sie sind also noch Jungfrau?
Zum Angeklagten: Haben SIE jemanden mit der Klägerin verkehren sehen?
Es gibt also einen Nebenbuhler? – Ist der hier im Saal?
War der besser als Sie?
Zum Zeugen: Sie haben doch auch mit der Klägerin ein Verhältnis?
Weiß das Ihre Frau?
Wann hatten Sie denn das letzte mal ein sexuelles Erlebnis mit Ihrer Frau?
Zum Schreiber: Was haben eigentlich der Verteidiger und die Klägerin vor der Verhandlung in der Kanzlei miteinander gemacht?
Zum Verteidiger: Stimmt das? – Wer hat eigentlich damals die Drillinge gemacht?
Und wer hat es mit der Köchin getrieben?
Sie haben also die ganze Schweinerei gedeckt und verschleiert?
Richter: Danke, das genügt. Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen. Ich komme zur  Urteilsverkündung:
-    Der Angeklagte wird freigesprochen, muss seiner
     Gattin aber ewige Treue schwören.
-    Der Schreiber gibt dem Gericht einen aus, ist das so?
-   Der Verteidiger wird schuldig gesprochen. Er zahlt nicht nur die Gerichtskosten, sondern auch die Alimente.
DAS URTEIL IST RECHTSKRÄFTIG, STIMMT DAS, HERR SCHREIBER?
 

 Das war eigentlich im Großen und Ganzen der Ablauf eines Abends meiner gestalteten Disco. Trotzdem bin ich noch im Besitz zahlreicher Spiele und Einlagen für Kinder und Erwachsene, welche ich immer als Reserve mithabe.

 Ausklang

So, das soll es gewesen sein. Ich habe über den Teil meines Lebens berichtet, der Hobby und Beruf gleichermaßen gewesen ist – die Musik. Sicher gäbe es noch eine ganze Menge zu erzählen, vor allem schon deshalb,  weil  ich  ja  fast  nur  über die positiven Momente berichtet habe. Selbstverständlich gab es auch negative Dinge und Rückschläge, die man einstecken und verkraften musste. Es gab nicht immer nur gutes und aufmerksames Publikum, sondern man kam sich mitunter schon sehr verlassen auf der Bühne vor. Aber das alles sind Dinge, welche man verdrängt und man denkt nur an die schöne Zeit zurück. Außerdem geht es ja hoffentlich noch ein paar Jahre weiter, zumindest mit meiner Disco. Eins möchte ich noch unbedingt zum Schluss loswerden. Ich wünsche mir manches mal, dass ich früher mitunter den Erfolg gehabt hätte, den ich heute mit meiner Disco habe. Wenn auch die Erfahrung aus meiner Zeit als Berufssänger und Laiensprecher mit in diese Disco hinein geflossen ist, so bin ich gerade auf dem Gebiet des Umganges mit dem Publikum und beim Singen meiner Schlager nie so Selbstsicher aufgetreten wie heute. Und so lange,  wie es Menschen gibt, die das, was ich mache, anerkennen und es ihnen auch gefällt, solange werde ich noch meine gestaltete Disco fortführen, trotz meines Alters. Und wenn dann doch irgendwann einmal Schluss ist, hoffe ich, jemanden zu finden, der das, was ich aufgebaut habe, übernimmt und damit genau so Erfolg hat. Denn es macht unheimlichen Spaß, anderen Menschen Freude zu bringen. Aus diesem Grund schließe ich auch diese Erinnerungen mit einem Text, den ich zur Melodie von „My Way“ selbst geschrieben habe und der mein Abschlusslied zur Disco geworden ist. Soll er also auch  gleichzeitig den Schlusspunkt unter dieses Buch setzen: 

„Das war’s, das Spiel ist aus,
ich mach mich jetzt auf meinem Heimweg.
Und ihr, ihr habt getanzt,
doch geht ihr jetzt auf Euren Heimweg.
 
Der Abend ist vorbei,
ganz einerlei, ob ich das einseh’.
Ich wünsche Euch viel Glück
auf Euren Heimweg.
 
Es war mal wieder schön
bei Euch zu sein an diesem Abend.
Doch nun ist Schluss, ganz einfach Schluss,
wie’s kommen muss an jeden Abend.
 
Ich hab’ Euch hoffentlich
mit der Musik etwas gegeben,
das Euch gefallen hat -
das ist mein Leben.
 
Und wenn ihr dann zu Hause seid
und denkt zurück an diese Zeit,
wo ihr getanzt und gelacht.
Habt manchen Spaß dabei gemacht.
Es war doch wieder mal sehr schön!
Das ist mein Leben.
 
Nochmals, kommt gut nach Haus’,
vielleicht seh’n wir uns einmal wieder.
Ich freu’ mich schon darauf
und spiele dann die schönsten Lieder.
Doch nun sag ich tschüß, ganz einfach tschüß,
und seid gewiss, ihr ward heut Abend
das beste Publikum. Das ist mein Leben."

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Nachtrag

Normalerweise sollte an dieser Stelle eigentlich Schluss sein, aber es sind inzwischen ein paar Jahre vergangen und es hat sich in dieser Zeit einiges Neues ergeben, worüber ich gern noch berichten möchte.

Mittlerweile bin ich seit dem 01.04.03 zu Hause, da mein Betrieb mir eine Art Vorruhestandslösung angeboten hat. Danach werde ich die nächsten zwei Jahre von einer Auffanggesellschaft  übernommen und als Kurzarbeiter geführt und gehe dann für zweiunddreißig Monate in die Arbeitslosigkeit. Ab dem 01. Dezember 2007 gehe ich dann in Rente. Da ja keiner wusste, wie es in Zukunft allgemein mit der Arbeit aussieht und das Angebot recht ordentlich war, habe ich zugesagt und dieses Angebot angenommen. Seitdem habe ich selbstverständlich viel mehr Zeit, mich meinem Hobby, der Musik, zu widmen. Aber darauf komme ich später noch mal zu sprechen.

Die Zusammenarbeit zwischen mir und dem „singenden Wirt“ in Crimmitschau hat sich immer weiter ausgebaut und mittlerweile habe ich bei ihm auch die meisten Einsätze. Dabei profitierten wir beide davon – er hatte immer ein zufriedenes Publikum und dadurch fast jeden Samstag eine Gesellschaft in seiner Gaststätte und ich eben viele Discos. Außerdem hatte es den Vorteil, dass er mir bei meinem Programm helfen konnte, falls Brigitte durch ihre Arbeit einmal verhindert war. Allerdings ist meine Frau dann nach relativ kurzer Zeit sowieso ausgestiegen, da sie durch die Vereinfachung der Technik nichts mehr zu tun hatte.

 Eigene Lieder – eigene Programme

 Eines  Tages  hatte  ich  die Idee, doch mal zu versuchen, ein Lied selbst zu texten und zu komponieren. Es sollte ein Lied über die Gaststätte „Prießnitz“ und den „singenden Wirt“ sein. Also schrieb ich zunächst erst einmal einen Text. Dann borgte ich mir vom Nachbarn ein Keyboard aus. Da ich allerdings nur im Ein-Finger-Suchsystem spielen konnte, musste ich zuerst den Begleit-Rhythmus und  danach die Melodie und die Einwürfe einzeln und Stückchenweise auf den Computer aufspielen und dort alles in einem speziellen Programm zusammenmischen. Was dabei herauskam, ließ sich allerdings ziemlich gut anhören und kam dann beim Publikum auch sehr gut an. Nachdem wir  dazu unsere Stimmen aufgesungen hatten, brachten wir das Lied als CD heraus. Hier der Text:

 Prießnitzlied

Die Woche war mal wieder lang,
du bist total gestresst.
Und Abends dann das Fernsehprogramm,
das gibt dir noch den Rest.
 
Jetzt wird es allerhöchste Zeit,
dann brauchst du nur Gemütlichkeit,
die einer dir zu bieten hat
am Rande dieser Stadt.
 
Ja, viele, die kennen sie ganz genau,
die Gaststätte  „Prießnitz“ in Crimmitschau.
Wo du ganz herzlich willkommen bist,
wo man gut trinkt und auch sehr gut isst.
I:  Geh’ ruhig einmal, und sei so schlau,
zum singenden Wirt nach Crimmitschau.  :I
 
Hast du mal eine Festlichkeit
und lädst dir Gäste ein,
dann wirst du hier auf jeden Fall
ganz herzlich willkommen sein.
 
Da wird getanzt, da wird gelacht,
gefeiert bis in die tiefe Nacht.
Und jeder sagt beim Nachhause geh’n
es war so wunderschön.
 
Ja, viele, die kennen sie ganz genau, ...
 
Eh du dich versiehst, da greift er schon,
der singende Wirt zum Mikrofon.
Er singt seine Lieder von Liebe und Wein
und alle, die  stimmen mit ein.
 
Ja, viele, die kennen sie ganz genau, ...

Das Ganze war im ¾ - Takt geschrieben, mit einer eingängigen Melodie und lud natürlich zum Schunkeln ein.

 Robby und ich hatten mittlerweile schon unsere zweite, gemeinsame CD herausgebracht, als er eines Tages an mich herantrat und fragte, ob wir nicht eine CD mit Weihnachtsliedern herausbringen könnten. Verschiedene Gäste hätten schon danach gefragt. Also setzte ich mich mitten im Sommer hin und begann, passende Titel herauszusuchen. Dabei konnte ich auf eine Karaoke-CD zurückgreifen und die restlichen Titel holte ich aus dem Internet. Einige von den Weihnachtsliedern, z.B. „Leise rieselt der Schnee“ und „Stille Nacht“ verfeinerte ich noch, indem ich mittels Computer Background-Gesang von anderen Aufnahmen einmischte.  

Da mir das „Prießnitzlied“ ganz gut gelungen war,  fasste  ich den Entschluss, auch ein Weihnachtslied zu schreiben. Es sollte flott sein, Richtung „Jingle Bells“ und es sollte von Crimmitschau handeln. Also schrieb ich wieder einen Text und heraus kam das Lied „Weihnachten in Crimmitschau“. Nun folgte das selbe Zeremoniell wie beim „Prießnitzlied“, also Orgel borgen, Melodie ausdenken, einspielen und zusammenmischen. Auch hier kann ich wieder sagen, es wurde ein sehr schöner Titel, der den Leuten gefiel, was sich auch später noch bestätigen sollte. Hier der Text:

 Weihnachten in Crimmitschau

Jedes Jahr zur gleichen Zeit, ist die Weihnachtszeit nicht weit.
Ich suche meine Platten `raus und lege Weihnachtslieder auf.
„Vom Himmel hoch, da komm ich her“, auch „Stille Nacht“ gefällt mir sehr.
Dann kommt mir etwas in den Sinn: Zum Weihnachtsmarkt zieht es mich hin.
 
I:  Weihnachten in Crimmitschau, überall, wohin ich schau’
kann ich frohe Menschen seh’n. Weihnachten ist wunderschön.  :I
 
Ein jeder, der Familie hat fährt hinein in diese Stadt.
Das Auto, das wird abgeparkt, und dann geht’s auf den Weihnachtsmarkt.
Ich freu mich wie ein kleines Kind, weil es auch noch zu schnei’n beginnt.
Zu Glühweinduft und Kerzenschein, da kaufe ich Geschenke ein.
 
I:  Weihnachten in Crimmitschau, überall, wohin ich schau’
kann ich frohe Menschen seh’n. Weihnachten ist wunderschön.  :I
 
    Und schließlich, unterm Weihnachtsbaum, erfüllt sich dann so mancher Traum.
 
I:  Weihnachten in Crimmitschau, überall, wohin ich schau’
kann ich frohe Menschen seh’n. Weihnachten ist wunderschön.  :I
 

Zusammen mit den anderen Weihnachtsliedern brachten wir dann eine CD heraus, welche ganz gut angenommen wurde und die sich gut verkaufte. Die Reaktion ließ auch nicht lange auf sich warten. Die Stadt Crimmitschau hatte von der CD und der Eigenkomposition gehört und fragte, ob wir auf dem Crimmitschauer Weihnachtsmarkt 2002 in Form eines  kleinen  Programms unsere CD  vorstellen könnten.  Zumindest für Robby war das natürlich Neuland, aber wir sagten zu. Gott sei Dank war es an diesem Tag nicht zu kalt. Robby hatte bei allen Bekannten und Verwandten die Werbetrommel gerührt und es waren bestimmt weit über 100 Zuschauer anwesend. Zur Sicherheit haben wir Voll-Playback gesungen, nicht nur wegen der Textsicherheit, sondern auch aus Angst darüber, dass bei diesen Temperaturen die Stimmen versagen. Das Programm dauerte eine halbe Stunde, die wie im Flug verging. Ich glaube sagen zu können, dass das Programm ein großer Erfolg war, denn kurz danach erhielten wir das Angebot, auch im kommenden Jahr auf dem Weihnachtsmarkt aufzutreten und das gleich zwei mal je eine Stunde. Außerdem sollten wir auch zum Stadtfest im August 2003 ein  Stundenprogramm  aufführen. 

 Das Jahr 2003

 Im Jahr 2003 sollten auf mich einige persönliche Veränderungen zukommen, von denen ich zwar geahnt hatte, aber nie gedacht habe, dass sie so eintreffen. In meinem Betrieb, der CVAG, musste auf Grund von Einsparungen und Fahrgastrückgang jederzeit mit Entlassungen gerechnet werden. Einige jüngere Kollegen hatte es bereits getroffen. Im Dezember 2002 wurde auch ich ins Personalbüro bestellt. Mir und weiteren Kollegen wurde der Vorschlag unterbreitet, in Kurzarbeit zu gehen, und das bereits ab Februar 2003. Ich sollte mich innerhalb einer Woche entscheiden. Das Angebot sah vor, dass ich 26 Monate in Kurzarbeit gehen sollte, danach 18 Monate Arbeitslos wäre und die restliche Zeit bis zur Rente mit 60 Jahren Arbeitslosenhilfe  beziehen würde. Das alles bei sofortigem Aufhören als Fahrer sowie bei Zahlung von 80 % des  Netto-Lohnes  für  die  gesamte  Zeit.  Außerdem würden mir 18% weniger Rente gezahlt. Das klang nicht gerade gut, aber da ich in dieser Zeit auch gesundheitliche Probleme hatte, sagte ich dann doch zu. Danach hörte ich dann außer Gerüchte erst einmal nichts mehr. Viele der Kollegen hatten das Angebot abgelehnt, man benötigte aber Zusagen von mindestens 40 Mitarbeitern (warum?).

Ich machte im Februar noch meinen Urlaub und erfuhr dann, dass sich die Sache bis April hinauszögert, dann aber endgültig ist, allerdings unter besseren Bedingungen. Wir wurden einer Auffanggesellschaft angeschlossen, wo wir uns nur einmal im Monat melden mussten. 6 Monate erhielten wir noch 100% vom Nettolohn,  außerdem  wurde  noch  eine  relativ  gute  Abfindung ausgezahlt und bei Eintritt in die Rente gibt es auch noch eine kleines Übergangsgeld. Außerdem wird dann die Rente anders berechnet. Dieses Angebot war natürlich viel besser als das erste und so sagte ich zu. Somit gehörte ich die nächsten 2 Jahre also zu dieser Auffanggesellschaft an und war dann, bis zur   Rente, noch 2 Jahre arbeitslos, bei 80 % vom Nettolohn. Ich hatte selbstverständlich den Hintergedanken, noch so lange wie möglich meiner Musik nachzugehen. Womit wir schon wieder beim Thema wären.

Nach wie vor hatte ich meine regelmäßigen Veranstaltungen, die meisten fanden allerdings eben in Crimmitschau in der Gaststätte „Prießnitz“ statt. Im Grunde hat sich auch nicht viel vom Ablauf geändert, ich mache weiterhin mein Programm und die entsprechenden Einlagen im Laufe des Abends. Da es aber immer öfter vorkommt, dass ich bei einem Teil der Gäste schon einmal war, habe ich mir mittlerweile ein Alternativ-Programm zurechtgelegt. Es beinhaltet u.a. das Gedicht über eine Jubiläumsfeier, das ich an anderer Stelle schon vorgestellt habe, aber schon viele Jahre nicht mehr  gebracht habe. Außerdem müssen Gäste  sich  als  Reporter betätigen und einen „Radiosalat“ vortragen; ich erzähle eine „Verkehrsgeschichte“, in der ich Straßenverkehrsschilder in den Text mit einbeziehe und ihnen eine andere Bedeutung zuordne. Der Inhalt der Geschichte ist, wie ein Mann seine Frau kennen gelernt hat. Des weiteren habe ich noch einen Spaß parat, indem ich Zahlen an 6 Männern und 6 Frauen verteile, welche dann bei Nennung aufstehen müssen und ich sie dann verschiedenen Tierarten zuordne. Dabei lese ich dann immer die Eigenschaften dieses Tieres vor (z.B. Kurzhaardackel oder Leghorn-Henne), vergleichbar also mit einer Rassetier-Ausstellung. Eine  teilweise etwas harte, aber lustige Angelegenheit. Vor allem, wenn die Eigenschaften zufällig auch noch zum Teil auf den betreffenden Gast zutreffen.

Mit Robby habe ich auch noch einen neuen Sketch erarbeitet, der mich dazu brachte, nach vielen Jahren wieder zur Gitarre zu greifen:  Ich komme also mit der Gitarre herein und frage Robby, ob er denn schon bemerkt hat, wie viele schöne Frauen anwesend sind. Er bestätigt das und ich sage: Von mir aus kann eine Frau aussehen, wie sie will, aber ... und jetzt singen wir beide: ... schön muss sie sein, sie kann aussehen wie sie will, aber schön muss sie sein ... !

Und so geht es dann weiter. Robby zeigt auf einen weiblichen Gast und fragt mich, ob sie die richtige wäre. Ich bestätige das, frage sie aber gleichzeitig, ob sie denn wenigsten auch viel Geld hat. Dann plaudere ich mit Robby über verschiedene Dinge, z.B. erkläre ich ihm, wieso viele Fußballer O-Beine haben, er erzählt, das er Fan von Kojak, den Fernseh-Kriminalisten mit Glatze, ist. Ich sage ihm, das man früher Glück hatte, wenn man eine Frau geheiratet hat, die so kochen konnte, wie Mutti, heute aber, wenn man Pech hat, eine erwischt, die so säuft wie der Vater.

Und jedes Mal enden die Beispiele mit dem Refrain:

1. Sehr viel Geld kann sie haben, aber schön muss sie sein ...
2. Krumme Beine kann sie haben, aber schön muss sie sein ...
3. Essen kochen braucht sie nicht können, aber schön muss sie sein ...
4. Eine Glatze kann sie haben, aber schön muss sie sein ...
     Zum Schluss fassen wir im Lied noch mal alles zusammen und die Gäste können mit singen oder mit klatschen

Stadtfest in Crimmitschau 2003

 Zum eigentlichen Ende dieses Buches noch etwas zu unserem bisher größten Auftritt, zum Crimmitschauer Stadt- bzw. Marktfest. Wie schon erwähnt, sollten wir ein Programm von ca. einer Stunde machen und das auf einer Riesenbühne auf dem Markt in Crimmitschau. Also stellten wir dieses Programm mit Liedern von unseren CD`s zusammen und bauten zwei Spielrunden für Kinder ein. Gesungen haben wir u.a. das „Prießnitzlied“, „Hand aufs Herz“, ein „Stimmungslieder-Medley“, „Sierra Madre del sur“, den „Holzmichel“ – ein erzgeb. Stimmungslied – sowie „Zwei gute Freunde“ mit eigenen Text als Abschlusslied. Also alles in allen etwas für die „reifere Jugend“. Als Auftakt- bzw. Eröffnungslied hatte ich wieder ein Lied geschrieben und eingespielt, welches sich „Das Stadtfest ist in Crimmitschau“ nannte und das wir gleich zu Beginn der breiten Öffentlichkeit präsentierten.

Was soll ich noch groß sagen, es wurde eine  schöne Veranstaltung bei idealen Bedingungen, welche bei hunderten von Zuschauern sehr gut ankam und von der wir garantiert noch lange zehren werden. Auch in den nächsten Jahren waren wir daher immer mit einem Stundenprogramm vertreten, genau so, wie zum Weihnachtsmarkt.

 Schlusswort ???

 Eigentlich sollte es das nun gewesen sein, aber mittlerweile haben wir das Jahr 2009 und ich mache immer noch Disco. Ich habe mir inzwischen ein eigenes Keyboard gekauft, wodurch ich in der Lage war, einige weitere Titel zu komponieren und einzuspielen. Dadurch entstanden insgesamt 5 Schlager und 5 Weihnachts-Lieder.

Die Technik hat sich ja auch weiter entwickelt und ich mache nicht mehr mit mp3-Playern sondern mit dem Laptop Musik. Auch mein Programm und meine Einlagen habe ich erweitert - so parodiere ich 2 Lieder bekannter Stars: zum einen Jürgen von der Lippe mit seinem „Blumenmann“ und Horst Schlämmer alias Harpe Kerkeling mit dem Lied „Das ist bestimmt meine letzte Zigarette“.

Teil 2

 So ging es weiter

 Also, was machte ich? Ich schreibe im Teil 2 meines Buches, wie es weiter ging. Nicht ganz so spektakulär, wie im ersten Teil, aber es lohnt sich schon, über das eine oder andere zu erzählen. Und im Anhang gibt es dann alles, was ich im Laufe der Jahrzehnte an Programmteilen und Einlagen gebracht habe, ausführlich beschrieben und zum Nachmachen empfohlen. Es geht nun um die Zeit nach 2003, dieses mal nicht nur um Musik und Show, sondern auch um berufliches.

Dass ich also mit 56 Jahren in den Vorruhestand ging, habe ich ja schon beschrieben. Der Vorteil lag eigentlich darin, dass ich ab da sehr viel Freizeit hatte und dadurch fast alle Disco´s machen konnte, die mir angeboten wurden. Und das waren nicht wenige.

 Mittlerweile hatte sich auch einiges im Bezug auf meine Technik verändert und verbessert. Zunächst legte ich mir einen Laptop zu, der eine große Erleichterung darstellte. Zum einen können tausende von Titeln auf dem Speicher sortiert und abgespeichert werden und können dann innerhalb von Sekunden gefunden und abgespielt werden.  Ich verfüge immerhin über ca. 18 000 Titel.

 Des weiteren kaufte ich mit ein relativ gutes Keyboard, um selber Karaoke-Titel einzuspielen und auch, um eigene Titel zu komponieren. So entstanden dadurch noch die Titel „Wir senden Grüße aus Crimmitschau“, „Drei Linden im Sahnpark“, „Weihnachtszeit – Familienzeit“, „Der Weihnachtsmann in Crimmitschau fährt einen großen Truck“ sowie das Eröffnungslied unseres Weihnachtsprogramm´s „Nun ist es wieder mal soweit“. Hinzu kamen dann später auch noch Schlager, die es nicht als Karaoke gegeben hat.

 Was meine Disco betraf, so konnte ich mich vor Aufträgen mitunter fast nicht retten und musste viele Termine absagen. Auch was mein Programm und meine Einlagen betraf, habe ich viel Neues gebracht und bestehendes aktualisiert oder geändert. Im Anhang werde ich versuchen, das alles zu ausführlich zu beschreiben, damit jeder Gelegenheit hat, diese Programmteile für sich zu verwenden. Um es vorweg zu nehmen, hatte ich die Absicht, früher oder später mit der Disco etwas kürzer zu treten, möchte dann aber wenigstens mein Programm weiterhin anbieten, welches immerhin bis zu 1 Stunde geht. Aber dazu später etwas genaueres.

 Zunächst erst mal ein Erlebnis der besonderen Art. Unser Urlauber-Ehepaar aus Bremerhaven, von denen ich ja schon im Teil 1 berichtet habe, hatten sich in der Türkei eine Wohnung gemietet und sind dann später ganz nach Avsallar gezogen. Dort haben wir sie öfters besucht und wunderschöne Tage erlebt. Eines Tages fragte mich der Ehemann Hannes, ob ich nicht mal Disco in der Türkei für deutsche Urlauber machen könnte. Der Hintergedanke war, damit einen Spendenabend zu gestalten. In der Türkei gibt es sehr viele, frei laufende Hunde ohne festen Besitzer. Sich um diese Hunde zu kümmern haben sich einige Einwohner zur Aufgabe gemacht, was aber nicht billig ist. Vor allem, wenn man einen Tierarzt benötigt. Nun sollte ich also in einer Gaststätte direkt am Einkaufsboulevard vorrangig für deutsche Urlauber Musik zur Unterhaltung und zum Tanz machen und dabei wurden die Gäste gebeten, Geld an eine Einrichtung zu spenden. Ich war zwar damit einverstanden, wusste aber noch nicht, wie das vonstatten gehen sollte, vor allem mit der Technik. Aber Hannes hatte da eine Idee. Es gab da eine Band, die würden mir ihre Anlage zur

Verfügung stellen, den Rest musste ich selbst mitbringen. Also packte ich zu den üblichen Urlaubssachen noch mein Mikrofon, meinen Laptop und mein Blumenmann-Kostüm ein. Die Veranstaltung war gut besucht, es wurde auch mal nach deutscher Musik getanzt, mein Blumenmann und mein Gesang kam ebenfalls gut an, so gut, dass der Chef der Gaststätte mich gleich noch mal für den darauf folgenden Samstag haben wollte. Das habe ich aber abgelehnt, da ich ja niemanden der einheimischen Bands Konkurrenz machen wollte und man in der Türkei auch sonst nicht ohne behördlicher Genehmigung arbeiten darf. Aber schön und aufregend war es trotzdem.

 Straßenbahn und Musik

Ich möchte nun noch etwas zu einem weiteren Hobby von mir schreiben, welches auch irgendwie zum Thema Musik und Unterhaltung passte. Als ich in den Vorruhestand geschickt wurde, schloss ich mich der AG Straßenbahnfreunde Chemnitz e.V. an, welche in Kappel ein Museum hat. Dort restaurierte und reparierte ich mit anderen Freunden alte Straßenbahnen aus der Schmalspurzeit von Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt. Aber ich konnte auch wieder bei Sonderfahrten mit Oldtimer-Bahnen als Fahrer oder Schaffner fungieren. Da die Aufgabe des Schaffners u.a. darin besteht, die Fahrgäste über die Bahn, den Nahverkehr sowie über die Stadt zu informieren, hatte ich die Möglichkeit, das alles ein bisschen locker zu präsentieren, was mir und den Gästen großen Spaß bereitete. Außerdem sorgte ich bei Straßenbahn-Festen sowie anderen Veranstaltungen für die musikalische Unterhaltung, sowie für Informationen an die Besucher. Dabei nutzte ich immer die Gelegenheit, auch ein paar Titel live zu singen.

Leider passierte es aber zwei Jahre hintereinander, dass ich zu den Terminen, als das Kappler Straßenbahnfest stattfand, aus persönlichen Gründen keine Musik machen konnte. Es musste daher also ein  anderer DJ einspringen. Danach wurde mir mitgeteilt, dass dieser das auch weiterhin  machen sollte, da es sowieso ganz gut wäre, wenn es mal jemand anderes übernimmt. Damit war ich also raus, was mir zwar leid getan hat, aber nicht zu ändern war.

 Künstlertreffen  

 Nun noch zu einem anderen Thema. Seit 2008 fand und findet in Chemnitz zwei mal im Jahr der so genannte „Künstlerstammtisch“ statt, organisiert von dem Artisten Steffen Sonntag, der unter dem Künstlernamen „Adelly“ u.a. mit einer YoYo Darbietung auftrat.

 Ehemalige und ebenfalls noch aktive Künstler, vornehmlich aus Sachsen, hatten hier die Gelegenheit, sich in einer Gaststätte zu treffen und dabei in Erinnerungen zu schwelgen. Am Anfang waren es vor allem ehemalige Berufskünstler aus den unterschiedlichsten Genre, später kamen dann auch noch in der DDR aktive Laien und junge Talente dazu. Unter den Teilnehmern befanden sich auch sehr bekannte Künstler, mit denen auch ich viel zusammen unterwegs war. Am 05. Juli 2019 fand dann unser 25. Treffen statt.

 Das gibt mir die Gelegenheit, an dieser Stelle einmal Namen von Künstlern zu nennen, mit denen ich mehr oder weniger auf der Bühne gestanden habe und von denen mittlerweile auch einige nicht mehr unter uns weilen. Aber auch jene, die auch noch nach der Wende in der Unterhaltungskunst tätig  waren oder  sind:

 Gesang: Frank Schöbel, Chris Doerk, Ina-Maria Federowski, Sonja Schmidt, Helga Brauer, Fred Frohberg, Roland Neudert, Ingrid Winkler, Susie Schuster, Bärbel Greif, Brigitte Ahrens, Marina Wils, Lutz Jahoda, Paul Schröder, Jolanda, Olaf Berger, Karel Hulinsky, Klaus Sommer (Ten Oliver), Günter Geißler, Steffen Reuter, Karin Prohaska, Vittorio, Hannelore Breiten, Reiner Süß, Siegfried Koenig, Karin-Maria, Dina Straat, Volkmar Böhm, Pavel Nowak, Peter Ehrlicher, Ekkehard Göpelt, Kathrin Andreè, Vera Schneidenbach,  Nina Hagen, Hannelore Kalin, Rosemarie Ambè, Regina Thoss, Jan Gregor, Eberhard und Stefanie Hertel, Gitte und Klaus, Christian Schafrik, Uwe Jensen, u.v.a..

 Humoristen und Conferenciers:  Winfried Krause, Rolf Herricht & Hans-Joachim Preil, Leni Statz, Günthi Krause, Edgar Pfeil, Wolfgang Roeder, Bobby Bölke, Heinz Quermann, Eberhard Rohrscheid, Peter Frenkel, Erika Krause, Felix Holzmann, O.F. Weidling, Uwe Band, Hans Escherlohr, Horst Kaczmarek, Evelyn Kunze, Frank Michael, Fred Gigo, Rolf Ortmann, Peter Parleur, Manfred Rupkalwis, u.v.a..

 Zauberer und Artisten: Steffen Unger, Mike Schnelle, Dr. Peter Kersten, Die Conis, Los Yoyos, 2 Lips u.v.a.